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Der Kultur fehlt auch in der Stadt Vechta eine Perspektive

2021 zeichnet sich bislang durch eine fehlende, langfristige Planungssicherheit aus. Der Grund sind sich ändernde Corona-Bestimmungen. Das erschwert in Vechta die Organisation von Veranstaltungen.

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Die Stühle bleiben leer: Ein unwirklicher Anblick sei das verwaiste Metropole-Theater meint Carolin Feye. Foto: Heinzel

Die Stühle bleiben leer: Ein unwirklicher Anblick sei das verwaiste Metropole-Theater meint Carolin Feye. Foto: Heinzel

Trostlos sieht es im verwaisten Metropol-Theater in Vechta aus. Herbert Fischer, der Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen bei der Stadt Vechta, und seine Kollegin Carolin Feye sind zum ersten Mal wieder in den Räumlichkeiten an der Kolpingstraße, seitdem Anfang Oktober 2020 dort die Karaoke-Komödie "Zickenzirkus" aufgeführt wurde. Danach kam der bis heute andauernde zweite Lockdown und der Ausfall zahlreicher Veranstaltungen. Beide hoffen im September dort die neue Theatersaison starten zu können.

"Der Kulturbranche fehlt aktuell eine Perspektive", konstatiert Herbert Fischer und blickt traurig in den leeren Saal. Eigentlich wollte er 2021 mit einem "kulturellen Wumms" aus der Pandemie zurückkehren. Doch danach sieht es inzwischen nicht mehr aus. Die Hoffnungen haben sich auf 2022 verschoben. Wie sich 2021 weiter entwickeln werde, sei derzeit nicht absehbar. Aber eines steht für den Kulturfachmann fest: "Der Schaden, der im kulturellen Bereich entstanden ist, der ist immens."

"Die Menschen wollen Theater live erleben und sich dabei einen schönen Abend machen!"Herbert Fischer, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen bei der Stadt Vechta

Kulturarbeit bestehe derzeit vor allem darin, Veranstaltungen zu verlegen, abzusagen oder gar nicht erst umzusetzen. Das bedeute zudem erst einmal alles Verschobene abzuarbeiten. Da bleibe aber leider wenig Platz für etwas Neues. Der sonst um diese Zeit stattfindende Bücherfrühling fällt aus. Auftritte wie der von Ralf Schmitz, Desireé Nick oder Dietmar Wischmeyer alias Günther der Treckerfahrer sind auf 2022 geschoben. Es sei aktuell einfach nicht klar, ob, wie, mit welchen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, Veranstaltungen in diesem Jahr stattfinden können. Das betrifft auch die beiden anstehenden Konzerte in der JVA Vechta mit Gregor Meyle und Tom Gaebel sowie das „Viva Vechta Open Air“ mit Sarah Connor.

"Es ist ein ständiges Auf und Ab", sagt Carolin Feye. Natürlich erarbeite sie stets einen Plan B, aber das sei keine einfache Aufgabe aufgrund der sich kontinuierlich ändernden Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. Die Verordnungen der Behörden gelten in der Regel einen Monat, das sei für eine vernünftige und langfristige Planungssicherheit im Kulturbereich zu kurz. Ohne Verlust könne eine Veranstaltung jedoch erst abgesagt oder verschoben werden, wenn es dafür eine rechtliche Grundlage gebe. Positiv sei, dass viele Karteninhaber erst einmal abwarten würden und nicht gleich ihre bereits gekauften Karten zurückgeben würden.

Veranstaltungen wie die Auftritte der oben genannten Künstler benötigten darüber hinaus eine Vorlaufzeit von einem halben Jahr und mehr. Sie müssten entsprechend beworben werden, der Ticketverkauf müsse organisiert werden, die gesamte Infrastruktur von der Bühne über die Veranstaltungstechnik bis hin zum Toilettenwagen muss gebucht sowie der Termin mit der Künstleragentur abgestimmt werden, schildert Carolin Feye einen Teil der Arbeit, die hinter einer solchen Veranstaltung steckt. Und natürlich nicht zu vergessen das Erarbeiten und Anpassen des Hygienekonzeptes zu Coronazeiten.

Impfen, Testen und eine vernünftige Öffnungsstrategie

Videoveranstaltungen sind für Herbert Fischer allerdings keine Alternative. "Die Menschen wollen Theater live erleben und sich dabei einen schönen Abend machen!" Einfach aus dem Alltag ausbrechen. Videoveranstaltungen hätten sich nicht bewährt, so Herbert Fischer.

Hofft auf 2022: Herbert Fischer spricht aktuell von einer Perspektivlosigkeit in der Kulturbranche. Es fehle eine langfristige Planungssicherheit. Foto: HeinzelHofft auf 2022: Herbert Fischer spricht aktuell von einer Perspektivlosigkeit in der Kulturbranche. Es fehle eine langfristige Planungssicherheit. Foto: Heinzel

Impfen, Testen und eine vernünftige Öffnungsstrategie das fordert Herbert Fischer als Grundlage für eine langfristige Planung.

Sein Kulturetat habe sich trotz Corona nicht verändert, sagt Herbert Fischer. "Das ist großartig und keinesfalls selbstverständlich." Er spricht von einem spürbaren Rückhalt durch die Politik. Damit will er an die Erfolge der Prä-Coronazeit anknüpfen. Doch das werde nicht so einfach sein. Er befürchtet, dass nach Corona gerade die namhaften Künstler große Hallen und Städte bevorzugen würden. "Wir werden wieder bei Null anfangen müssen. Und auch die Menschen müssen erst wieder Vertrauen finden. Die Pandemie wird nachwirken", da ist sich Herbert Fischer sicher und richtet den dringenden Appell an alle: "Vergesst die Kultur nicht!“

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