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Das Gogericht urteilt wieder: Gutsherr von Häcke wird freigespochen

Die Verhandlungen auf dem Desum in Emstek laufen wieder. Präsentiert wurde sowohl ein aktueller als auch historisch verbürgter Fall. Kompliziert wurde es beim Kreisverkehr bei Netto.

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Keine Strafe für den Angeklagten: Wurde wegen angeblicher Beleidigungen und der vermeintlichen Vaterschaft von unehelichen Kindern vom Gogericht freigesprochen – Gutsherr van Häcke (Benno Arlinghaus). Foto: Heidkamp

Keine Strafe für den Angeklagten: Wurde wegen angeblicher Beleidigungen und der vermeintlichen Vaterschaft von unehelichen Kindern vom Gogericht freigesprochen – Gutsherr van Häcke (Benno Arlinghaus). Foto: Heidkamp

„Der Desum – ein Ort lebendiger Begegnung mit Traditionspflege, der Entwicklung von Geschichtsbewusstsein und Stiftung von Südoldenburger Identität: So steht es auf der Homepage der Interessengemeinschaft „Altes Gogericht auf dem Desum“. Seit 30 Jahren, mit coronabedingter Ausnahme der vergangenen beiden Jahre, werden auf dem Desum einmal im Jahr zwei äußerst verzwickte Gerichtsfälle, ein aktueller und ein historischer Fall, von Laienschauspielern nachgespielt.

Der aktuelle Fall beschäftigte sich mit einem laut Kläger Johann Sievers vorprogrammierten Chaos beim Kreisverkehr in Nutteln. Zunächst als „normaler“ Kreisel in Nutteln gebaut wurde er später zu einem Kreisverkehr im „Außenbereich“ umgerüstet. Nach der Versetzung von Kreisverkehrszeichen und der zusätzlichen Ausstattung mit „Vorfahrt achten“ Schildern haben dort weder Fußgänger noch Radfahrer Vorfahrt vor den in den Kreisel einfahrenden Fahrzeugen.

Anders hingegen beim Kreisverkehr bei Netto. Der liege zwar auch im Außenbereich, dort aber wird Radfahrern und Fußgängern Vorrang vor den Fahrzeugen gewährt. Und es wurde noch komplizierter – Der kreuzende Radfahrer auf dem Radweg hat Vorfahrt vor den Autos, die den Kreisverkehr verlassen, wenn der Radweg maximal 5 Meter vom Kreisel entfernt ist. „Als ob jeder Radfahrer mit dem Zollstock unterwegs sein muss. Da wird einem ja vor lauter Kreisel schwindelig im Kopf Welchen Rat sollen wir unseren Kindern geben?“, wetterte Sievers und forderte eine Entscheidung.

Nach eingehender Beratung wurde der Fall vom Gografen (Manfred Quatmann) an den Verkehrsgerichtstag in Goslar verwiesen.

Viel Theater“: Der Drost von Vechta (Berthold Knipper) erlitt dennoch vor Gericht eine Niederlage. Foto: HeidkampViel „Theater“: Der Drost von Vechta (Berthold Knipper) erlitt dennoch vor Gericht eine Niederlage. Foto: Heidkamp

Wesentlich heftiger war der Fall aus dem Jahre 1712

Wesentlich heftiger ging es bei der Verhandlung im dem historisch belegten Fall aus dem Jahre 1712 zu. Das Gogericht musste sich im vom Heimatverein Langförden dargebotenen Fall mit Streitigkeiten und Beleidigungen des Gutsherrn van Häcke (Benno Arlinghaus) gegen den Drost von Vechta (Berthold Knipper) auseinandersetzen. Außerdem ging es um vermeintliche Vaterschaften des Gutsherrn.

Trotz der Unterstützung seiner drei Burgmannen Theodor (Andreas Ostendorf), Ferdinand (Markus Siemer) und Ludwig Reinhold Willenborg konnte der Drost weder einen handfesten Beweis für die Beleidigungen noch die unehelichen Kinder des Gutsherrn vorlegen. „Klage abgewiesen“ machte der Gograf kurzen Prozess mit dem Drost von Vechta, der fortan jegliche Beleidigungen, Verleumdungen und sonstige Verunglimpfungen gegenüber dem Gutsherrn van Häcke zu unterlassen habe. Im Wiederholungsfall würde das Gogericht eine empfindliche Strafe gegenüber den Drost und seine Burgmannen erheben.

Johann Sievers thematisierte die Kreisel in Nutteln: Er beschwerte sich über die Regelungswut im Straßenverkehr. Foto: HeidkampJohann Sievers thematisierte die Kreisel in Nutteln: Er beschwerte sich über die Regelungswut im Straßenverkehr. Foto: Heidkamp

Ein schottischer Dudelsackspieler zog den Schlussstrich

Der Gutsherr van Häcke nutzte die Gunst der Stunde vor Gericht, um Ansprüche für die Erhebung eines Wegezolls zu erheben. Um auf dem kürzesten Weg den Herzog-Erich-Weg zu erreichen, nutzen Handwerker sowie Kauf- und Handelsleute eine Abkürzung über van Häckes Land. Durch die ständige Nutzung würde der Weg so stark beschädigt, so dass er diesen mit erheblichen finanziellen Aufwand immer wieder in Ordnung bringen müsse, so der Gutsherr.

Dem glaubwürdig vorgebrachten Antrag auf Wegezoll wurde zugestimmt, ausgenommen sind auf Wunsch des Gutsherrn die einfachen Leute aus den anliegenden Gemarkungen Bühren und Langförden.

Ein schottischer Dudelsackspieler, der bei dem Gutsherrn zu Besuch weilte, spielte zum Schluss der Veranstaltung auf und brachte, unter anderem mit „Highland Cathedral“, ungewohnte Klänge in den „Outdoor Gerichtssaal“.

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