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"Oskar Schindlers Liste" bringt historische Tatsachen auf die Bühne

Eindringlich schildert die Inszenierung die Umstände, unter denen Oskar Schindler über 1000 jüdischen Zwangsarbeitern das Leben rettete und gleichzeitig Trinkkumpan von Amon Göth war.

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Oskar Schindler (Ingo Brosch, links) Ende 1939 als prinzipienloser, opportunistischer Kriegsgewinnler mit seiner Geliebten, Eva-Martha Kisza, (Vanessa Frankenbach, rechts) trinkt Champagner aus Magnumflaschen. Foto: Heinzel

Oskar Schindler (Ingo Brosch, links) Ende 1939 als prinzipienloser, opportunistischer Kriegsgewinnler mit seiner Geliebten, Eva-Martha Kisza, (Vanessa Frankenbach, rechts) trinkt Champagner aus Magnumflaschen. Foto: Heinzel

Oskar Schindler (1908 – 1974) war ein Lebemann, Frauenheld, NSDAP-Mitglied, prinzipienloser Opportunist und Kriegsgewinnler – gerissen und skrupellos. Gleichzeitig setzte er sein Leben und sein ganzes Vermögen ein, um über 1000 jüdischen Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs das Leben zu retten. Er und seine Frau Emilie werden heute als "Gerechte unter den Völkern" in der internationalen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Israel geehrt. 

Das eindrückliche, aufwühlende, beklemmende und gleichzeitig Hoffnung gebende Theaterstück wurde jetzt in Vechta aufgeführt. Es war eine sehr bewusste Entscheidung der Stadt, die Inszenierung ins Metropol-Theater zu holen. "Es gehört zur Erinnerungskultur, die wir in Vechta pflegen", sagte Kulturamtsleiter Herbert Fischer und ergänzte: "Hier geht es darum, Haltung zu zeigen." Ein ausverkauftes Haus und ein äußerst beeindrucktes Publikum waren der Lohn. Die Leistung des Ensembles wurde erst zaghaft, dann immer stärker werdend mit Applaus honoriert und endete in Standing Ovations und Beifallspfiffen.

"Oskar Schindlers Liste" wird auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen erzählt und beginnt 1997 auf einem Dachboden in Hildesheim, als die Staehrs einen Koffer von Oskar Schindler mit Originaldokumenten und Briefen finden. Die beiden beginnen zu lesen, und was sie dabei über Oskar Schindler erfahren, wird in Rückblenden erzählt.

Werner H. Schuster (links) als Josef Aue und Ingo Brosch (rechts) als Oskar Schindler im Gespräch als Agenten des militärischen Geheimdienstes der Wehrmacht.
Heinzel
Oskar Schindler nutzt seinen kriegswichtigen Betrieb um jüdische Zwangsarbeiter zu retten.
Heinzel
Haben den Koffer von Oskar Schindler gefunden und lesen sich in die Geschichte ein, welche in Rückblenden erzählt wird.
Heinzel
Der SS-Willkür im Krakauer Ghetto sind die Insassen hilflos ausgeliefert.
Heinzel
Amon Göth (Armin Riahi, links) beim trinken mit Oskar Schindler (Ingo Brosch, rechts)
Heinzel

Kurz gesagt, der Sudetendeutsche übernimmt in Krakau ein jüdisches Unternehmen und beschäftigt im Laufe der Zeit in dem kriegswichtigen Betrieb immer mehr jüdische Zwangsarbeiter. Durch Bestechung, Drohungen und Gerissenheit schafft er es, diese "Schindlerjuden" vor der Ermordung durch die SS zu bewahren. Die Staehrs kommentieren die Rückblenden und stellen Fragen. Er sagt beispielsweise: "Oskar Schindler war alles andere als ein Engel" und sie meint später: "Eigentlich haben ihn nur die Umstände zu einem besonderen Menschen gemacht."

Regisseur Lajos Wenzel lässt sein 12-köpfiges Ensemble, welches 27 Rollen spielt, in dem clever gewählten und reduzierten Bühnenbild von Tom Grasshoff agieren. Es ermöglicht einen raschen Ortswechsel, erinnert durch seine Struktur aber durchgehend an ein Lager oder Ghetto. Die titelgebende Liste wird als Hintergrund gewählt. Die Kostüme von Daniela Eichstaedt sind zeitgemäß und verstärken zusammen mit der passenden Musik von Dennis Bäsecke-Beltrametti sowie einzelner Tondokumente die Handlung. Getragen wird die Aufführung durch stark aufspielende Darsteller, die es dem Zuschauer ermöglichen, die manchmal mehr als beklemmende Atmosphäre zu spüren.

Armin Riahi als sadistischer SS-Hauptsturmführer Amon Göth, der morgens vom Balkon seiner Villa aus Häftlinge erschoss. Foto: HeinzelArmin Riahi als sadistischer SS-Hauptsturmführer Amon Göth, der morgens vom Balkon seiner Villa aus Häftlinge erschoss. Foto: Heinzel

Schwer zu ertragen sind etwa die Szenen, in denen die ganze Hilflosigkeit und Todesangst der jüdischen Zwangsarbeiter, die der Willkür und den Launen der menschenverachtenden SS-Schergen ausgesetzt waren, deutlich wird. Besonders erschütternd ist der sadistische SS-Hauptsturmführer Amon Göth, der willkürlich quält, brutal misshandelt und mordet. Die ganze Menschenverachtung und Entgrenzung innerhalb dieser Tötungs- und Ausbeutungsmaschinerie des Lagersystems wird an ihm deutlich. Mit einem Repetiergewehr zielt Armin Riahi als Amon Göth ins Publikum, um sich ein Opfer auszuwählen. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass hier keine fiktive Handlung erzählt wird, sondern historische Fakten auf der Bühne präsentiert werden.

Florian Battermann hat das Ganze für die Bühne aufgearbeitet. "Mich hat die Frage umgetrieben, was passieren muss, damit ein Deutscher, der ganz offensichtlich von dem System der Nationalsozialisten profitiert hat, plötzlich in großem Stil gegen sie arbeitet", schreibt der Autor im Begleitheft zum Stück. Der studierte Historiker schrieb damit auch eine Charakterstudie von Oskar Schindler – souverän und eindringlich gespielt durch Ingo Brosch. Die Aufführung macht dabei deutlich, dass er nicht allein agierte. Im Gegenteil, ohne die Hilfe  seiner Frau Emilie (Astrid Krenz-Straßburger) und vielen anderen, wie Abraham Bankier (Dimitri Tellis), Itzhak Stern (Hannes Ducke) oder Viktoria Klonovska (Claudia van Veen), hätte er es nicht geschafft.

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