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2022 gibt's den "Jedermann" vor dem Langfördener Dom

Die Schauspieler bereiten sich mit Elan auf die Premiere vor. Dr. Sigrid Heising inszeniert das Stück vom Leben und Sterben des reichen Mannes und verlegt die Handlung in das Berlin der 1920er Jahre.

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Holger Meyer als junger Jedermann im Streit mit seinem Freund (Hanno Dasenbrock). Im Hintergrund Henrik Joost und Andreas Tschapke. Foto: Heinzel

Holger Meyer als junger Jedermann im Streit mit seinem Freund (Hanno Dasenbrock). Im Hintergrund Henrik Joost und Andreas Tschapke. Foto: Heinzel

"Jedermann" Holger Meyer fasst seinen Freund, gespielt von Hanno Dasenbrock, am Arm und will ihn am Gehen hindern. Die beiden streiten sich offensichtlich. Hendrik Joost und Andreas Tschapke beobachten in ihren Rollen das Geschehen. Geprobt wird in der Aula der Vechtaer Justus-von-Liebig-Schule eine Szene des "Jedermann" von Hugo von Hoffmannsthal. Die Inszenierung von Dr. Sigrid Heising soll im September 2022 vor dem Langfördener Dom Premiere feiern. Der Kartenvorverkauf startet am kommenden Mittwoch (1. Dezember), unter anderem über die Homepage des Vereins.

Eigentlich sollte das Stück, dessen erste Leseproben 2017 stattfanden, bereits vor zwei Jahren aufgeführt werden. Die Laiendarsteller des Theater für Jedermann feilten nur noch an den Details ihrer Rollen. "Die Inszenierung war quasi fertig", sagt Regisseurin Dr. Sigrid Heising. Doch dann schlug die Pandemie zu und zwang die Verantwortlichen dazu, Proben und Aufführungen abzusagen. Bald zwei Jahre herrschte Stillstand. "Alle waren für sich. Es war eine schreckliche Zeit", stellt  Heising fest. "Der Verein hat praktisch nicht stattgefunden", ergänzt Dirk von Frommann, der den dicken Vetter spielt. Entsprechend glücklich waren alle Mitwirkenden, als im September 2021 die ersten Proben nach dem Lockdown stattfanden und es die Perspektive gab, den "Jedermann" endlich aufführen zu können.

"Der Text sitzt noch. Die direkte Arbeit an der Rolle fängt jetzt wieder an."Jutta Lüske, Theater für Jedermann

"Der Text sitzt noch. Die direkte Arbeit an der Rolle fängt jetzt wieder an", sagt Jutta Lüske. Die 57-Jährige spielt den Mammon und hilft Sigrid Heising bei der Regie. Dirk Frommann ging es ähnlich: "Ich habe den Text erneut zwei bis dreimal gelesen und dann saß wieder alles." Die Schauspieler hätten durchaus ihre Vorgaben durch die Regisseurin, aber gleichzeitig relativ viel kreativen Freiraum, das Verhalten und die Emotionen ihrer Rolle darzustellen und auszuleben. Dabei finde ein Idee- und Gedankenaustausch unter den Mitwirkenden statt. "Manche Ideen ergeben sich aus dem Spiel", sagt von Frommann. Das könne durchaus Veränderungen für die Aufführung und die Rolle haben.

"Die Botschaft des Stückes ist zeitlos. Es dreht sich um die Frage der richtigen Lebensführung."Dirk von Frommann, Theater für Jedermann

Zum Inhalt: Für den reichen Jedermann sind Geld und Gut sein Abgott. Als er stirbt, merkt er, dass dies wahre Freundschaften nicht ersetzen kann. "Die Botschaft des Stückes ist zeitlos. Es dreht sich um die Frage der richtigen Lebensführung", meint Dirk von Frommann. Sigrid Heising inszeniert das Stück vom Leben und Sterben des reichen Mannes und verlegt die Handlung von der Renaissance in das Berlin der 1920er Jahre – eine Zeit mit dem "Lebenshunger eines Umbruchs". Heising benennt "die ungesunde Lust am, beziehungsweise den abartigen Umgang mit dem Reichtum. Die Kluft, die sich dadurch zwischen Arm und Reich aufgetan hatte". Das bittere Ende dieser Umbruchszeit mit dem sogenannten "Schwarzen Freitag", dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, habe vorher in der Luft gelegen. Für die joviale und laszive Musik dieser "verruchten Zeit" sorgen Gerhard Koch-Darkow und Erich A. Radke.

Dirk von Frommann und Jutta Lüske sprechen über eine Szene der Jedermann-Aufführung. Letztere spielt nicht nur den Mammon sondern unterstützt Sigrid Heising auch bei der Regiearbeit. Foto: HeinzelDirk von Frommann und Jutta Lüske sprechen über eine Szene der "Jedermann-Aufführung". Letztere spielt nicht nur den Mammon sondern unterstützt Sigrid Heising auch bei der Regiearbeit. Foto: Heinzel

In den Hauptrollen treten Holger Meyer und Uwe Salewski als Jedermann sowie Greta Milz und Petra Pekeler als Geliebte auf. Auf der einen Seite ein junger Jedermann, ein Macho mit seiner Geliebten, die noch etwas Unbekümmertes, aber keineswegs Naives hat. Auf der anderen Seite Uwe Salewski, der alte Jedermann, ein satter Bürger, der alles hat, und seine Geliebte, gespielt von Petra Pekeler, verfügt über einige Lebenserfahrung. Die Besucher können somit zwei durchaus unterschiedliche Interpretationen des "Jedermann" erleben.

Die Mitglieder des Theater für Jedermann  sind ihrem Verein, dem Stück und der Aufführung weitgehend treu geblieben. "Das Bühnenfieber lässt einen nicht los", erläutert Dirk von Frommann. "Es geht um das Miteinander", meint Jutta Lüske. Der 46-Jährige sagt über die Aufführung des "Jedermann" in Langförden: "Ich finde, es wird sehr gut, die Leute sind mit Herzblut dabei, selbst in der kleinsten Rolle."

  • Info: Der Kartenvorverkauf beginnt am 1. Dezember (Mittwoch). Tickets gibt es bei den LzO-Filialen in Vechta und Langförden, dem Reisebüro Höffmann und Buch Vatterodt sowie online über die Homepage des Vereins (https://theater-fuer-jedermann.de). Das Stück wird zwischen dem 1. und 4. September sowie vom 8. bis 11. September 2022 vor dem Dom in Langförden auf dem St. Laurentiusplatz aufgeführt.

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