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„Heimat sind auch die Beziehungen“

Andrea Hornemann zog als Studentin zu. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der OV-Serie Heimat.Los.

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Andrea Hornemann (51) ist Sozialpädagogin.

„Heimat, das ist für mich kein räumlicher Ort, sondern das Gefühl, zu jemandem zu gehören. Das sind meine Familie, meine Freunde und die Menschen, mit denen ich arbeite.

Aufgewachsen bin ich in Bremen als Kind, Enkelkind und Nichte von Menschen, die durch Flucht und Vertreibung oder auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen dorthin kamen. Alle waren heimatlos. Meine Schwester und mich hat die spürbare Verunsicherung der Erwachsenen um uns herum geprägt. Diese Generation hatte nicht das Selbstbewusstsein, das entsteht, wenn man lange an einem Ort verwurzelt ist. Das war so spürbar, dass ich früh sehr heimatbezogen empfunden habe – immer auf der Suche nach meiner Scholle, einem Sehnsuchtsort, zu dem ich mich zugehörig fühle.

Zum Studium kam ich dann nicht ganz freiwillig nach Vechta, sicher in der Erwartung, nach einigen Jahren zurück nach Bremen zu ziehen. Doch nach dem Studium bekam ich eine Stelle beim Andreaswerk, wo ich bis heute arbeite. Ich hatte meinen Mann im Studium kennengelernt. Freundschaften haben sich gefestigt. Irgendwann hätten wir mehr verloren als gewonnen, wenn wir weggezogen wären.

Als wir uns entschieden haben, Kinder zu adoptieren, war uns klar, dass wir hier bleiben wollten. Es hat lange gedauert, bis Vechta mein Zuhause wurde. Das ist erst mit den Kindern entstanden. Unsere Töchter, die in Südamerika beziehungsweise Berlin geboren wurden, wissen bis heute nicht so recht, wo und was für sie Heimat ist. Für sie ist die Suche nach dem „Wo gehöre ich hin?“ noch sehr viel mehr Lebensthema als für mich. Somit ist die Suche nach den eigenen Wurzeln in unserer Familie weiterhin äußerst präsent.

Ich habe bis vor einigen Wochen gedacht, Vechta ist mein Zuhause, Bremen meine Heimat. Aber ich glaube, Heimat sind neben meiner Familie auch die Beziehungen, die hier gewachsen sind. Unsere Nachbarschaft, mein Freundeskreis und auch das Andreaswerk sind Orte, an denen ich leben möchte, mich angenommen fühle, mich engagieren mag und an denen ich alt werden möchte. Vielleicht bleibt es auch eine Suche, aber sie ist vorwärts gewandt."

  • Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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