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Stadt Vechta plant einen Online-Marktplatz

Das Projekt soll mit Fördermitteln zur Entwicklung der Innenstadt angeschoben werden. Doch zunächst muss die Logistik ihre Testphase bestehen.

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Verhältnismäßig ruhiger Moment auf der Großen Straße: Um sich gegenüber Amazon & Co. zu behaupten, sollen Händler ihre Angebote auf einem Online-Marktplatz zusammenführen. Die bestellte Ware wird dann direkt zu den Kunden nach Hause geliefert.   Foto: von Hammerstein

Verhältnismäßig ruhiger Moment auf der Großen Straße: Um sich gegenüber Amazon & Co. zu behaupten, sollen Händler ihre Angebote auf einem Online-Marktplatz zusammenführen. Die bestellte Ware wird dann direkt zu den Kunden nach Hause geliefert.   Foto: von Hammerstein

Der wesentliche Vorteil des Online-Handels besteht darin, dass sich die Ware ganz bequem im Internet bestellen und nach Hause liefern lässt. Eine solches Angebot sollen die Kunden auf lange Sicht auch bei Einzelhändlern in der Stadt Vechta bekommen. Mit Unterstützung der Kommune wollen heimische Unternehmen einen Online-Marktplatz aufbauen und damit Amazon & Co. den Kampf ansagen.

Beim Online-Marktplatz handelt es sich keineswegs um bloße Gedankenspiele. Das Projekt ist Bestandteil eines umfassenden und zugleich nachhaltigen Konzepts zur Entwicklung der Innenstadt, das in den nächsten Jahren in Vechta umgesetzt werden soll. Die Anschubfinanzierung ist gewährleistet: Es stehen Fördermittel in Millionenhöhe aus Bundes- und Landesprogrammen in Aussicht.

Bürgermeister Kater begrüßt Anstrengungen

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) begrüßt die Initiative aus der Mitte der Wirtschaft, die mit Hilfe von Zuschüssen realisiert werden soll. Ziel müsse es sein, mit vereinten Kräften Aktivitäten zu entwickeln, um die Innenstadt nach vorne zu bringen und noch lebenswerter zu machen. „Das kann ein einzelner Unternehmer nicht machen, das muss eine Gemeinschaftsaufgabe sein“, betont der Verwaltungschef.

"24/7 ist die Stärke von Amazon. Das wollen wir hier auch schaffen.“Dr. Frank Käthler, Wirtschaftsförderer der Stadt Vechta

Wirtschaftsförderer Dr. Frank Käthler skizziert in kurzen Zügen, wie der Online-Marktplatz aussehen soll. Demnach bekommen Betriebe die Möglichkeit, sich mit ihrem Warenbestand einem lokalen Internetshop anzuschließen. Über dieses System sollen die Kunden ihre Bestellungen tätigen können und sogar in einem gewünschten Zeitfenster beliefert werden. „24/7 ist die Stärke von Amazon. Das wollen wir hier auch schaffen“, sagt Käthler.

Zu den Initiatoren des Projekts gehört Peter gr. Beilage, Geschäftsführer des gleichnamigen Baufachhandels und zugleich Vorsitzender des Stadtmarketingvereins „Moin Vechta“. Er macht keinen Hehl daraus, dass bundesweit schon einige Akteure mit solchen Vorhaben gescheitert sind. Darum will der heimische Unternehmer einen anderen Weg gehen: „Wir schaffen erst die Logistik. Wenn diese funktioniert, können wir den Online-Marktplatz aufsatteln und die Händler einbeziehen.“

Wirtschaftliche und umwelttechnische Aspekte

In einem Konsortium mit den Firmen Elwateg, Kurzbach, Weiss und Codelotsen sowie dem Steinbeis-Transferzentrum Oldenburger Münsterland beschäftigt sich gr. Beilage schon seit längerer Zeit mit dem Thema. Sie betreiben bisher ihre eigene Logistik, setzen unterschiedliche Fahrzeuge ein, obwohl sich der Kundenkreis überschneidet. Darum sind sie zu dem Schluss gekommen, dass eine Bündelung der Lieferungen sowohl unter wirtschaftlichen als auch umwelttechnischen Aspekten sinnvoll wäre.

Die Gruppe plant zurzeit den Aufbau einer „grünen“ City-Logistik. Ein elektrisch betriebenes Lastenfahrrad steht schon bereit. Damit sollen kleinere Pakete innerhalb von Vechta befördert werden. Der Lieferverkehr findet ab dem Frühjahr zunächst in einer Testphase unter den beteiligten Betrieben sowie interessierten Einzelhändlern statt. In einem zweiten Schritt sollen Privatleute in das Modell einbezogen werden.

„Uns geht es darum, die Verkehre in der City perspektivisch zu reduzieren.“Unternehmer Peter gr. Beilage

„Uns geht es darum, die Verkehre in der City perspektivisch zu reduzieren“, erläutert gr. Beilage den Nachhaltigkeitsgedanken. Er kann sich auf lange Sicht sogar eine Einbeziehung der namhaften Paketdienste vorstellen. Sie könnten ihre Ware an zentraler Stelle am Stadtrand anliefern und bräuchten dann nicht mehr jeden einzelnen Kunden anzusteuern. Die Pakete würden mit Lastenfahrrädern in der Innenstadt verteilt.

Die Stadtverwaltung steht mit Blick auf die Innenstadtentwicklung und die Klimaziele voll und ganz hinter dem Vorhaben. Wirtschaftsförderer Käthler sieht in den Fördermitteln eine große Chance, das Logistik-Projekt und noch weitere Maßnahmen anstoßen zu können. Allein für den Aufbau und Betrieb des Online-Marktplatzes sollen aus dem Fördertopf bis zum Jahr 2025 rund 380.000 Euro zur Verfügung stehen.

Stadtrat muss Umsetzung der Pläne beschließen

Mit Hilfe des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ will die Stadt Vechta ein Maßnahmenpaket mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund einer Million Euro schnüren. 75 Prozent der Kosten werden durch Fördermittel abgedeckt. Dafür muss die Kommune nach dem aufwendigen Interessenbekundungsverfahren jetzt nur noch einen detaillierten Antrag bis Ende dieses Monats stellen.

Inklusive der Fördermittel aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes Niedersachsen sollen laut Bürgermeister Kater in den nächsten Jahren fast 2 Millionen Euro in verschiedenste Projekte zur Innenstadtentwicklung fließen. Dazu gehört auch die Umsetzung des viel diskutierten Masterplans. Den entsprechenden Beschluss soll der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag (28. Februar) fassen.

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