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Reisefieber ist zurzeit noch niedrig

Corona lässt die Kunden vorsichtig bleiben. Die meisten Urlaube dürften nicht vor dem Frühjahr gebucht werden, glaubt André Röckmann. Die Reisebüros haben trotzdem zu tun.

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Corona-Ärger im Paradies: Die Kanareninsel Teneriffa gilt zurzeit als Risikogebiet. Foto: dpa/Lerida

Corona-Ärger im Paradies: Die Kanareninsel Teneriffa gilt zurzeit als Risikogebiet. Foto: dpa/Lerida

Wo sie ihren Sommerurlaub verbringen werden, wissen  die meisten Deutschen zurzeit noch nicht. Die Corona-Pandemie erschwert das Reisen auch im neuen Jahr. „Die Verunsicherung ist groß“, bestätigt André Röckmann, Betreiber eines Reisebüros in Löningen.

Eigentlich hätte die Branche jetzt Hochsaison. Im Winter werden normalerweise die Buchungen für die Sommerferien vorgenommen. Gebucht wurde bislang aber nur wenig. Und das liegt nicht nur daran, dass Röckmann und seine Berufskollegen wegen des Lockdowns vorläufig nur telefonisch oder über das Internet erreichbar sind. „Die Leute warten erst einmal die Entwicklung ab. Dafür habe ich Verständnis“, sagt Röckmann.

Absagen für Kanaren-Urlaub und von Kreuzfahrten

Denn die Coronalage kann sich von Land zu Land schnell ändern. Vor Weihnachten etwa mussten die Reiseveranstalter zahlreiche Urlaube absagen, weil die Kanarischen Inseln - ein klassisches Winterziel - von der Bundesregierung zum Risikogebiet erklärt worden waren. Die Fallzahlen auf Teneriffa, Gran Canaria und Co. waren im November und Dezember deutlich nach oben geschnellt. Auch bereits geplante Kreuzfahrten fielen wieder aus. Alles in allem gehört die Reisebranche zu den großen Verlierern des Coronajahres.

Die Situation der Reisebüros hat sich seit dem desaströsen Frühjahr 2020 aber stabilisiert, erklärt Röckmann. Damals musste er fast ausschließlich Stornierungen bearbeiten. Die meisten Kunden haben ihr Geld inzwischen zurückbekommen und auch den Urlaubsvermittlern wurde geholfen.  Der Staat zahlt bis heute Mittel, mit denen die Büros die einnahmenlose Zeit überbrücken. Noch seien sie auf das Geld angewiesen, betont Röckmann, der sich bei der Bundestagsabgeordneten Silvia Breher für seine Branche eingesetzt und in Oldenburg zusammen mit Kolleginnen und Kollegen demonstriert hatte. „Aber natürlich wollen wir wirtschaftlich so schnell wie möglich wieder auf eigenen Beinen stehen.“

"Wer sich an die AHA-Regeln hält,
kann trotz Corona sicher reisen"André Röckmann (Löninger Reisebüro)

Der Unternehmer setzt  vor allem auf die inzwischen einsetzenden Impfungen. Daneben bleiben Schnelltests und die Einhaltung der „AHA“-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) für ihn unerlässlich. „Im vergangenen Sommer hat sich gezeigt, dass derjenige, der sich an die Regeln hält, auch sicher reisen kann. “ Röckmann erwartet aber, dass einzelne Länder, Fluggesellschaften oder Hotels von ihren Gästen Impfnachweise verlangen werden. „Das gibt es bei anderen Infektionserkrankungen ja bereits seit Jahren.“ Innerhalb der Europäischen Union darf es aus seiner Sicht aber nur einheitliche Regelungen geben. Gesetzliche Alleingänge, etwa von deutscher Seite, fände er nicht richtig.

In der Krise habe sich gezeigt, wie wertvoll die Dienste der Reisebüros seien, betont Röckmann. „Die persönliche Beratung besitzt gerade jetzt einen hohen Stellenwert.“ Für ihre Kunden hatten sich die Büros auch um die Rückzahlungen bei abgesagten Pauschalurlauben gekümmert. Die ebenfalls in Schieflage geratenen Reisekonzerne hatten damit teils monatelang gezögert. Die Pauschalreise bleibt aus Röckmanns Sicht in diesem Jahr die erste Wahl. „Wer Sicherheit haben möchte, fährt mit ihr am besten“. Die Veranstalter haben inzwischen ihre Stornomöglichkeiten erweitert und bieten auch Corona-Zusatzversicherungen an.

Urlauber bleiben in Deutschland und Europa

Haupturlaubsländer 2021 dürften neben Deutschland voraussichtlich Spanien, Griechenland und Österreich sein. „Auf jeden Fall Europa“, sagt Röckmann. Der Resthauser stellt sich auf ein „Last-Minute-Frühjahr“ ein und geht davon aus, dass die meisten Reisen erst im Mai und Juni gebucht werden. Er glaubt auch, dass sich die Branche durch die Pandemie langfristig verändern wird. „Die Menschen wollen weiterhin die Welt sehen, aber vielleicht bewusster und nachhaltiger als früher.“ Die bereits wieder stattfindenden Gutschein- und Rabattschlachten hält er deshalb auch für nicht mehr zeitgemäß. Für die Reisebüros sei die Krise dagegen ein Innovationsbeschleuniger. Weil die Veranstalter immer öfter auf gedruckte Kataloge verzichten, findet die Beratung mehr und mehr im Digitalen statt.  

Dass Reisebüros wegen Corona in größerer Zahl aufgeben mussten, hat André Röckmann nicht gehört. An ein Sterben seiner Zunft glaubt er deshalb auch erst einmal nicht mehr. Die Politik habe noch rechtzeitig gehandelt und das Schlimmste verhindert, lobt er.

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