„Trotz aller Unsicherheiten müssen wir mit Optimismus in die Zukunft schauen“, betonte Martin Steinbrecher, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Oldenburg (AGV), anlässlich der Mitgliederversammlung im EWE-Forum/Alte Fleiwa in Oldenburg. Die globalen Entwicklungen seien für Deutschland und Europa Herausforderung, aber auch Chance. Die Welt werde neu geordnet. „Die neuen Perspektiven müssen wir in Deutschland sehen und die vielen Vorteile, die wir haben. Das Glas ist halb voll, nicht halb leer“, so Steinbrecher.
Der AGV-Vorsitzende meinte, dass der Nordwesten „tolle, leistungsstarke Branchen“ habe, „die sehr resilient auf die gegenwärtige Krise reagieren“. Allerdings sah er auch Faktoren, die die Flexibilität der Unternehmen begrenzen. Mit Blick auf die Arbeitskräfteknappheit erklärte er, dass der Mensch „sehr wichtig für die weitere Entwicklung“ sei. Deutschland habe sich lange auf seinen Erfolgen ausgeruht, habe seine „Dynamik eingebüßt und keinen Biss mehr. Das muss sich ändern.“
Der AGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Karsten Tech forderte einen „Mentalitätswandel. Wir müssen die Leistung wieder mehr in den Vordergrund stellen und die Bereitschaft, mehr zu arbeiten.“ Dazu müsse das Arbeitsrecht deutlich entbürokratisiert und flexibilisiert werden. Er nehme wahr, dass „die Stimmung der Wirtschaft im Nordwesten nicht schlecht“ sei.
Referent Weber zeichnet ein eher düsteres Bild der europäischen und globalen Zukunft
Der AGV hatte sich Dr. Joachim Weber eingeladen. Steinbrecher führte den Referenten mit den Worten ein, dass Europa nun gezwungen sei, „ohne die USA zu einer unabhängigen Großmacht zu werden, die sich behaupten könne. „Es müssen neue Handelsräume und Handelspartner erschlossen werden. Freier Handel ist ein Vorteil für alle, er hat allen Wohlstandsgewinne gebracht. Daran muss Europa festhalten“, mahnte er.
Weber, Historiker, Politikwissenschaftler und Experte für Geopolitik im Strategiezentrum „Cassis“ an der Universität Bonn, zeichnete unter der Überschrift „Wirtschaft und Politik“ ein eher düsteres Bild der europäischen wie der globalen Zukunft. „Was wir gerade erleben, ist die Rückkehr der Macht als politische Größe und der Abschied von einer regelbasierten Weltordnung.“ Europa stehe am Scheideweg.
Weber beschrieb, dass es in Zukunft eine „Pentarchie der Mächte“ geben werde, bestehend aus den USA, China, Russland, Indien und Europa. Wobei Europa durchaus ein „Wackelkandidat“ sei. Der Kontinent könnte stark sein. Dafür müssten die Europäer sich einig sein. Das seien sie noch lange nicht.