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Vorreiterrolle: Vördener Handwerksunternehmen nimmt seine Betriebsabläufe unter die Lupe

Eingefahrene Strukturen führten zu Reibungsverlusten, erkannten die Inhaber des Vördener Heizungs-/Sanitär-Betriebes Thomas Klarmann und Marc Böckmann. Sie holten sich einen "Coach" in ihren Betrieb.

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Thomas Klarmann (links) und Marc Böckmann (rechts) aus Vörden mit „Coach“ Hermann-J. Kreitmeir. Foto: Braungart

Thomas Klarmann (links) und Marc Böckmann (rechts) aus Vörden mit „Coach“ Hermann-J. Kreitmeir. Foto: Braungart

Der Handwerksbetrieb ist wirtschaftlich erfolgreich: In den Geschäftsfeldern Bad, Heizung, Klima/Lüftung, Elektro und Klempnerei erwirtschaftete Klarmann und Böckmann im Jahr 2020 einen Umsatz von rund 3,5 Millionen Euro. Im April wird zudem die neu gestaltete Bad-Ausstellung eröffnet. Die Qualitätsarbeit der Vördener Handwerker ist gefragt.

In dem seit 1958 bestehenden Familienunternehmen arbeiten über 30 Mitarbeiter für Privat- und Gewerbekunden im Umkreis von bis zu 50 Kilometern. Die positive Entwicklung des Betriebes zeigte aber längst auch Grenzen auf. Für die Geschäftsführer und Gesellschafter Thomas Klarmann und Marc Böckmann wurde die persönliche Belastung mit dem steten Wachstum des Betriebes immer größer.

"Wir waren eigentlich nie fertig. Der persönliche Leidensdruck stieg."Thomas Klarmann, Mitinhaber von Klarmann und Böckmann

"Wir waren quasi der Flaschenhals", analysiert Klarmann vergangene Zeiten. Die Belastung war groß, Wochenendarbeit der Geschäftsführer wurde schon fast zur Regel, da alle Planungen und Entscheidungen über den Tisch der beiden liefen. "Wir waren eigentlich nie fertig. Der persönliche Leidensdruck stieg", blickt Klarmann zurück. "Auch die Kommunikation nach innen und außen lief manchmal schief." Die Effizienz im Unternehmen litt, punktuell angestoßene Initiativen brachten nicht die gewünschten Korrekturen in den Abläufen und waren oft erfolglos. "Uns war klar, wir mussten den Betrieb und uns neu aufstellen – es musste etwas ganzheitlich Neues her."

Doch wer konnte helfen? Experten, die sich in Handwerksbetrieben auskennen, wachsen nicht auf den Bäumen. Gespräche mit Handwerkskollegen führten nicht zum Ziel. Klarmann und Böckmann fanden aber schließlich Mitte 2020 in Hermann-J. Kreitmeir aus Kirchdorf am Inn einen Branchenkenner, der in wenigen Monaten die Strukturen des Betriebes umkrempelte.

"Der Weg hat sich mehr als gelohnt."Marc Böckmann, Mitinhaber von Klarmann und Böckmann

Die Arbeit des Coaches sowie die Veränderungen im Betrieb seien durchaus eine hohe Investition gewesen, sagen Klarmann und Böckmann. Von dieser aber wissen beide, dass sie sich durch Effizienzsteigerungen bereits nach einem Jahr amortisieren wird. "Der Weg hat sich mehr als gelohnt", bilanziert Böckmann als der Herr der Zahlen im Unternehmen. Der 43-Jährige, seit 2007 im Unternehmen und seit 2017 als geschäftsführender Gesellschafter aktiv, ist seit dem vergangenen Jahr nun auch als Mitinhaber im Unternehmensnamen abgebildet.

Kreitmeir ging mit den beiden Chefs in Klausur und erstellte eine ausführliche Ist-Analyse. Auch alle 30 Mitarbeiter wurden aktiv beteiligt. Sich selbst, die Prozesse im Unternehmen kritisch auf den Prüfstand zu stellen, verlangte dem Geschäftsführerduo einiges ab, sagt Klarmann. "Früher aber gab es im Unternehmen erkennbar viel mehr Wischi-Waschi, heute herrscht Klarheit für alle – über die Entscheidungsbefugnisse des einzelnen Mitarbeiters und die Hierarchien sowie die Aufgaben im Unternehmen. Ein klarer Gewinn."

Klarmann & Böckmann in Vörden von oben. Im Vordergrund Lager und Klempnerei, links das Gebäude mit der Badausstellung. Foto: BraungartKlarmann & Böckmann in Vörden von oben. Im Vordergrund Lager und Klempnerei, links das Gebäude mit der Badausstellung. Foto: Braungart

Die gesamte Unternehmenskultur habe sich seit den mithilfe von Kreitmeir eingeleiteten Änderungen verändert, sagt der 48-jährige Klarmann, denn auch die Mitarbeiter gehen den Weg mit. Neue Arbeitsplätze, Einführung einer regelmäßigen internen Kommunikation sowie neue Arbeitsverträge mit Leistungsaspekten und Prämienzahlung: "Viele Mitarbeiter leben sichtbar auf, weil sie neue Verantwortung haben, Mängel auch gegenüber den Chefs auf sachlicher Ebene ansprechen können, das bringt neue Zufriedenheit – bei uns allen, was sich auch in der gesamten Stimmung spiegelt." Seine Hoffnung: "Dass sich die Zufriedenheit herumspricht und wir auch als Arbeitgeber an Image gewinnen."

Ein Vorbild für andere Handwerker?

Zu den Veränderungen gehört auch, dass man sich ein Leitbild gegeben hat, nach dem alle im Unternehmen ohne Ausnahme auch handeln. "Wo gibt es das schon im Handwerksbereich? Wenn ich heute meinen Handwerkskollegen erzähle, dass wir ‚10 Gebote‘ haben, dann fragen die meisten, was das denn ist. Aber die neue Kultur funktioniert - weil uns Kreitmeir den Spiegel vorgehalten hat."

Kann das Vorreiterprojekt in Vörden Vorbild für andere Handwerker sein? Klarmann glaubt das, schränkt aber ein: "Hat der Handwerker bis zu 8 oder 10 Mitarbeiter, kann er noch alles selbst überblicken. Schwieriger wird das aber bei einer Größe, wie wir sie haben, da kommt es oft durch Wachstum zu unklaren Strukturen und spürbaren Reibungsverlusten." Vor allem die wichtige Entwicklung künftiger Strategien, möglicher Spezialisierung in bestimmten Feldern, die Neuausrichtung, dürfte dann nur noch halbherzig und "nebenbei" erfolgen, glaubt Klarmann. "Das aber wäre nicht gut für den künftigen Unternehmenserfolg."

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