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Neues Buch der Dinklager Benediktinerinnen: 25 Geschichten über 25 Jahre Martinsscheune

1997 wurde auf der Burg Dinklage die Herberge für Menschen in Not eröffnet. Was die Menschen und Bewohner in dieser Zeit erlebt haben, erzählt das Buch der Benediktinerinnen und des Fördervereins.

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Eine der Autorinnen: Schwester Johanna Wiese. Foto: Böckmann

Eine der Autorinnen: Schwester Johanna Wiese. Foto: Böckmann

Es war auf der Mitgliederversammlung des Fördervereins der Martinsscheune im November 2021, da hatte Bettina Lumm-Hoffmann eine Idee: Die Herberge für Menschen in Not auf der Burg Dinklage feiere in diesem Jahr doch ihr 25-jähriges Bestehen. Wolle man da nicht irgendwas machen, zum Beispiel ein Buch schreiben, fragte sie die Benediktinerinnen der Abtei und ihre Vorstandskollegen?

Gefragt, gesagt, getan. Im Februar 2022 begann die konkrete Arbeit an der Broschüre, es wurde ein Konzept für Inhalt und Layout erstellt. Und das Ergebnis steht jetzt fest. Denn die Abtei und der Förderverein präsentieren passend zum Martinstag ein kleines, feines, 60 Seiten umfassendes Buch, das ab sofort erhältlich ist. Es hat den einprägsamen Namen: "Martinsscheune. 25 Jahre – 25 Geschichten".

In den Kurzgeschichten finden sich nicht nur Erfolgsstorys

Es ist ein Blick auf die Menschen in der Martinsscheune. Die 25 Kurzgeschichten sind mal amüsant und mal traurig. Sie machen nachdenklich und versprühen Hoffnung. Es sind nicht nur Erfolgsstorys, aber sie sind immer interessant. Kurzum: Es sind kurze Geschichten, die bewegen.

Die meisten der 25 Texte haben Schwester Johanna Wiese und Schwester Monica Lewis geschrieben. Schwester Johanna leitet heute die Einrichtung, Schwester Monica war vor 25 Jahren die erste Ansprechpartnerin für Menschen in Not. Neben den beiden Ordensfrauen haben auch Gastautoren wie der frühere evangelische Pastor Fridtjof Amling und Lisa Oesterheld, die früher in der Ökonomie der Burg Dinklage arbeitete, ihre Erinnerungen verfasst.

Thomas Niemann als Vorsitzender des Fördervereins der Martinsscheune findet: "Das Schöne hinter jeder Geschichte ist: Es gibt eine Botschaft. Auch zwischen den Zeilen können die Leser etwas für das Leben mitnehmen." Das Buch zeige außerdem die Entwicklung von sich in Not befindenden Menschen. Was er damit meint: Früher war die Martinsscheune eine Herberge für Obdachlose, die sich auf der Durchreise befanden. Das habe sich verändert.

Menschen vielfältiger Couleur besuchen die Martinsscheune

Jetzt, ergänzt Äbtissin Franziska Lukas, finden oftmals Menschen "aus der Mitte des Lebens" in der Martinsscheune eine Unterkunft. Junge ebenso wie Alte, Menschen vielfältiger Couleur, Menschen mit unterschiedlichen Gesichtern. Einige Gäste bleiben kurz, einige länger, einige sterben auch während ihres Aufenthalts Dinklage. Und es gibt Frauen, die erst hochschwanger und dann mit ihrem Neugeborenen in der Herberge leben. Den Wohnungsdruck spüre übrigens auch die Martinsscheune, sagt Schwester Monica. Jede Not- und Flüchtlingswelle komme etwas verzögert auch bei der Benediktinerinnenabtei an.

Die Idee, eine Herberge für Menschen in Not einzurichten, entstand Anfang der 1990er Jahre. Immer wieder fragten von Hunger, Verfolgung und Krieg Getriebene oder Wohnungslose in der Burg Dinklage nach einem Quartier. Es gab in der Ökonomie zwar genug Räume, diese waren jedoch für Tagungsgäste und Gruppen reserviert. "Aus dieser Spannung heraus", so erzählte es Lisa Oesterheld im OV-Artikel vom 10. August 1992, "entstand im Gespräch mit den Benediktinerinnen die Idee, in einer leerstehenden und baufälligen Scheune eine Wohnung für Flüchtlinge und Menschen in Not zu schaffen".

Wie die Ökonomie helfen will: So stand es am 10. August 1992 in der OV. Foto: Archiv MartinsscheuneWie die Ökonomie helfen will: So stand es am 10. August 1992 in der OV. Foto: Archiv Martinsscheune

In der Zeit von 1992 bis 1997 wurde dann mithilfe von Spenden eine Scheune neben der Ökonomie zur temporären Unterkunft für Menschen ohne Wohnung umgebaut. Träger ist der Verein "Martinsscheune – Herberge für Menschen in Not". Die Gäste versorgen sich dort selbst. Es gibt 5 Zimmer. Die Auslastung liegt bei 90 Prozent. In den vergangenen 10 Jahren gab es in der Martinsscheune rund 1800 Übernachtungen pro Jahr.

Die Schwestern des Klosters bieten Hilfe zur Selbsthilfe an. Sie vermitteln dort, wo es notwendig ist. Sie entwickeln keine neuen Lebensläufe, aber sie helfen bei den nächsten Schritten. Sie nutzen ihr Netzwerk, wenn jemand eine Wohnung sucht. Sie hören zu, wenn jemand reden möchte. Von Mensch zu Mensch. "Die Mitarbeiter werden zu einer Familie – manchmal bis zum Tod", sagt Thomas Niemann.

Die Benediktinerinnen betonen: "Menschen, die ohne festen Wohnsitz leben, sind genauso willkommen, wie diejenigen, die ihre Lebenssituation verbessern möchten." Welche Geschichte sich dann dahinter verstecken können, das erzählt das Buch über die Martinsscheune.


Info:

  • Das Buch ist ab dem 11. November (Donnerstag) im Klostercafé erhältlich. Es kostet 5 Euro. Die Einnahmen werden für die Arbeit der Martinsscheune verwendet.
  • Autoren sind Schwester Johanna Wiese, Schwester Monica Lewis, Schwester Paula Meyer zu Natrup, Lisa Oesterheld Anne Völker und Pastor Fridtjof Amling.
  • Das Redaktionsteam bildeten Sr. Johanna Wiese, Sr. Monica Lewis, Bettina Lumm-Hoffmann, Ruth Honkomp-Willenbring und Tiina von Hammerstein.
  • Die Martinsscheune erhält zum Teil Zuschüsse, ist aber auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: Martinsscheune, Herberge für Menschen in Not e.V. , VR Bank Dinklage-Steinfeld, IBAN DE30 2806 5108 0007 7070 00.

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