Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Brinkmanns Werke: Markus Fauser plant eine Ausstellung in Vechta

32 Exponate der EXIT-Gruppe, welche mit dem Dichter Rolf Dieter Brinkmann aus Vechta zusammengearbeitet haben, kommen jetzt nach Vechta. 15 Jahre waren sie der Öffentlichkeit unzugänglich.

Artikel teilen:
Hoffen auf einen Ausstellungsort mit mehr Platz: Bernard Suding (von links), Gisela Suding und Prof. Markus Fauser.   Foto: Bernhardt

Hoffen auf einen Ausstellungsort mit mehr Platz: Bernard Suding (von links), Gisela Suding und Prof. Markus Fauser.   Foto: Bernhardt

Professor Markus Fauser von der Universität Vechta zeigt auf ein Bild mit knalligen Farben, auf dem das Gesicht der Schauspielerin Elizabeth Taylor zu erkennen ist. Das Werk erstrahlt im sogenannten "Pop-Art-Stil". "Dieses Bild hing über dem Schreibtisch des Dichters Rolf Dieter Brinkmann aus Vechta", erzählt der Literaturwissenschaftler. Brinkmann ließ sich von dem Exponat beeinflussen und schreib dazu das Gedicht "Eine übergroße Fotografie von Liz Taylor". 

Das Bild stammt von der sogenannten "Exit-Bildermacher-Gruppe", ein Künstlerkollektiv, das in den 60er-Jahren aktiv war. Dieses widmete sich voll und ganz der Pop-Art-Kultur, indem es gewöhnliche Alltagsgegenstände als Kunst darstellte. Beim Pop-Art-Stil ging es besonders um die Kritik an Konsum und Gesellschaft. "Alles ist Kunst", lautete daher das selbstbewusste Motto der Gruppe. Auf ihrem Plakat  von 1969 titelten die Mitglieder beispielsweise mit "Seien Sie ein bewusster Mensch und betrachten Sie als Kunst, was wirklich ist: Ihr Auto, Ihr Fernseher, Ihre Schuhcreme und Ihr Hund!" oder mit Parolen wie "Protestieren Sie, wenn irgendwo ein neues Museum errichtet werden soll. Wir brauchen keine Kunst mehr, die ausgestellt wird. Wir und unsere gesamte Umgebung sind Kunst".

Brinkmann hatte in Vechta damals kein gutes Image

Der Vechtaer Autor Rolf Dieter Brinkmann stand zwischen 1968 und 1970 eng mit den Künstlern des Kollektivs im Austausch. Denn: Brinkmann war ein großer Fan des Pop-Art-Stils. Im Zusammenarbeit mit den Malern schrieb er zu einigen der Werke Gedichte und gestaltete mit ihnen mehrere Buchpublikationen und Zeitschriften. Dadurch machte er die amerikanische Underground-Lyrik hierzulande populär und gehörte damit zu den deutschen Autoren, die den Pop in die Literatur gebracht haben. "Gedichte müssen wie Pop-Songs sein", schrieb der Schriftsteller.

Doch in Vechta hatte Brinkmann damals kein gutes Image. Der Dichter hatte ein provokantes öffentliches Auftreten und scheute keine Auseinandersetzung. Auch die Sexualität in direkter Ansprache war ein wesentlicher Bestandteil seiner Werke. "So ein Rebell" konnte in Vechta nichts gelten. Die Hassliebe zu seiner Heimatstadt verarbeitete er auch in einigen seiner Gedichte.

Das provokante Plakat des EXIT-Kollektivs: Alles ist Kunst. Foto: FauserDas provokante Plakat des EXIT-Kollektivs: "Alles ist Kunst". Foto: Fauser

Prof. Markus Fauser hat nun mithilfe der Suding-Stiftung 32 Bilder der EXIT-Bildermache gekauft und nach Vechta gebracht. Die Sammlung gehörte einst dem 2020 verstorbenen Verleger Jörg Schröder, der sie als Privatsammlung in seiner Wohnung hielt und Texte von Brinkmann veröffentlichte. Die Exponate waren bislang nur ein einziges Mal öffentlich in der Ausstellung "Pop am Rhein" im Jahr 2006 zu sehen. Seitdem sind die für die Augen der Öffentlichkeit unzugänglich. 

32 Werke: Ort für Ausstellung gesucht

Das soll sich aber nun ändern. Denn: Die 32 Werke, inklusive handgeschriebener Gedichte von Brinkmann, will Fauser öffentlich in Vechta ausstellen. "Jeder in Vechta soll die Möglichkeit bekommen, intensiv die Beziehung zwischen den Bildern der Grafiker und den Texten von Rolf Dieter Brinkmann zu studieren", so Fauser. „Und Vechta kann jetzt in allen Phasen von Brinkmanns Schaffen diese bedeutende Verbindung von Literatur und Kunst belegen.“

Das Problem jedoch: Es gibt nicht genug Platz für die 32 Werke. Deshalb seien Fauser, Bernard und Gisela Suding von der Suding-Stiftung auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die Ausstellung. Für sie wäre es ein "großer Traum", wenn es bald ein Museum für Brinkmann geben würde. Denn: "Hunderte Gedichte von Rolf Dieter Brinkmann sind hier in Vechta geschrieben worden und sie hängen eng mit der Stadtgeschichte aus den 50er-Jahren zusammen". So hofft Fauser nun, dass der "Traum" nächstes Jahr in Erfüllung gehen und die Ausstellung für alle offen stehen kann. 


Fakten:

  • Rolf Dieter Brinkmann ist am 16. April 1940 in Vechta geboren.
  • Bis 1958 besuchte er das Gymnasium Antonianum, das er vorzeitig verlassen musste, weil die Versetzung gefährdet war.
  • 1962 zog er mit seiner Frau Maleen Kramer nach Köln.
  • Zahlreiche Aufenthalte in London brachten ihm die anglo-amerikanische Lyrik und die Popmusik jener Zeit nahe. 
  • 1975 kam der 35-jährige Brinkmann bei einem Verkehrsunfall in London ums Leben. 

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Brinkmanns Werke: Markus Fauser plant eine Ausstellung in Vechta - OM online