„Ich bin eine Naschkatze“, sagt Anastasia. Deshalb hat sie eine Packung Toffifee in den Koffer für die letzte Reise gepackt. Markus ist Werder Fan. Sein Utensil ist eine kleine Schachtel in den Werder Farben grün- weiß, diese ist mit einem „Spotify Emblem“ versehen. In der Schachtel befindet sich nämlich seine persönliche Playlist für den Fall, dass er mal als Discjockey in einem anderen Leben auftreten darf.
Anastasia und Markus gehören mit vier weiteren Teilnehmerinnen zur Caritas-Gruppe Wegbegleiter. Dieser Koffer und 13 weitere für die letzte Reise sind jetzt in einer Ausstellung in der Kunsthalle im Kulturbahnhof zu sehen. Am 2. Wochenende im Oktober ist Welthospiztag. Vor genau einem Jahr ist das Projekt gestartet, und die Initiatorinnen Heike Büssing, Ann Kathrin Vaske (Hospiz Wanderlicht) sowie die ehrenamtlichen Initiatoren Gregor Möller-Reemts und Alfons Reinkemeier haben seitdem das Projekt begleitet und in einem feierlichen Rahmen zum Abschluss gebracht. Geschäftsführerin Heike Büssing zeigte sich erfreut über die große Resonanz und dankbar für die Sponsoren, darunter der Landesstützpunkt der Hospiz- und Palliativversorgung Niedersachsen und der Förderverein Kulturbahnhof.
Geflüchteter wendet sich in Flaschenpost an Familie
„Ohne Sie hätte es dieses Projekt nicht gegeben“, wandte sich Büssing an die Kofferpackenden, „Sie haben sich dem nicht ganz einfachen und sensiblen Thema zugewandt und Ihre sehr persönlichen Dinge, Emotionen und Worte zur Verfügung gestellt“ fuhr sie fort. Sehr Persönliches hat auch der vor 2 Jahren aus Pakistan geflüchtete Shamroz in seinen Koffer deponiert. In einer Flaschenpost befindet sich ein Brief, in dem er sich für die Unterstützung bedankt, die er beim Ankommen in Deutschland erfahren hat. Gleichzeitig bittet er um Entschuldigung bei allen, denen er weh getan hat und bei seinen Eltern, dass er sie allein lassen musste.
„Es geht bei diesem Projekt nicht um eine Rückschau von Toten auf ihr Leben, sondern um die umgekehrte Blickrichtung: Lebende haben sich im Vorblick auf ihr Lebensende gefragt, was ihnen bleiben oder was sie stärken soll auf ihrer letzten Reise“, betonte Reinkemeier in seinen Begrüßungsworten. „Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen?“. Diese Frage setzte Pavel Möller-Lück vom Theater Laboratorium eindrucksvoll in Szene.
Auch Verstorbene kamen zu Wort
Herzhaftes Lachen und nachdenkendes Schweigen wechselten sich ab, als sechs Verstorbene noch einmal zu Wort kamen, darunter eine Frau, die 67 Männer und nur einen davon geliebt hatte. Ihre Rückschau wurde untermalt von Edith Piafs Chanson „Je ne regrette rien (Ich bereue nichts)“.
Info: Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 23. Oktober an den Öffnungszeiten der Kunsthalle, sonntags von 11 bis 18 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr. Gesonderte Besuchszeiten können unter der E-Mail info@wanderlicht-hospiz.de erfragt werden.