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Zahl der Arbeitsplätze in den ZF-Werken am Dümmer wird "deutlich sinken"

Die Chefetage sagt: Damme, Diepholz, Wagenfeld und Dielingen erwirtschaften "schon heute kein positives Ergebnis" oder werden "dies nicht mehr erreichen". Die Betriebsräte sind sauer.

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Blick in das „Technikum“ am ZF-Standort Dielingen: Rund um den Dümmer sind hoch technisierte Arbeitsplätze angesiedelt. Foto: ZF

Blick in das „Technikum“ am ZF-Standort Dielingen: Rund um den Dümmer sind hoch technisierte Arbeitsplätze angesiedelt. Foto: ZF

Die in einer betrieblichen Versammlung bekannt gewordene Prüfung eines Verkaufes des Diepholzer Werkes "EI" ("Electronic Interfaces") des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen schlägt weiter Wellen. Die Vertreter im Standortbetriebsrat des Multidivisionsstandortes Lemförde (MDS), zu dem die ehemaligen Werke der "Lemförder Metallwaren" in Dielingen, 2 Betriebe in Diepholz ("EI" und "C") sowie Wagenfeld und Damme gehören, bezeichnen die "Verkaufsgedanken" des Konzerns als "inakzeptabel".

Die Betriebsräte – unter ihnen auch Damian Piegsa (Damme) – wenden sich vor allem gegen den Stil, den die Unternehmensführung an den Tag legt: "Schnell mal die Belegschaft informieren und beruhigend argumentieren, dass der Prozess sich in einem frühen Stadium befindet und noch keine konkreten Gespräche mit Interessenten erfolgt sind", dann einige Tage die Reaktionen abwarten "und dann ist alles gut – nein, so geht das nicht!", heißt es in einem Informationsschreiben.

Betriebsräte: Beschäftigte haben auf Vereinbartes vertraut 

Man habe auf die in der Vergangenheit geschlossenen Vereinbarungen mit dem Konzern vertraut, an allen Standorten am Dümmer die Beschäftigung zu sichern und erforderliche Investitionen zu tätigen. Die Arbeitnehmervertreter sehen den "Zielbildprozess", den ZF gemeinsam mit den Beschäftigten der Standorte gehen wollte, erheblich gestört: Die jetzigen Überlegungen zum Verkauf des Werkes „EI“ in Diepholz „werfen aus unserer Sicht die bisher geführten Gespräche und daraus entstandenen Ideen für die Zukunft des MDS Lemförde über den Haufen“. Der Standortbetriebsrat sehe sehr wohl "Chancen und Möglichkeiten für alle Standorte am MDS Lemförde", und mit seinen "motivierten und qualifizierten Mitarbeitern" sowie zukunftsfähigen Produkten wettbewerbsfähig zu sein.

Die Unternehmensführung hat in einer Bekanntmachung noch einmal ihre Motivation deutlich gemacht, einen Verkauf des Werkes "EI" zu prüfen. Die Fahrwerkstandorte Damme, Diepholz, Wagenfeld und Dielingen "erwirtschaften entweder schon heute kein positives Ergebnis mehr oder werden dies bei fortschreitendem Rückgang des Geschäfts nicht mehr erreichen". Es sei daher "unumgänglich, die Produktgruppen aller MDS-Standorte zu analysieren und gegebenenfalls an kostengünstige Standorte zu verlagern oder ganz aufzugeben".

Unternehmensführung: Verkauf zu prüfen, ist ein "marktüblicher Prozess"

Der Auswahlprozess, so heißt es weiter, orientiere sich an Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Produkte und insbesondere an der strategischen Ausrichtung des Konzerns. Für diesen ist es daher "ein marktüblicher Prozess", auch den Verkauf eines Werkes zu prüfen.

"Gerade die deutschen Standorte haben nun einen großen Bedarf an Umstrukturierung, die im Ergebnis zu weniger Produktion und zu mehr Entwicklung von zukunftsfähigen Technologien und Produkten führen wird. Vor diesem Hintergrund wird auch am MDS die Zahl der Arbeitsplätze deutlich sinken." Auch angesichts eines "schwierigen Transformationsprozesses" habe die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis zum 31. Dezember 2022 Bestand.

Dr. Thomas Schulze, Vorsitzender der Ulderup-Stiftung. Foto: KühnDr. Thomas Schulze, Vorsitzender der Ulderup-Stiftung. Foto: Kühn

Der Vorstandsvorsitzende der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup-Stiftung, Dr. Thomas Schulze, wollte zu Aussagen der Verantwortlichen der ZF-Sparte Fahrwerktechnik in Dielingen "keine inhaltlichen Angaben" machen. Man habe aber als Stiftung der ehemaligen Eigentümerfamilie der Lemförder Metallwaren ein hohes Interesse an "zukunfts- und wettbewerbsfähigen Standorten" rund um den Dümmer. Die Werke hätten sich in der Vergangenheit "gut entwickelt".

Auf die Frage, inwieweit die Ulderup-Stiftung Einfluss auf die Geschäftspolitik des Konzerns nehmen kann, verwies Schulze auf die Mehrheitsverhältnisse. Die Ulderup-Stiftung hält seinen Angaben zufolge 6,2 Prozent der Aktien des ZF-Konzerns, den Rest mit 93,8 Prozent die Zeppelin-Stiftung. Dr. Joachim Meinecke, Kuratoriumsvorsitzender der Ulderup-Stiftung, hat im 20-köpfigen Aufsichtsrat einen Sitz. Einen weiteren Sitz hält Jürgen Bunge, Vorsitzender des MDS-Standortbetriebsrates.

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