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Wenn der Burger vom Feld statt von der Weide kommt

Food Fox entwickelt im Ecopark Snacks für die schnelle Küche. Das Unternehmen kann flexibel auf neue Trends reagieren.

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Auf der Waage zubereitet: Maik Horn richtet einen Burger mit einem Patty nach Rindfleischart an.   Foto: Vorwerk

Auf der Waage zubereitet: Maik Horn richtet einen Burger mit einem Patty nach Rindfleischart an.   Foto: Vorwerk

Wenn Dr. Herbert Paschertz zu Tisch bittet, dann kann er sich auf die sensiblen Gaumen seiner Mitarbeiter verlassen. Die Kollegen sind geschult, achten auf die Textur des Produkts, wie die Panade knuspert und, natürlich, ob es schmeckt. Geben sie grünes Licht, dann wird der Burger oder der panierte Käsestick aller Wahrscheinlichkeit nach in wenigen Wochen in den Regalen der großen Discounter zu finden sein. Am Ende entscheidet aber der Kunde, ob der im Ecopark in Drantum entwickelte Snack ein Kassenschlager wird. Und dies nicht nur in Deutschland. In ganz Europa und sogar in den USA gibt es die Speisen aus dem Landkreis Cloppenburg.

Pflanzliche Ersatzprodukte haben das Spielfeld betreten

Hähnchen, Rind, Pute und Schwein machen immer noch das Gros aus, doch längst haben pflanzliche Ersatzprodukte des Spielfeld betreten. "Wir haben einen schleichenden Wandel in der Ernährung", sagt der Geschäftsführer von Food Fox. Fleisch werde immer mehr als schlecht für die Klimabilanz angesehen. "Das ermöglicht, neue Trends aufzugreifen", so der 45-Jährige. Es gebe immer mehr Flexitarier, die bewusst den Fleischkonsum einschränken, oder eben Vegetarier und Veganer, die gänzlich auf Tiere und auch tierische Produkte verzichten. Besonders jüngere Menschen würden diesbezüglich sensibler.

Nach gut 1 Woche kann heute ein neues Produkt entwickelt sein, nach 6 Wochen liegt es in der Kühltheke. Paschertz: "Das funktioniert aber nur, weil wir über Jahre ein Schubladensystem entwickelt haben, aus dem wir uns bedienen können." 120 Produkte sind ständig verfügbar, das Portfolio ist fünfmal so groß. "Da gibt es Snacks, die für Aktionen nur einmal aufgelegt werden, und danach wieder verschwinden." Außerdem sind Saisonartikel am Start, beispielsweise zum Superbowl oder wenn eine Fußballweltmeisterschaft ansteht.

Die Geschäftführer Dr. Herbert Paschertz (rechts) und Andrea Rausch zeigen gemeinsam mit Marius Hansen aus der Produktentwicklung eine kleine Auswahl an Speisen aus dem eigenen Haus. Foto: VorwerkDie Geschäftführer Dr. Herbert Paschertz (rechts) und Andrea Rausch zeigen gemeinsam mit Marius Hansen aus der Produktentwicklung eine kleine Auswahl an Speisen aus dem eigenen Haus. Foto: Vorwerk

Die Ideen bringen der Geschäftsführer, aber auch seine Mitarbeiter ein. Wer im Urlaub etwas Besonderes auf der internationalen Speisekarte entdeckt hat oder auf der Städtetour durch Deutschland, der hat vielleicht den Anstoß für den künftigen Topseller gegeben. Wichtig neben dem Geschmack: Er muss auch mit den vorhandenen Maschinen in großer Stückzahl produziert werden können. "In der Regel machen wir unseren Kunden Vorschläge, aber sie fragen auch an."

Dann sind die Lebensmitteltechniker im Haus gefragt. Nicht selten sind die Spezialisten auch gelernte Köche und sie experimentieren im Kleinen, was später in großen Chargen produziert werden soll. Zum Beispiel die Gyros- und Kebap-Rolle. Noch gibt es diesen Snack nicht zu kaufen, es dürfte es sich nur noch um wenigen Wochen handeln, bis die griechische und türkische Variante auf den Mittagstischen landet.

Der Endverbraucher schaut genau hin

Der Endverbraucher schaut mittlerweile genau hin, meint Paschertz. Er achtet auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Tierschutz. Und dies nicht nur bei der Speise, sondern auch bei der Verpackung. Der Burger kann komplett wie aus dem Regal genommen in die Mikrowelle gestellt werden. Nach dem Essen werden Pappe und Folie mit einem Griff getrennt und den entsprechenden Wertstoffkreisläufen zugeführt.

Convenience-Food, also Nahrungsmittel, die weit vorbereitet sind und in der Regel nur noch erhitzt werden müssen, heißt dieser Bereich. Damit wird auch der Situation Rechnung getragen, dass in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten und für die Zubereitung immer weniger Zeit bleibt. "In kurzer Zeit kann so ein komplettes Essen gemacht werden." International betrachtet sind gerade in Großstädten, wo der Wohnraum knapp und teuer ist, die Mikrowellengerichte gefragt, weil es häufig nicht einmal eine richtige Küche in den kleinen Appartements gibt.

Statt Rind zu einem Patty für Hamburger zu verarbeiten, kommt auch Soja als Fleischersatz zum Einsatz. Die Technik ist weit fortgeschritten und die Textur kann heute gut nachgeahmt werden. Das Ursprungsprodukt kommt dabei ebenfalls aus Deutschland. "Wir haben eine so genannte vertikale Produktionskette", erklärt der Veterinärmediziner die Firmenstruktur. Sechs Unternehmen gehören zur Paschertz-Gruppe und es wird an drei Standorten (Brandenburg, Meerbusch und Cochem-Zell) Ackerbau betrieben. Am Standort Ecopark stehen zwei Firmen gespiegelt nebeneinander. Während bei "Food Fox" die Entwicklung und der Vertrieb von fleischhaltigen Convenience-Artikeln im Fokus steht, werden nebenan bei "Vefo" die vegetarischen und veganen Pendants zur Marktreife gebracht.

Produktion erfolgt an drei Standorten im Landkreis

Die Produktion erfolgt schließlich an den Standorten in Garrel, Garthe und Friesoythe, wobei streng darauf geachtet wird, dass die Produktionslinien von tierischen und pflanzlichen Produkten voneinander getrennt sind. Darüber hinaus gibt es mit dem Sitz in Wittstock eine Vertriebs- und Produktionsstätte für Gemüse-Convenience, Gewürze, Saucen und Dips.

Die große Stärke seines Unternehmens sieht Paschertz in der Flexibilität. Binnen kürzester Zeit kann auf Trends reagiert werden und dass alleine mit Fleisch die Welternährung in der Zukunft gesichert werden kann, schließen Experten aus. Auch aus finanziellen Gründen, denn bei steigenden Energie- und Futterpreisen ist das auf pflanzlicher Basis hergestellte Produkt bisweilen heute schon günstiger, als sein tierisches Gegenüber.

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