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Wie KI ein Architekturbüro in die Zukunft katapultiert

Künstliche Intelligenz soll bei Geising und Böker bald Planungsprozesse und die Überwachung von Bauvorhaben stark vereinfachen. Die Architekten können sich so mehr auf Kreativität konzentrieren.

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Widmen sich gemeinsam dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) im Architekturbüro: (von links) Stefan Tepe, Sven Apel und Oliver Tober. Foto: M. Niehues

Widmen sich gemeinsam dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) im Architekturbüro: (von links) Stefan Tepe, Sven Apel und Oliver Tober. Foto: M. Niehues

Nein, Künstliche Intelligenz (KI) kann den kreativen Prozess und die individuelle Gestaltung anspruchsvoller Architektur nicht ersetzen. Dafür sei immer noch ordentlich Gehirnschmalz nötig. Aber der Aufwand des Protokollierens und des rechnerischen Prüfens von Bauvorhaben, all das könne KI künftig zehnmal schneller, ist Oliver Tober überzeugt. Der Geschäftsführer des bekannten Vechtaer Architekturbüros Geising und Böker möchte hier zusammen mit den Partnern Sven Apel und Stefan Tepe das Unternehmen innerhalb der nächsten Monate auf die KI-Überholspur bringen.

Das Architekturbüro mit Standorten in Vechta und Hamburg hat sich seit über 40 Jahren mit architektonisch anspruchsvollen Projekten einen Namen gemacht, ist bundesweit aktiv und spricht von „50 Gesichtern aus 5 Nationen“, die für Geising und Böker tätig sind.

Oliver Tober: Protokolle werden über KI automatisch erstellt

Excel-Tabellen gibt es im Haus der Ingenieure, Architekten und Bauleiter schon lange nicht mehr. Stattdessen arbeitet das Unternehmen schon seit Jahren mit einer Anwendung namens Poolarserver. Und der soll mit KI ergänzt werden. „Wir prüfen beispielsweise mit einer Drohne die Rohbaustelle“, erklärt Tober. Zugleich könne der Bauleiter mit einem iPad den Baustand und alle Parameter erfassen, genauso wie etwaige Mängel. Alle Daten würden zusammengefasst. Die Software errechne alles. „Protokolle werden über KI automatisch erstellt“, sagt Tober. Bauherr und Handwerker werden auf diese Weise noch am selben Tag über den aktuellen Stand informiert. Und dies gestatte für alle Seiten Transparenz und eine stets aktuelle Kostenübersicht.

Ein Vorteil von KI-Lösungen sei auch, dass beispielsweise nach einer Besprechung die KI alle Punkte überprüfen kann – auch in rechtlicher Hinsicht. Poolarserver und KI sollen im Hause Geising und Böker bis August perfekt zusammengebracht werden. An den Schnittstellen der Software müsse noch gearbeitet werden. Mithilfe externer IT-Dienstleister will das Architekturbüro hier aber innerhalb kürzester Zeit Mitbewerbern weit voraus sein. Jedem Mitarbeiter werde auf diese Weise künftig das Gerüst an die Hand gegeben, damit KI die Arbeit erleichtern kann und bisher aufwendige Prozesse wesentlich effizienter gestalten lassen. Es müsse das Potenzial gesucht werden, was machbar ist, sind sich die drei erfahrenen Ingenieure, Architekten und Bauleiter einig. Sie wissen aber auch, dass die Arbeit deshalb nicht weniger wird. Dafür könne sich jeder Mitarbeiter künftig mehr auf den wesentlichen Part der Tätigkeit konzentrieren. „KI ist für uns ein Werkzeug“, sagt Stefan Tepe. Und dieses müsse stetig weiterentwickelt werden. Auch das automatische Abspeichern wichtiger Mails und Wegsortieren unwichtiger Nachrichten, könne ganz über KI gesteuert werden – auch das sei angesichts der Flut von Mails eine große Erleichterung.

Von all dem sollen vor allem auch die Kunden profitieren. Bauvorhaben sollen so noch schneller und effizienter geplant und realisiert werden können. Gleichzeitig soll jederzeit die volle Transparenz und Kostenkontrolle möglich sein. In Zeiten, in denen Kosten eine sehr sensible Rolle spielen, ist das sicher etwas, an dem Bauherren sehr interessiert sein werden.

Ein wichtiger Punkt, den das Architekturbüro Geising und Böker dabei auch im Blick hat, ist das Thema Datenschutz. Was nützt KI, wenn sensible Daten möglicherweise auf ausländische Server übertragen werden? Hier wollen die Ingenieure genauso sicher sein wie bei der Planung von Gebäuden. Verwendung finden soll deshalb das System Copilot von Microsoft. Hier, weiß Sven Apel, komme ein KI-System zum Einsatz, das der Datenschutzverordnung entspreche. Über die Cloud-Lösung sollen alle Bürodaten sicher erfasst und verwaltet werden. Die Aufgabe des Architekturbüros sei es, Copilot so mit Daten zu füttern, dass KI für das Unternehmen bestmöglich eingesetzt werden könne.

„Architekten wollen entwerfen und sich nicht unnötig mit Zahlen herumschlagen“

Oliver Tober hält es hierbei für wichtig, dass das Unternehmen genau überlegt, wie das KI-System optimal eingesetzt werden kann, um den besten Nutzen zu erreichen. „Architekten wollen entwerfen und sich nicht unnötig mit Zahlen herumschlagen“, sagt er. Gerade der Part von Berechnungen könne von der KI übernommen werden. Stefan Tepe erklärt, dabei müsse genau betrachtet werden, in welche Richtung das System optimal weiterentwickelt wird. „Da gibt es kein Ende“, betont er.

„Wir müssen dabei gucken, was geht und wo wir hinwollen“, sagt dazu Sven Apel. Aber spätestens Ende des Jahres, so der gemeinsame Wunsch, soll technisch alles laufen. „Wir sind dann unseren Mitbewerbern weit voraus“, ist Oliver Tober überzeugt. Schon jetzt laufe die gesamte Projektabwicklung digital über den Poolarserver. Das biete insbesondere bei Projekten mit Fördergeldern absolute Sicherheit. Von der Planung, über die Ausschreibung bis zur Fertigstellung seien die Kosten so immer transparent und sicher. Die Aufgabe sei es jetzt, das System so zu öffnen, dass zur Vereinfachung mit KI alle Schreibtischtools implementiert werden. „Wir nehmen jetzt viel Geld dafür in die Hand, um ganz vorne zu sein“, sagt Oliver Tober.

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