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Zwischen Tradition und Versandhandel: Wie sich eine Löninger Apotheke für die Zukunft aufstellt

Mit der „Pharmafactur“ will der Löninger Apotheker Justus Bleß auf Tradition und Handwerk setzen. Denn die Alte-Königs-Apotheke ist eine feste Größe in der Hasestadt.

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Apotheker Justus Bleß hat die Alte Königsapotheke im Oktober 2017 von seinem Vater Michael übernommen. Foto: Wienken

Apotheker Justus Bleß hat die Alte Königsapotheke im Oktober 2017 von seinem Vater Michael übernommen. Foto: Wienken

„Zurück zu den Wurzeln“ lautet die Devise von Justus Bleß und seinem Team. Denn der Löninger Apotheker und Inhaber der Alte-Königs-Apotheke in der Langenstraße hat mit der „Pharmafactur“ einen neuen Bereich eingerichtet. Ziel ist es, eigens hergestellte Produkte der Apotheke – darunter Salben, Tinkturen und Säfte – stärker in den Fokus zu rücken sowie das traditionelle Apotheker-Handwerk zu unterstreichen. „Neben dem Gespräch und der persönlichen Beratung geht es uns dabei natürlich auch darum, dem Patienten einen Mehrwert zu bieten“, sagt Bleß.

Der 40-Jährige hat die Apotheke im Oktober 2017 von seinem Vater Michael übernommen, die wiederum sein Urgroßvater Hugo Hamelmann im Jahr 1907 erworben hatte. Gegründet wurde die Apotheke bereits 1768 von dem Ehepaar Kordes. Einzig der Standort hatte sich im Laufe der Jahre geändert, denn nach seiner Übernahme 1983 zog Vater Michael 1992 vom „Königschen Stammhaus“ in das neu errichtete Ärztehaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nun wird sie in mittlerweile vierter Generation von der Familie Bleß geführt. „Dieser langen Geschichte wollen wir weiter Rechnung tragen“, sagt Bleß.

Die eigentliche Idee zur „Pharmafactur“ habe dabei seine Frau Naomi gehabt. Vor der Eröffnung hat das Ehepaar allerhand Materialien zusammengetragen. Neben historischen Ton- und Porzellangefäßen – letztere wurden laut Bleß noch bis vor rund 20 Jahren genutzt – finden sich in der neuen Abteilung auch einige alte Instrumente und Geräte. Hinzukommen Info-Tafeln, auf denen Besucher die Chronik der Apotheke und der Familie Bleß nachvollziehen können. „Wir haben uns damit sozusagen ein kleines, aber feines Museum eingerichtet“, findet Bleß. Und neben der Herstellung eigener Arzneien soll die „Pharmafactur“ bald auch ein Ort für Vorträge, Workshops und Events werden.

Vater Klaus und Sohn Justus Bleß feiern die Eröffnung der Pharmafactur“ in der Alte-Königs-Apotheke. Foto: SteingreferVater Klaus und Sohn Justus Bleß feiern die Eröffnung der „Pharmafactur“ in der Alte-Königs-Apotheke. Foto: Steingrefer

Zum Sortiment zählen unter anderem Salben und Cremes, die Feuchtigkeit spenden und/oder der Hautalterung entgegenwirken sollen, Teemischungen, die den Stoffwechsel anregen sollen, sowie Tees für Schwangere, die in Zusammenarbeit mit Hebammen hergestellt wurden. „Eigens hergestellte Arzneien haben wir als solche gekennzeichnet, sowie ob die Rezepte aus eigener Feder stammen“, sagt Justus Bleß.

„Die ältesten, noch erhaltenen Rezepte stammen dabei noch von meiner Oma aus den 1950ern.“ Das sei bemerkenswert, da das Apotheken-Geschäft zur damaligen Zeit noch eine reine Männerdomäne gewesen sei. „Apotheker hatten zu dieser Zeit noch einen sogenannten ‚ersten Herren‘, der ihnen assistierte“, erklärt der 40-Jährige. Das habe sich inzwischen grundlegend geändert, wie auch die hygienischen Standards.

Viele Einrichtungen wie die Alte-Königs-Apotheke, insbesondere traditionsreiche Häuser, betonen ihre lange Geschichte, um Vertrauen und Kompetenz vor Ort zu signalisieren. Das kommt nicht von ungefähr, wenn man sich konkrete Zahlen aus der Branche anschaut. Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) etwa sinkt die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland seit 2009 immer schneller und hat 2024 mit 17.041 den niedrigsten Stand seit Ende der 1970er Jahre erreicht. Zudem sinkt die Zahl der Neueröffnungen stetig. 2024 wurden nur noch 48 Betriebsstätten neu eröffnet.

Um dem boomenden Onlinehandel gerecht zu werden, hatte sich Justus Bleß bereits im Herbst 2020 – während der Corona-Pandemie – digital neu aufgestellt. Seither können Patienten direkt auf der Homepage der Apotheke bestellen und einkaufen sowie ihren Medikamentenbedarf selbst verwalten. Denn laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom kauft inzwischen fast jeder zweite Bundesbürger seine Medikamente für gewöhnlich im Internet. „Es gibt nun einmal Patienten, die lieber diskret bestellen wollen, weshalb auch wir auf den Online-Zug aufgesprungen sind“, so Bleß. „Am meisten Freude an meiner Arbeit machen mir jedoch nach wie vor die persönlichen Gespräche.“


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