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„Die alte Heimat lebt in meinen Erinnerungen“

Dr. Pablo Meissner ist Bierbrauer und Wirt. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der OV-Serie Heimat.Los.

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Der 45-jährige Dr. Pablo Meissner aus Vechta erzählt, was für ihn Heimat bedeutet:

„Meine geografische Heimat ist Chile, wo ich geboren bin und den größten Teil meines Lebens verbracht habe. Mittlerweile lebe ich seit über 15 Jahren in Deutschland. Heimatlos zu sein ist ein schreckliches Gefühl, das man nicht lange aushalten kann. Obwohl meine Mutter eine Rheinländerin ist und auch die väterliche Familienseite deutschstämmig ist, fühlte ich mich in den ersten Jahren in Deutschland heimatlos – ich hatte doch mein Chile zurückgelassen.

In Chile sprachen wir zwar auch Deutsch, aber die Umgangssprache war eben Spanisch. Um das Gefühl von Heimatlosigkeit zu überwinden, vertiefte ich mich während des Studiums an der Universität Göttingen in die deutsche Kultur und Sprache. Die Sprache ist ein Schlüssel zur Integration. Die alte Heimat der Familie, Deutschland, wurde so zu einer neuen Heimat für mich.

Was ist das – Heimatgefühl? Sind es auch die schönen Erinnerungen an die Zeit in Chile, wo ich als Kind mitunter halbverwildert durch die Natur tobte, später als Angler und Naturfreund unzählige Expeditionen in den unberührten Süden des Landes unternahm, oder als Student mit Freunden in geselliger Runde manchen schönen Abend verbrachte?

Zwar ist diese Zeit von unvergesslichen und wunderschönen Momenten geprägt, doch diese Gefühle machen wohl nur einen Teil von Heimat aus – eine alte Heimat, die nun vornehmlich in meinen Erinnerungen weiterlebt.

Die Tätigkeiten meines Berufes als Brauer und Wirt wie auch die akademische Weiterbildung in Deutschland erzeugen an sich ein Gefühl der Heimat. Da ist zunächst das Handwerk des Bierbrauens – das ist tief verankert in der deutschen Kultur. Dazu kommt die Rolle des Wirtes, die zugleich den Kontakt zu einer breiten Menschengruppe eröffnet.

So habe ich in den letzten Jahren durch meine Arbeit an der Uni, den Aufbau der Brauerei und den Ausschank des eigenen Bieres in meinem Brauhaus viele verschiedene Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden. Das erzeugt ein Gefühl der Zugehörigkeit, was nichts anderes als Heimat ist. Mir ist bewusst geworden, dass ich heute zwei Gefühle der Heimat besitze. Was für ein Privileg!“

  • Das Projekt Heimat.Los der Oldenburgischen Volkszeitung und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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