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Der Kulturtipp: Bei diesem Zickenkrieg werden die Lachmuskeln trainiert

Kritik zur Liebeskomödie "Wo die Lüge hinfällt": Glen Powell und Sydney Sweeney liefern sich herrliche Frotzeleien in einem kurzweiligen und unterhaltsamen Film.

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Ein ständiges Hin und Her: Sydney Sweeney als Bea und Glen Powell als Ben liefern sich in "Wo die Lüge hinfällt" ein Wortgefecht nach dem anderen, weil sie sich augenscheinlich nicht mögen. Doch dahinter steckt viel mehr. Brook Rushton/CTMG/Sony Pictures

Ein ständiges Hin und Her: Sydney Sweeney als Bea und Glen Powell als Ben liefern sich in "Wo die Lüge hinfällt" ein Wortgefecht nach dem anderen, weil sie sich augenscheinlich nicht mögen. Doch dahinter steckt viel mehr. Brook Rushton/CTMG/Sony Pictures

Dass Filme aus anderen Ländern für die Vermarktung in Deutschland übersetzt werden, ist nichts Neues. Bei einer wortgetreuen Übertragung ist das meist nicht weiter schlimm. Dann gibt es da aber auch immer wieder einzelne Fälle, bei denen der ganze Titel des Films für den heimischen Kinomarkt schlicht abgeändert wird und somit die eigentliche Bedeutung verloren geht. So geschehen bei der Liebeskomödie "Wo die Lüge hinfällt" (Original: "Anyone But You") von Will Gluck ("Freunde mit gewissen Vorzügen").

Zugegebenermaßen wäre diesmal eine Eins-zu-eins-Übersetzung ziemlich unpassend, schließlich klingt "Niemand außer dir" recht sinnlos. Die einfachste Lösung: Hier wäre es besser gewesen, es beim Original zu belassen, denn "Wo die Lüge hinfällt" ist trotz albernem Titels eine sehr kurzweilige Liebeskomödie geworden, die mit viel Situationskomik und einem gut aufgelegten Cast punktet. 

Chemie zwischen Powell und Sweeney trägt den Film

Im Mittelpunkt des Films stehen Bea (Sydney Sweeney) und Ben (Glen Powell). Die beiden lernen sich zufällig in einem Café kennen, doch schon bald entwickelt sich etwas zwischen ihnen. Nach nur einer Nacht kommt es aus verschiedenen Gründen dazu, dass Bea und Ben sich aus den Augen verlieren. Doch der genannte Zufall sorgt dafür, dass sich die beiden 6 Monate später wieder über den Weg läuft. Beas Schwester heiratet nämlich eine Freundin von Ben. Und so steigen sie ins Flugzeug, nach Sydney, um die Hochzeit zu feiern. 

"Wo die Lüge hinfällt" erfindet das Rad definitiv nicht neu. Jeder, der auch nur einen Film aus diesem Genre gesehen hat, kann an einer Hand abzählen, wie die Geschichte enden wird. Das ist aber alles in allem völlig egal, denn der Weg bis dahin ist gespickt von herrlichen Frotzeleien zwischen den beiden Hauptdarstellern.

Glen Powell steigt nach "Top Gun Maverick" und "Devotion" aus dem Kampfflugzeug aus und versucht sich wieder in filmisch seichteren Gefilden. Er spielt Ben mit der richtigen Mischung aus Humor und Charme. Mit Sydney Sweeney – bisher eher aus dem Serienbereich bekannt – als Bea hat er einen Gegenpart, der das ständige Hin und Her zwischen den beiden perfekt erwidert. Sweeney mag zwar nicht die beste Schauspielerin sein, die Chemie stimmt aber.

Drehbuchautorin Ilana Wolpert räumt jeder Figur genug Platz ein

Auch sonst weiß der restliche Cast zu überzeugen. Das liegt daran, dass Drehbuchautorin Ilana Wolpert den Figuren genug Platz einräumt. Jedes Mitglied aus der Hochzeitsgesellschaft wird über die gesamte Laufzeit organisch in die Handlung eingebunden, und sei es nur, um den einen oder anderen lustigen Spruch zu reißen. 

Da wäre unter anderen Bens bester Freund Pete (GaTa), das Brautpaar Claudia (Alexandra Shipp) und Halle (Hadley Robinson) sowie deren Eltern, gespielt von Michelle Hurd, Bryan Brown, Rachel Griffiths und Dermot Mulroney. Um das Chaos perfekt zu machen, tauchen auch noch Bens Ex-Freundin Margaret (Charlee Fraser) und Beas ehemaliger Freund Jonathan (Darren Barnet) auf. Aus diesen Personenkonstellationen ergibt sich die eine oder andere äußerst amüsante Szene.

Es wird nicht an Nacktheit vor der Kamera gespart

Und genau hier geht "Wo die Lüge hinfällt" auch in die Vollen. Nach einem etwas behäbigen und doch arg konstruierten Beginn entfacht die Liebeskomödie nach gut 30 Minuten ein riesiges Gag-Feuerwerk aus Situationskomik. Dabei spart der Film auch nicht an expliziter Nacktheit. Mehr als einmal sind entblößte Brüste, Hintern oder das beste Stück des Mannes vor der Kamera zu sehen. "Wo die Lüge hinfällt" driftet aber nie in Fäkalhumor, den Til-Schweiger-Fans so lieben, ab. Nicht umsonst dürfte eine Szene mit einer Wolfsspinne, einem Koala und dem gänzlich entblößten Glen Powell jetzt schon zu einer der lustigsten des Jahres zählen.

  • Fun Fact: Während der Film in den USA wegen der Nacktszenen ein R-Rating (Eintritt nicht unter 17 Jahren) erhielt, wurde er in Deutschland mit einem FSK 0 bewertet.

Leider schafft es die Liebeskomödie nicht, diese hohe Gagdichte zu halten und baut vor Beginn des letzten Drittels dramaturgische Tiefpunkte ein, um die Laufzeit auf 103 Minuten zu strecken und dem Finale mehr Fallhöhe zu geben. Die emotionaleren Szenen funktionieren deshalb nur bedingt, auch wenn Powell und Sweeney hier über die schwächeren Aspekte des Drehbuchs hinweghelfen.

Fazit: Der alberne Titel sollte Interessierte nicht abhalten. Die gut aufgelegten Darsteller helfen "Wo die Lüge hinfällt" über einige Längen und viele genretypische Klischees hinweg und machen die Liebeskomödie zu einem unterhaltsamen Kinoerlebnis.

  • Info: Der Film "Wo die Lüge hinfällt" läuft zurzeit im Kino.

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