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Eine beschwingte Zeitreise am "Namenstag"

Kolumne: Batke dichtet – Der Radiosender unseres Vertrauens hielt am letzten Tag des Oktobers eine Überraschung bereit. Über die "Musik des Lebens" in ganz persönlicher Form.

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„Musik meines Lebens“. Oft sind es nur wenige Worte, die einen Slogan richtig gut machen. Wie zum Beispiel „Freude am Fahren“ oder „Nichts ist unmöglich“ – kurze, knappe Aussagen, mit denen zwei große Autobauer seit Jahrzehnten erfolgreich sind. Wie der Zufall es wollte: Vergangenen Dienstag flossen alle drei Slogans während einer langen Autofahrt von Nordfriesland in die südoldenburgische Heimat wie von Zauberhand ineinander.

Wir waren für ein paar Tage auf Sylt gewesen, wunderbares Eiland, wunderbares Wetter, nichts zu meckern, sieht man einmal davon ab, dass irgendwo zwischen Kampen und Keitum der Begriff Inflation erfunden worden sein muss. Und natürlich war ich mit meinem Mittelklassewagen für Sylter Verhältnisse etwas untermotorisiert. Schwamm drüber, wir wollen nicht über die Insel und den Wucher reden, sondern über die Rückfahrt und die oben erwähnten Botschaften in drei Worten.

Mit „Musik meines Lebens“ wirbt der von mir bevorzugte Radiosender NDR Niedersachsen, und der hatte den letzten Tag des Oktobers zum „Namenstag“ ausgerufen. Gespielt wurden den ganzen Tag Songs aus der Pop-Geschichte, in denen Vornamen vorkamen. Es war eine beschwingte Zeit- und Rückreise, die trotz des zeitweise auftretenden Aquaplanings „Freude am Fahren“ auslöste und auch der Losung „Nichts ist unmöglich“ Genüge tat. Denn wo hat man schon eine solche Bandbreite, die sich von Theo Lingens „Der Theodor im Fußballtor“ bis „Sheena is a Punkrocker“ von den Ramones erstreckt.

Man muss nicht unbedingt mit den Gaben eines Statistikers gesegnet sein, um bemerkt zu haben, dass Songs, in denen Frauennamen vorkamen, die Tour von Norden nach Süden dominierten. Und natürlich meist interpretiert von den Herren der Schöpfung, wie bei „Lola“ von den Kinks, „Valerie“ von Steve Winwood, „Clair“ von Gilbert O'Sullivan, „Josie“ von Peter Maffay, „Uschi“ von Stephan Sulke, „Rosetta“ von Georgie Fame, „Cecilia“ von Simon and Garfunkel, einer von den Beatles besungenen Dame namens „Eleanor Rigby“ oder Udo Jürgens' „Gaby“, die da im Park (vergeblich) wartet. Und Roland Kaisers „Joana“ sowieso.

"Im Vergleich zu Frauen- haben Männernamen eher selten das Zeug zu einem Hit gehabt, was während der unterhaltsamen und beschwingten Heimfahrt deutlich wurde."

Im Vergleich zu Frauen- haben Männernamen eher selten das Zeug zu einem Hit gehabt, was während der unterhaltsamen und beschwingten Heimfahrt deutlich wurde. Immerhin: „My Friend Stan“ von Slade hatte ich schon lange nicht mehr gehört, auch die wunderbare Ballade „Vincent“ von Don McLean wird eher selten gespielt, auf „Little Willy“ von The Sweet hätte man gut verzichten können, wohingegen Mike Krügers Blödel-Hymne „Mein Gott, Walther“ auch fast 50 Jahre nach ihrem Erscheinen dem Hörer noch immer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Und „Karl der Käfer“ von der Gruppe Gänsehaut ein Stück Nachdenklichkeit

Zu Recht werden Sie fragen, ob es auch ein Song in die NDR-Playlist geschafft hat, in dem der wunderschöne Name „Alfons“ vorkommt. Leider nein. Am dichtesten war noch Paul Simon mit „You can call me Al“ dran. Überhaupt scheint der Alfons in der Pop-Geschichte keine Rolle zu spielen. Es gab da mal ein 1975 von Mike Oldfield komponiertes und von David Bedford eingesungenes Liedchen namens „Don Alfonso“. Aber das war von einem Hit so weit entfernt wie Lohne von Sylt.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 67-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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