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Mit Kabeln versorgt "BizLink" von Friesoythe aus die ganze Welt

Aus dem Leitungswerk Friesoythe entwickelte sich seit 1972 ein Industrieunternehmen, das heute zu den mit Abstand größten Arbeitgebern in der Stadt zählt. Bis 2022 gehörte das Werk zur Leoni AG.

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In federführender Funktion: Werksleiter Sascha Stratmann, Geschäftsführer Dr. Hendrik Coldenstrodt-Ronge und Personalchef Bernd Hartmann (von links). Foto: Wimberg

In federführender Funktion: Werksleiter Sascha Stratmann, Geschäftsführer Dr. Hendrik Coldenstrodt-Ronge und Personalchef Bernd Hartmann (von links). Foto: Wimberg

Friesoythe hat sie, salopp gesagt, seit 50 Jahren auf dem Kabel, mit ihren Kunden steht sie weltweit in Verbindung: Die Firma „BizLink“ möchte auf ihre Erfolgsgeschichte anstoßen und feiert mit ihren rund 600 Mitarbeitern und Familienangehörigen am 24. September (Samstag) ihren runden Geburtstag.

Was als Leitungswerk auf der grünen Wiese begann, etablierte sich über das Unternehmen „Leoni“ bis hin zum heutigen Eigentümer zu einem Entwicklungs-, Vertriebs- und Produktionsstandort, „und wir können sagen, dass unsere Stellung am Markt relativ einzigartig ist“, betonte Werksleiter Sascha Stratmann im Beisein von Geschäftsführer Dr. Hendrik Coldenstrodt-Ronge, Personalchef Bernd Hartmann und der Marketing-Beauftragten Birte Wendeln, die angesichts des Jubiläums ihren Blick auch auf die Geschichte richten.

Die Stewing-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Drosten plante 1972 zunächst ein eigenes Werk an der Eschstraße. Eine Idee, die auch der Siemens-Konzern aufgrund einer damals hohen Nachfrage an Kabeln verfolgte und sich mit der Stewing-Familie auf ein gemeinsames Unternehmen einigte. Als stiller Teilhaber und einem damit verbundenen Anteil von 30 Prozent verzichtete Stewing dabei allerdings auf eine geschäftliche Einflussnahme.

Entscheidung für Friesoythe fiel nicht schwer

Die Entscheidung für Friesoythe als anfangs reiner Fertigungsstandort fiel nicht schwer. Die Arbeitslosenquote war im Oldenburger Münsterland „als Armenhaus der Nation“ hoch, infrage kommende Arbeitskräfte gab es reichlich und mit ihrem Vorhaben, Menschen in Lohn und Brot zu bringen, lief das Unternehmen auch bei den städtischen Verantwortlichen offene Türen ein. Ein Gleisanschluss komplettierte die Schaffung der erforderlichen Infrastrukturen.

Bau auf der grünen Wiese: Auf einem Gelände an der Eschstraße wurde das Werk 1972 errichtet. Foto: Archiv BizLinkBau auf der grünen Wiese: Auf einem Gelände an der Eschstraße wurde das Werk 1972 errichtet. Foto: Archiv BizLink

200 Mitarbeiter wurden schon 1975 beschäftigt, Post und Telekom waren zunächst die wichtigsten Kunden, für die auch schon mal 25.000 Kilometer Kabel pro Jahr geliefert wurden. Später kam der komplexe Bereich der Medizintechnik mit der Fertigung von spezifisch zusammengestellten „Kabelbäumen“ dazu, bevor Siemens 1999 das Werk an die Leoni-AG verkaufte. Seitdem wurden am Produktions- und Vertriebsstandort mit rund 300 Mitarbeitern und einer Fläche von rund 34.000 Quadratmetern hochwertige Spezialkabel und Kabelsysteme in die ganze Welt geliefert. Die unterschiedlichsten Industriebereiche profitierten von den Verbindungslösungen aus Friesoythe, wo 2008 eine 2. Produktionshalle eingeweiht wurde.

Nach einem langen Verkaufsprozess liegt die Firma seit Januar 2022 in den Händen des 1996 in Sillicon Valley gegründeten amerikanisch-taiwanischen Investors „BizLink.“ Leoni will seine Position als Zulieferer der Automobilindustrie festigen. Friesoythe passte nicht mehr in diese strategische Ausrichtung. „Die Entscheidung für einen Verkauf war richtig“, zeigt sich Geschäftsführer Coldenstrodt-Ronge überzeugt.

Frühere Zeiten: Friesoythe galt zu Beginn als reiner Fertigungsstandort. Foto: Archiv BizLinkFrühere Zeiten: Friesoythe galt zu Beginn als reiner Fertigungsstandort. Foto: Archiv BizLink

Sich immer wieder „konstant neu zu erfinden“ und den Kunden wettbewerbsfähig durch maßgeschneiderte und einbaufertige Lösungen zu überzeugen, zähle zur Kernkompetenz. Der Fachkräftemangel gehe natürlich an ihnen nicht vorbei und „in die Ausbildung wird massiv investiert“, verwies Personalchef Hartmann auf sechs Ausbildungsberufe und zwei Duale Studiengänge.

Die Tele- und Datenkommunikation nimmt nach wie vor einen breiten Raum ein, hinzu kommen Automatisierung- und Antriebstechnik. Im Bereich der Medizintechnik werden Kabel für Geräte zur Patientenüberwachung, wie EKG, mit hautverträglicher Oberfläche hergestellt, die auf Wunsch eine keimtötende Wirkung hat. Auch mit der Marine verbindet „BizLink“ eine Geschäftsbeziehung und für den Schiffsbau gibt es eigene Kabeltypen mit speziellen Zulassungen. Systeme aus Friesoythe kommen darüber hinaus in Rechenzentren rund um die Welt zum Einsatz und ermöglichten eine immer schnellere Breitband-Datenkommunikation in digitalen Netzwerken.

Noch ungewohnt: Nach 23 Jahren Leoni präsentiert sich der Standort nun auch namentlich unter neuer Regie. Foto: WimbergNoch ungewohnt: Nach 23 Jahren "Leoni" präsentiert sich der Standort nun auch namentlich unter neuer Regie. Foto: Wimberg

Neben dem Krankenhaus gehört das Werk zu den mit Abstand größten Arbeitgebern der Stadt. Manche Mitarbeiter sind bereits seit 40 Jahren am Standort beschäftigt und konnten auch ihre Kinder für eine Tätigkeit begeistern. „Diese Treue freut uns natürlich besonders“, betont die Führungsetage und zeigt sich zuversichtlich, dass der 100. Geburtstag von ihren Nachfolgern ebenfalls gefeiert werden kann.

Herausforderungen habe das Unternehmen in der Vergangenheit gemeistert und sei in der Gegenwart durch die Coronapandemie „gut durchgekommen“. Wie einschneidend die Energiekrise ihre Zukunft gestaltet, bleibe abzuwarten, "aber durch unser eigenes Energiemanagement können wir schon einiges auffangen."

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