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Unternehmerpreis 2022: Kalkhoff wird als "Unternehmen des Jahres" geehrt

Der traditionsreiche Cloppenburger Fahrradhersteller bezieht ein neues Werk im Ecopark in Drantum. Der Verbund vergibt den Ehrentitel an den aktuellen europäischen Marktführer im E-Bike-Bereich.

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Das Führungsteam von Kalkhoff in Emstek-Drantum: (von links) Manuel Behlen, Wolfgang Wildemann, Mirjam van Coillie, Dennis Feige. Foto: Hölzen/Gerald Lampe

Das Führungsteam von Kalkhoff in Emstek-Drantum: (von links) Manuel Behlen, Wolfgang Wildemann, Mirjam van Coillie, Dennis Feige. Foto: Hölzen/Gerald Lampe

Der schicke Industrieneubau im Ecopark in Emstek ist nicht zu übersehen. Über mehrere hundert Meter, parallel zur Bundesstraße 72, der Europastraße 233, erstreckt sich das neue Werk von Fahrradhersteller Kalkhoff. Nach rund 18 Monaten Bauzeit stellte der 7. März 2022 einen weiteren Meilenstein in der über 100-jährigen Firmengeschichte dar. An diesem Tag verließ das erste, in Drantum hergestellte E-Bike die Fertigungsbänder von Europas modernstem Fahrradwerk. 400.000 E-Bikes und „High End Pedal-Bikes“ sollen hier künftig jährlich produziert werden – 1100 am Tag.

Kalkhoff – europäischer Marktführer im E-Bike-Bereich – hat mehr als 30 Millionen Euro „Eigeninvestition, keine Fördermittel“ in die Ausstattung des neuen Werks, dessen Anlauf sowie die notwendigen IT-Systeme investiert. Seit Oktober läuft das vom Verbund Oldenburger Münsterland ausgezeichnete „Unternehmen des Jahres“ unter „Volllast“ erklärt Wolfgang Wildemann, Geschäftsführer der Kalkhoff Werke GmbH, der die Produktion am Standort führt.

Seit dem Jahr 2012 gehört Kalkhoff zum niederländischen Familienkonzern Pon

Der Fahrradhersteller ist der größte Industrie-Arbeitgeber im Kreis Cloppenburg. 200 weitere Arbeitsplätze sind mit Bau des neuen Werkes entstanden. Im November 2022 sind 910 Beschäftigte in den Bereichen Produktion und Marke tätig. 1000 sollen es werden.

Seit dem Jahr 2012 gehört die „Derby Cycle Holding“ mit Marken wie Kalkhoff oder Focus zum niederländischen Technikkonzern Pon. Unter dessen Dach sind viele bekannte Fahrradmarken zusammengeführt, darunter auch Gazelle. Pon gilt als europäischer Marktführer in der Fahrradproduktion. Die von der Inhaberfamilie geführte Holding setzt große Hoffnungen in den hoch modernen deutschen Standort, berichtet Mirjam Van Coillie, die – zuvor im Marketing von „Gazelle“ verantwortlich – nun von Emstek aus die Traditionsmarke „Kalkhoff“ als Geschäftsführerin leitet. Mitinhaberin Fanja Pon sei regelmäßig vor Ort gewesen, habe die Baufortschritte des neuen Werkes und den Anlauf der Produktion intensiv begleitet. Dabei sei sie „natürlich“ mehrfach von Holland mit dem Fahrrad nach Cloppenburg und Emstek geradelt, erzählt Van Coillie.

Das neue Werk im Ecopark: 30 Millionen Euro hat allein Kalkhoff am neuen Standort investiert. Foto: HölzenGerald LampeDas neue Werk im Ecopark: 30 Millionen Euro hat allein Kalkhoff am neuen Standort investiert. Foto: Hölzen/Gerald Lampe

Das neue Werk, in dem Kalkhoff Mieter ist, hat eine Gesamtfläche von 50.000 Quadratmeter, davon belegen Büros und die hoch moderne „Brand World“ rund 5700 Quadratmeter. Die „Brand World“ der Kalkhoff-Fahrräder, also die Markenwelt, ist künftig wesentlicher Teil im Marketingbesteckkasten von Van Collie. Die sich an Endkunden und an Fahrradhändler gleichermaßen richtende Erlebnisausstellung ist im November eröffnet worden, und eine Neuerung im Kalkhoff-Universum. Hier lassen sich die E-Bike-Modelle aller Preisklassen ebenso wie die kostspieligeren Fahrräder ohne Motor am Bildschirm konfigurieren, dort ausgestellte Modelle auch Probe fahren. Vor Ort gibt es zwei Testfahrstrecken: eine für City-Bike-Fahrer, eine weitere für Mountainbiker.

Viel Glas und helle Räume, nicht festgelegte Büroarbeitsplätze, eine „gläserne Produktion“ sowie neue Kommunikationsformen – laut Wildemann „pflegen wir jetzt das Du“ – hätten mit dem Umzug auch den beabsichtigten Wandel in der Unternehmenskultur gebracht.

Die Arbeitsplätze in der Produktion sind individuell anpassbar und rückenschonend, auch die Arbeitswege sind kürzer als früher. Weitere Annehmlichkeit: die eigene Kantine, die bei Kalkhoff „Restaurant“ heißt.

Der neue Standort ist auf eine geradlinige, digital gesteuerte Produktion auf ERP-SAP-Basis ausgerichtet. So ist von Wareneingang/Teileanlieferung bis zur Pulverlackierung oder die Laufradfertigung und die Vorfertigung so um die zentrale Produktion mit insgsamt 6 Fertigungsbändern gruppiert, dass ein Montageschritt ohne großen Zeitverlust auf den nächsten folgen kann.

Das neue Werk ist auf Nachhaltigkeit getrimmt

Das neue Werk ist auf Nachhaltigkeit getrimmt. In der Lackieranlage werden ausschließlich lösemittelfreie Lacke verwendet. Die Abwärme der Lackierung wird zum Heizen genutzt. Im gesamten Gebäude ist eine Fußbodenheizung installiert. Die Wasseraufbereitung kommt der geschlossenen Kreislaufverwendung sehr nahe: Eine 80 kW-Photovoltaikanlage wird installiert. Damit soll unter anderem der Strom erzeugt werden, der von Mitarbeitern und Kunden an Norddeutschlands größter E-Bike-Ladestation sowie an den jetzt 24 Elektroladesäulen getankt werden kann – 48 E-Säulen sind projektiert.

Auch wenn man sich in Punkto Technik radikal von alten Zöpfen getrennt hat, gilt das für die Marke „Kalkhoff nicht“, erklärt die für das Marketing zuständige Van Coillie. Man setze weiter auf das hohe Ansehen der Marke und will sich von Drantum aus neue Absatzmärkte rund um den Globus erschließen.


Fakten:

  • 1919: Gründung durch Heinrich Kalkhoff
  • 1927: Das erste, vollständig von Kalkhoff gefertigte Fahrrad verlässt die Cloppenburger Werkstatt
  • 1972: 5 Millionen Fahrräder sind vom Band gerollt.
  • 1988: Nach mehrfacher Insolvenz geht der Fahrradhersteller an die Derby Cycle Holding.
  • 2007: Start der E-Bike-Produktion in Cloppenburg
  • 2012: Die Pon-Holding übernimmt Derby Cycle.
  • 2022 :Kalkhoff nimmt die Produktion im neuen Werk im Ecopark Drantum auf.
  • Info: www.kalkhoff-bikes.com

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