Mit vielen Informationen und Erkenntnissen sind die Gäste und Besucher des 2. Wirtschaftsforums der OM-Medien in den weiteren Abend gegangen. Thema der zweiten Auflage war „Mensch. KI. Mittelstand“, 195 Besucher waren in das OM-Medienhaus im Ecopark gekommen.
Moderatorin Constanze Biegel eröffnete die Veranstaltung. Sie stellte den gewohnten Ablauf mit Interviews, Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion vor. Direkt danach übernahm OM-Medien-Politikreporter Giorgio Tzimurtas, sein Gesprächspartner war Thomas Jarzombek. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung überzeugte das Publikum, indem er auf politische Floskeln verzichtete und Klartext sprach.
KI nicht nur als Selbstzweck
Er warb dafür, KI nicht nur als Selbstzweck zu nutzen, sondern sie wirklich an den richtigen Stellen in die Unternehmensworkflows einzubinden: „Wer heute nicht anfängt, damit zu experimentieren und es wirklich in den Einsatz zu bringen, der wird sehr bald ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit bekommen.“ Es sei wichtig, dass die ersten Versuche weiter in die Firmenstrukturen implementiert werden. „Diese wichtige Transformation muss jetzt passieren.“
Der Staatssekretär verwies auf Studien, die für Deutschland eine zusätzliche Wertschöpfung von 200 bis 300 Milliarden Euro durch KI prognostizieren. Wichtig sei, dass dieses Geld auch in Deutschland bleibe und nicht ins Ausland abfließe. Bei den bisherigen Sprachmodellen wie ChatGPT lägen die USA und China vorn. Aus seiner Sicht gehe es nun aber um die Frage nach einzelnen Anwendungen und die nächsten Generationen. „Da ist das Rennen völlig offen, und da haben wir gute Chancen.“
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Foto: Thomas Vorwerk
Bei der Regulierung sprach sich Jarzombek dafür aus, den neuen AI-Act auf europäischer Ebene möglichst pragmatisch umzusetzen. Es sei wichtig, Unsicherheiten zu nehmen. Bei der Implementierung von KI sieht er die Unternehmen am Zug. „Wir haben hier auch tolle Leute. Aber als Lebenszeitbeamter ist man in einem anderen kulturellen Rahmen als ein Unternehmer, der jeden Tag gucken muss, wie er seine Rechnungen bezahlt.“
Bei der Datensicherheit lohne sich auch ein Blick auf europäische Anbieter, auch wenn amerikanische Unternehmen in diesem Bereich führend sind. Zudem sei es wichtig, die Mitarbeiter mitzunehmen und zu schulen. „Die KI sorgt für einen Wandel der Arbeitswelt“, sagt Jarzombek. Gleichzeitig müsse man in der Bildung völlig andere Schwerpunkte setzen: „Das kritische Hinterfragen, das Einordnen von Fakten, das ethische Bewerten – das sind die Fähigkeiten, die wir brauchen.“
- Panel 1: Von 0 auf 1000: Wie Pöppelmann mit eigener KI messbare Effizienz schafft. Mit Tanja Sprehe, Bereichsleitung Marketing & Innovation bei Pöppelmann.
- Panel 2: KI meets Bank(ing): Symbiose zwischen Mensch & Maschine. Mit Robin Höring, Principal Expert KI & Transformation, Vertrieb Atruvia AG im Auftrag der KAGs der Volksbanken im Oldenburger Münsterland.
- Panel 3: KI im Architekturbüro, präsentiert von Geising + Böker. Mit Stefan Tepe, Sven Apel und Oliver Tober, Geising + Böker-Gruppe.
- Panel 4: KI-Kompetenzen für den Mittelstand von morgen. Niedersachsens erstes Berufliches Gymnasium Wirtschaftsinformatik. Mit Günter Lübke und Folker Arndt, Schulleitung BBS Museumsdorf CLP.
- Panel 5: Praxiseinblicke: Künstliche Intelligenz in der Digital Factory von EWE. Mit Dr. Matthias Postina, Leiter Digital Factory der EWE AG.
- Panel 6: „Täglich 60 Minuten Vorsprung – Effizienz neu gedacht“. Mit Nikita Schmitke, KI-Kapitän und Kerk Behrens.
Keynote-Speaker des Abends war anschließend Christoph Maerz, Leiter des Kompetenzzentrums Generative KI am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Er stellte in seinem kurzweiligen Vortrag verschiedene Tools vor und zeigte praktische Beispiele am Laptop. Zunächst ging er auf Sprachmodelle ein. Diese seien ein großes neuronales Netz und in gewisser Weise „stochastische Papageien“. Schließlich wollen sie immer das nächste Wort vorhersagen, was jedoch nicht immer funktioniert und so zu Halluzinationen führt.
Ohnehin liege die Verantwortung bei der Nutzung von KI immer beim Menschen. Maerz empfiehlt bei der Einführung eine transparente Kommunikation innerhalb des Unternehmens, um die Unterstützung der Belegschaft zu bekommen. Schließlich herrsche bei einigen auch eine gewisse Angst ob der gravierenden Veränderungen.
Maerz unterteilt die KI in drei Bereiche
Unter anderem zeigte der Experte, wie in wenigen Schritten eine ganze Produkt-Webseite erstellt werden kann. Wichtig sei die genaue Beschreibung der Aufgaben für die KI. Je besser die Eingabe, umso besser das Ergebnis. Außerdem müsse man die richtigen Angebote nutzen, so seien Sprachmodelle beispielsweise nicht für die Bilderstellung geeignet.
Maerz unterteilt die KI in drei Bereiche: Assistenten, Workflows und Agenten. Mit dem Assistenten könne man chatten und bekomme Antworten. Aktuell werde viel mit Workflows getestet, um ganze Prozesse zu optimieren. Er selbst arbeitet mit Agenten, die viel effizienter und hilfreicher arbeiten als reine Sprachmodelle. Diese könnten auf die eigenen Daten zugreifen und müssten nicht immer extra gefüttert werden. Auch Maerz betonte dabei stets, dass KI kein reiner Selbstzweck sein darf, sondern einen wirklichen Nutzen bringen muss.
Unternehmen sollten sich zum Start an das KISS-Prinzip halten: „Keep it simple stupid“. Mit einfachen Beispielen könne man erste Erfahrungen sammeln. „Ein kleines Team, das in zwei bis vier Wochen einen Piloten hat und testet, wie das funktioniert. Das ist eine gute Art, einzusteigen.“ Die KI warte nicht, bis man bereit ist. „Wer heute anfängt, macht garantiert Fehler. Wer aber nicht anfängt, wird zu einem Fehler“, so Maerz. Es sei ein Marathon und kein Sprint.
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Foto: Thomas Vorwerk
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Foto: Thomas Vorwerk
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Foto: Thomas Vorwerk
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Foto: Thomas Vorwerk
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Foto: Thomas Vorwerk
Nach den Panels führten Giorgio Tzimurtas und OM-Medien-Wirtschaftsreporter Roland Kühn durch eine Podiumsdiskussion. „Wir sprechen über eine Transformation, die größer ist als die Einführung des Internets“, erklärte Dr. Christian Friege, Marktvorstand EWE AG. Es handele sich um eine Welt, die früher in Science-Fiction-Büchern beschrieben wurde. Man dürfe jetzt aber nicht alle Risiken der KI umhängen, die Chancen für eigene Wettbewerbsvorteile würden deutlich überwiegen. Die größte Herausforderung bei der Implementierung ist aus seiner Sicht, die Menschen auf dem Weg mitzunehmen. Friege warb zudem dafür, sich auch vor Ort für Rechenzentren einzusetzen: „Wir wollen in dieser Region zukunftsfähig bleiben.“
„Wir haben früh erkannt, dass KI ein Thema mit Chancen ist“, berichtete Tanja Sprehe, Bereichsleiterin Innovation und Marketing bei Pöppelmann. Natürlich sei der Abfluss von Daten und Wissen eine Sorge, die Risikofaktoren müssten möglichst gering gehalten werden. Und am Ende sei es auch häufig so, dass das größte Risiko vor dem Rechner bestehe. Sie selbst nutze KI regelmäßig, auch weil sie neugierig sei und Veränderungen liebe. „Es hilft mir heute schon, besser zu sein als gestern.“
Internes Wissen und externe Hilfe
Christoph Maerz betonte in der Podiumsdiskussion, dass Unternehmen internes Wissen aufbauen und sich gleichzeitig aber auch externe Unterstützung suchen sollten. Mitarbeiterschulungen seien dabei wichtig und „die Geduld beim Bau von Prozessen“. Die Kritik des hohen Energieverbrauchs versuchte der Experte einzuordnen: „10 Anfragen bei ChatGPT verbrauchen so viel Energie wie eine Minute Netflix-schauen.“
Dr. Ing. Larbi Abdenebaoui vom OFFIS – Institut für Informatik Oldenburg erklärte, dass die Kontrolle immer beim Menschen bleiben muss. Wenn Mensch und KI nicht zusammenpassen, müsse die Systemstruktur angepasst werden – nicht der Mensch. Die KI solle unterstützen und dafür sorgen, dass man sich bei der Nutzung so wenig Gedanken wie möglich machen müsse. Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Staatssekretär zum Umgang mit KI gesagt, dass man ein Auto ja auch fahre, obwohl man die Technik dahinter nicht zu 100 Prozent versteht. Dem entgegnete Abdenebaoui jedoch, dass bei der KI ein gewisses Grundverständnis durchaus vorhanden sein sollte.