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Wenn der Roman im Briefkasten liegt

Die Lohner Büchergalerie versorgt Kunden im Abonnement mit Lesestoff. Und zeigt damit: Nicht nur Amazon, sondern auch der örtliche Fachhandel kann Leser zielgenau und bis vor die Haustür versorgen.

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Mit pfiffigen Ideen: Iris Schumacher, Inhaberin der Lohner Büchergalerie, und ihre Mitarbeiterinnen beliefern Kunden per Abonnement mit Büchern. Foto: Pundt

Mit pfiffigen Ideen: Iris Schumacher, Inhaberin der Lohner Büchergalerie, und ihre Mitarbeiterinnen beliefern Kunden per Abonnement mit Büchern. Foto: Pundt

Wer ein gutes, ein richtig gutes Buch gelesen hat, kennt das Gefühl. Die letzte Seite wird aufgeklappt, der Schlussabsatz gelesen und dann – Leere. Das Ende kann deprimieren, sich manchmal gar wie Liebeskummer anfühlen. Weg bricht eine gedankliche Welt, unsere Loyalität zu den Charakteren, gedachte Straßen, erlesene Landschaften. Abschied kann weh tun.

Und dann? Auf ein richtig gutes Buch das nächste folgen zu lassen, kann schwierig sein. Doch die Lohner Büchergalerie bietet Abhilfe: mit dem Bücher-Abonnement.

Seit bald drei Jahren versorgt die Buchhandlung einige Kunden per Abo mit Lesestoff. Die Idee ist zwar einfach, aber ungewöhnlich: Für Kinder und Erwachsene gibt es unterschiedliche Abonnements mit einer Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten. Diese Abos sind gerade auch als Geschenke besonders begehrt.

Wichtig sei, dass das Buch zum Kunden passe, sagt Schumacher

Das Kinderbuch-Abo etwa kostet für zwölf Monate 170 Euro. Die Bücher werden – basierend auf Vorlieben des Empfängers – von den Expertinnen der Büchergalerie ausgesucht und dann monatlich als Geschenk verpackt per Post verschickt. Für Jugendliche gibt es ein Ganzjahres-Abo für 230 Euro. Erwachsene können wählen zwischen zwölf Taschenbüchern für insgesamt 170 Euro und zwölf gebundenen Büchern für 280 Euro. Bei Taschenbüchern bedeutet das einen durchschnittlichen Preis von 14,20 Euro, bei gebundenen Büchern von 23,30 Euro.

Doch wie funktioniert die Kalkulation bei einem solchen Abo? Schließlich haben nicht alle Bücher den gleichen Preis – und zugleich verbietet die Buchpreisbindung, einen Band günstiger als vom Verlag festgelegt zu verkaufen. „Wichtig ist, dass das Buch zum Kunden passt“, sagt Iris Schumacher, Inhaberin der Buchhandlung. Darüber hinaus gebe es in der Kalkulation etwas Luft für die Versandkosten; das erlaube ihren Mitarbeiterinnen aber auch, im Kostenrahmen zu bleiben und den Kunden trotzdem das passende Buch zu schicken.

Wenn das aber mal nicht glückt – oder ein Buch schon vorhanden ist –, kann es innerhalb von vier Wochen zurückgegeben werden. Und, das ist Schumacher wichtig: Die Laufzeit des Abonnements ist flexibel, für den halben Preis gibt es ein Abo für sechs Monate.

Entstanden ist das Abo auf Anregung eines Kunden von außerhalb, der für seine in Lohne lebende Mutter immer wieder Bücher gekauft hat. Er fragte an, ob die Büchergalerie die Dame nicht mit Literatur versorgen könne. In dem Fall sei das „gar kein Problem“ gewesen, sagt Schumacher. Sie und ihre Mitarbeiterinnen hätten ohnehin gewusst, was die Dame liest.

Und weil Schumacher eine findige Geschäftsfrau ist, machte sie aus der Not eine Geschäftsidee: Das Bücherabo war geboren. Beim vergangenen Weihnachtsfest sei das Abo besonders gut angekommen; Großeltern hätten Enkel beschenkt und Eheleute hätten einander so eine Freude gemacht.

Corona hat dem Abo einen Schub gegeben

Die Zeit im März und April, als das öffentliche und teilweise auch das berufliche Leben dann fast stillstand, hat die Büchergalerie dann genutzt, um das Abo weiter zu bewerben. Mit Erfolg: Mittlerweile gebe es 79 Abonnements, sagt die 56-Jährige zufrieden.

Und wie kommt die Idee bei den Kunden an? Rita Fahling aus Lohne jedenfalls findet die Idee "super". Die 82-Jährige hat das Bücherabo erstmals im Jahr 2018 von Ihren Kindern zu Weihnachten geschenkt bekommen. Sie freut sich darüber, wie nett die Bücher verpackt sind und wie flexibel die Buchhändlerinnen auf ihre Wünsche eingehen.

Auch Patricia Abeling aus Kroge ist zufrieden. Die 51-Jährige hat das Abo erstmals im Jahr 2018 zu Weihnachten geschenkt bekommen, seitdem lässt sie es weiterlaufen. Sie lese „sehr viel“, sagt sie. Bisher hätten die Mitarbeiterinnen der Büchergalerie stets ihren Geschmack getroffen. Sie selbst liebt Krimis und Thriller. Ein paar Mal habe sie aber auch schon Bücher „aus Ecken erhalten, in die ich selbst nicht spontan gehe“, sagt Abeling.

In Buchhandlungen stöbern und selbst Lesestoff kaufen, das macht die 51-Jährige zwar immer noch gerne. Kein Städtetrip komme ohne Besuch des örtlichen Fachhandels aus. Trotzdem lobt sie das Bücherabo. Es sei wie „ein menschlicher Algorithmus mit sehr, sehr viel Erfahrung“, sagt sie unter Anspielung auf die Computerprogramme großer Internethändler, die so bestimmen, was einem Kunden als nächstes angeboten wird.

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