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"Das perfekte Geheimnis" überzeugt bei der Premiere

780 Besucher zeigten sich von den schauspielerischen Leistungen auf der Freilichtbühne begeistert. Das Stück hinterlässt die Lohner nachdenklich.

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Stoßen an: Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet und der Vorsitzende der Freilichtbühne, David Noeh. Foto: Steinke

Stoßen an: Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet und der Vorsitzende der Freilichtbühne, David Noeh. Foto: Steinke

„Was für eine Premiere!“ David Noeh, Vorsitzender der Freilichtbühne Lohne und einer der sieben Hauptdarsteller des Stückes „Das perfekte Geheimnis“ brachte die Eindrücke der Auftaktveranstaltung in vier Worten auf den Punkt. Die schauspielerischen Leistungen belohnten die 780 Besucher in der ausverkauftem Arena mit stehenden Ovationen.

Das Ehepaar Nina (Judith Schmidt) und Christoph (David Noeh) empfängt die befreundeten Paare Philip (Dominik Gustke) und Katharina (Kristina Spitzauer), Paul (Klaus Landsdorf) und Lena (Miriam Hübner Lõpez) sowie Maximilian „Maxi“ (Jan Bosma), der solo kommt, zu einem gemütlichen Abend. Zwischendurch mischt Haustochter Lilly (Alina Kossen) die Erwachsenen noch ein wenig auf. Alles beginnt mit Cliquenklatsch und eher witzigen Frotzeleien. Man schätzt sich, man kennt sich, wie Philip meint: „Ich kenne euch alle in- und auswendig.“ Psychoanalytikerin Nina ist sich wohl nicht so sicher und schlägt ein eher harmloses Partyspiel vor: Da es untereinander nichts zu verbergen gibt, könnten die Mobiltelefone auf den Tisch gelegt werden. Für die Dauer des Abends sind alle Anrufe und Nachrichten für jeden offen.

Mit vollem Körpereinsatz: Auf der Cliquenfeier geht es hoch her. Foto: SteinkeMit vollem Körpereinsatz: Auf der Cliquenfeier geht es hoch her. Foto: Steinke

Was nach dem Zögern einiger Anwesenden eher amüsant beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer psychologischen Auseinandersetzung. Ein Handytausch sorgt für zusätzliche Verwirrung. Das Spiel wird zu einem Selbstläufer des bitteren Ernstes. Selbst die Vollmondfinsternis, die über der Feier steht und für ein Gruppenselfie genutzt wird, kann nicht beruhigen.

Handy entpuppt sich als "Blackbox des Lebens"

Ein Labyrinth von Verwicklungen, von Missverständnissen und Fehltritten entsteht. Das Handy entpuppt sich für jede und jeden als persönliche „Blackbox des Lebens“. Einmal geöffnet, explodiert die Freundesclique. Maxi entlarvt: „Ich habe den Fehler gemacht zu glauben, dass wir Freunde sind!“ Aber die Anrufe zerstören ebenfalls die ehelichen Beziehungen. „Wir sind im Chaos!“, stellt Paul fest. Versöhnliches verschwindet und mit fast feindlicher Distanz gehen die einstigen Freunde auseinander.

Die von Mark Spitzauer erstmals in Deutschland für eine Freilichtbühne inszenierte Fassung als Kammerspiel hält sich weitaus enger an das Original des italienischen Erfolgsfilms von Paolo Genovese als das deutsche Film-Remake. Was dort in einem fast „Friede-Freude-Eierkuchen“-Happy End schließt, endet in einer verblüffenden – hier offen gelassenen – Lohner Abschlusspointe und entlässt die Zuschauer eher nachdenklich.

Enttäuschung: Maxi (Jan Bosma, 3. von links) ist ohne seine angekündigte Freundin zur Cliquenfeier gekommen. Da sind (von links) Christoph (David Noeh), Paul (Klaus Landsdorf), Nina (Judith Schmidt), Lena (Miriam Hübner Lopez), Philip (Dominik Gustke) und Katharina (Kristina Spitzauer)  enttäuscht. Foto: SteinkeEnttäuschung: Maxi (Jan Bosma, 3. von links) ist ohne seine angekündigte Freundin zur Cliquenfeier gekommen. Da sind (von links) Christoph (David Noeh), Paul (Klaus Landsdorf), Nina (Judith Schmidt), Lena (Miriam Hübner Lopez), Philip (Dominik Gustke) und Katharina (Kristina Spitzauer)  enttäuscht. Foto: Steinke

Es geht nicht nur um Unterhaltung

Im Kontrast zu den letzten Erwachsenenstücken musste das Ensemble neue Wege beschreiten. Es ging nicht nur um reine Unterhaltung. „Wir wollten versuchen, die Gefühle und Herzen des Publikums zu erreichen, es zum Nachdenken anzuregen. Wir haben eine Büchse der Pandora geöffnet“, spielte Spitzauer auf die teilweise fluchtartigen Auswirkungen des Mediums Mobiltelefon an.

Er zeigte sich äußerst zufrieden mit dieser Darbietung, die schauspielerische Höchstleistungen einforderte. Die Präsenz musste dauerhaft aufrechterhalten werden: „Das haben alle wunderbar gemacht!“ Die Freilichtbühne Lohne zeigte als Amateurtheater wieder einmal, dass sie unterschiedliche Formen des Theaters perfekt bespielen kann. Dazu trug die neue Videotechnik bei, die unauffällig illustrativ das Bühnenbild ergänzte. Einbezogen in das Lob sind auch jene fast 150 Ehrenamtlichen, die im Hintergrund der Aufführungen beeindruckende Leistungen erbringen. Ein besonderes Lob verdiente sich Sabine Landsdorf mit dem Bühnenbild einer Loftwohnung.

Sie alle sind die Mosaiksteinchen des Erfolgs, den zum Ende ihrer Begrüßung Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet, zusammenfasste: „Wenn die Freilichtbühne ruft, kommen die Menschen. Sie wissen, es wird einfach toll!“ Das gilt uneingeschränkt für die weiteren elf Aufführungen des Stücks, sind sie doch komplett ausverkauft.

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