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Die Arkebuse ist wieder im Vechtaer Museum

Korrosion hatte der jahrhundertealten Waffe zugesetzt. Nach der Restauration liegt der Sensationsfund nun in einer selbst gebauten Spezialvitrine.

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Passgenaues Ruhebett: Die Arkebuse lagert nun auf einem ausgehärteten Kunststoffmaterial, welches durch seine angepasste Form das Fundstück entlastet. Foto: Heinzel

Passgenaues Ruhebett: Die Arkebuse lagert nun auf einem ausgehärteten Kunststoffmaterial, welches durch seine angepasste Form das Fundstück entlastet. Foto: Heinzel

Im Jahr 2005 war sie ein Sensationsfund: die Vechtaer Arkebuse. Gefunden wurde sie im ehemaligen Graben einer der drei Inseln der Burg Vechta, die bis zu ihrem Abriss im Jahr 1689 beim heutigen Niels-Stensen-Werk stand.

Seit ihrem Fund wird die alte Vorderladerwaffe vom Museum im Zeughaus aufbewahrt. Dort kann sie nun nach längerer Abwesenheit wieder in der Dauerausstellung bestaunt werden. Das Besondere daran: Sie liegt in einer extra für sie durch die museumseigene Werkstatt hergestellten klimatisierten Vitrine. Die Idee dazu hatte der Leiter der Werkstatt, Wolfgang Siemer.

Ausstellungsstück muss in Mirkoklima aufbewahrt werden

Anfang 2019 war entdeckt worden, dass die historische Schusswaffe in vier bis fünf Teile zerbrochen war, berichtet Kai Jansen, der Leiter des Museums. Der Grund dafür war wohl die Lagerung des Fundstückes. Denn sie war nicht - wie es wohl nötig gewesen wäre - in einer Vitrine mit entsprechendem Mikroklima aufbewahrt, sondern in einer Eichenholzkiste.

Präsentieren die selbst gebaute Vitrine: Wolfgang Siemer (von links), Kai Jansen und Kristian Kater. Foto: Heinzel
Durch einen kleine Öffnung an der linken Seite kann das Silikagel ausgetauscht werden. Foto: Museum Vechta
Wolfgang Siemer platziert das historische Fundstück. Foto: Museum Vechta
Eine Röntgenaufnahme des Fundes zeigt, dass noch eine Kugel im Lauf steckt. Foto: Museum Vechta
Zustand nach dem Fund 2005. Foto: Museum Vechta
Packungen mit dem Silikagel. Foto: Museum Vechta
Die klimatisierte Vitrine mit dem historischen Fundstück und einer Replik einer Arkebuse. Foto: Museum Vechta

Das hatte zur Folge, dass Zerfallsprozesse in der Waffe weiter voranschreiten konnten. Die verdunstende Gerbsäure des Holzes belastete das Klima zusätzlich und trieb die Oxidation an der Waffe weiter voran.

Eine Restauratorin konnte den Schaden inzwischen beheben. Sie wies das Museum aber auch sehr nachdrücklich darauf hin, dass das historische Fundstück in einem konstanten Mikroklima aufbewahrt werden müsse, um es vor weiteren Schäden zu schützen. Eine dafür notwendige klimatisierte Vitrine beginne preislich bei 20.000 Euro, hieß es.

Die Kosten für die stattdessen jetzt selbst gebaute Vitrine lagen hingegen nur bei knapp 1250 Euro, die für Materialien anfielen. Etwa eine Woche brauchte Werkstattleiter Siemer, um aus MDF-Platten eine stabile Unterkonstruktion zu schaffen. Die meiste Zeit verging beim Warten; allein das Trocknen der lackierten Platten dauerte einen Tag. Letztlich investierte Wolfgang Siemer rund 20 Stunden reine Arbeitszeit. Zugekauft wurden nur die Wanne für das Silikagel und die Glashaube.

110 Kilogramm wiegt nun die klimatisierte Vitrine für die Arkebuse. Seit ein paar Wochen ist sie im Einsatz. Das Mikroklima wird kontinuierlich über zwei Temperaturfühler kontrolliert. Aktuell herrscht dort eine Luftfeuchtigkeit von 37 Prozent. "Damit ist das konservatorische Ziel der Vitrine erreicht", sagt Kai Jansen. Der Wunschbereich liege zwischen 35 und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Auch Ausstellungsmöbel kann die Werkstatt selbst bauen

Um dies zu erreichen, befindet sich in der Vitrine eine Wanne, in der zwei Kilogramm des Silikagels ProSorb aufbewahrt werden. Das Gel ist auf eine bestimmte Luftfeuchtigkeit eingestellt und versucht diese zu erreichen, indem es der Luft Feuchtigkeit entzieht. Wie lange eine solche Ladung Silikagel hält, muss das Museum nun herausfinden. Steigt die Luftfeuchtigkeit in der Vitrine wieder an, sei dies ein Indiz dafür, dass das Silikagel seine Aufnahmegrenze erreicht habe, erläutert Wolfgang Siemer. Turnusgemäß sollte das Gel nach etwa einem Jahr ausgetauscht werden.

Bürgermeister Kristian Kater lobte bei einem Ortstermin die Initiative Wolfgangs Siemers und meinte, dieser habe stets kluge und pfiffige Ideen. Denn auch die Lagerung des Fundstückes erfolgt nun objektschonend. Die Arkebuse liegt nun auf einem ausgehärteten, passgenauen Kunststoffbett, welches das Stück Metall entlastet. Durch die Eigenbau-Vitrine kann das Vechtaer Museum von jetzt an ein wichtiges Stück Geschichte richtig aufbewahren.

"Das ist der Vorteil der eigenen Werkstatt", meint Kai Jansen. Diese existiere seit der Gründung des Museums und sei in den letzten 4 Jahren durch Investitionen kontinuierlich erweitert worden, sodass das Museum einen Teil der benötigten Ausstellungsmöbel selbst bauen kann. Perspektivisch sollen beispielsweise weitere klimatisierte Vitrinen gebaut werden, um Ausstellungsstücke wie etwa die Scharfrichterschwerter im Erdgeschoss ebenfalls in einem konstanten Mikroklima aufbewahren zu können.

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