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Medi-Spezial stellt strategische Weichen

Der Handel mit medizinischen Produkten floriert. Der Clou des Geschäftes ist der günstige Einkauf im Ausland.

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Die Lagerhallen sind bis unters Dach gefüllt: Robert Christiansen (links) und sein Bruder Rainer planen den Bau eines weiteren Gebäudes auf dem Firmengelände am Balzweg. Fotos: Speckmann

Die Lagerhallen sind bis unters Dach gefüllt: Robert Christiansen (links) und sein Bruder Rainer planen den Bau eines weiteren Gebäudes auf dem Firmengelände am Balzweg. Fotos: Speckmann

Dass private Investoren die Vermarktung von neuen Baugebieten übernehmen, ist in vielen Kommunen längst gängige Praxis. Bei Gewerbegebieten sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier sind die Städte und Gemeinden in der Regel selbst gefordert. In Vechta marschiert nun ein ortsansässiges Unternehmen voran. Die Firma Medi-Spezial will eine Fläche neben ihrem Sitz am Balzweg erschließen und dafür tief in die eigene Tasche greifen.

Der steigende Bedarf an Gewerbeflächen spielt dem Handelsunternehmen für medizinische Produkte in die Karten. Es bekommt die Rückdeckung der Stadt Vechta. Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Bauen hat sich jetzt für eine Änderung der Flächennutzungs- und Bebauungspläne ausgesprochen, damit die landwirtschaftliche Fläche für gewerbliche Zwecke genutzt werden kann. Sie befindet sich bereits im Eigentum einer eigens gegründeten Tochtergesellschaft.

Noch keine konkreten Pläne für Gewerbegebiet

Was die spätere Nutzung des rund fünf Hektar großen Gebietes südlich des Balzweges betrifft, sind Robert Christiansen und sein Bruder Rainer offenbar noch in der Findungsphase. „Wir haben noch kein Vermarktungskonzept“, berichten die beiden Geschäftsführer im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie könnten sich aber vorstellen, einen Teilbereich für eigene Zwecke zu nutzen und die restliche Fläche anderen Gewerbetreibenden anzubieten.

Doch bis die planungsrechtlichen Weichen gestellt sind, haben die Unternehmer ein ganz anderes Projekt vor Augen. Auf dem Tisch liegt die Zeichnung für ein neues Verwaltungs- und Lagergebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 1000 Quadratmetern. Es soll auf einer Freifläche auf dem aktuellen Firmengelände entstehen. Der Bauantrag für den eineinhalb bis zwei Millionen teuren Neubau ist bereits gestellt, die Fertigstellung für das Jahr 2021 vorgesehen.

Damit treibt Medi-Spezial seine rasante Entwicklung weiter voran. Im Jahr 2007 haben die Söhne des Firmengründers Jürgen Christiansen das Geschäft aus der Innenstadt an den Balzweg verlagert und den Betrieb stetig vergrößert. Im Februar 2019 ist eine neue Lagerhalle mit auffälliger Glasfassade in Richtung Bundesstraße entstanden. Ein halbes Jahr später mussten die Geschäftsführer mit Blick auf die prall gefüllten Hochregale feststellen: „Das wird schon wieder eng.“

Zum Kundenkreis gehören hauptsächlich Apotheken

Der Import von medizinischen Produkten floriert. Wobei der Begriff Import nicht ganz zutreffend ist, wie die Geschäftsführer erläutern. Sie sprechen lieber von Parallelvertrieb, denn die Ware werde ausschließlich aus dem europäischen Wirtschaftsraum bezogen und dann an Abnehmer im gesamten Bundesgebiet verkauft. Zum Kundenkreis gehören hauptsächlich Apotheken, aber auch einige Arztpraxen und Großhändler stehen in der Kartei.

Das Unternehmen macht eigenen Angaben zufolge einen Jahresumsatz in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Der Clou des Geschäftes ist der günstige Einkauf im Ausland. Dort seien die Preise meist weitaus niedriger als in Deutschland, obwohl es sich um identische Produkte der gleichen, namhaften Hersteller handelt.

Das neu etikettierte Produkt ist vom Original kaum zu unterscheiden. Foto: SpeckmannDas neu etikettierte Produkt ist vom Original kaum zu unterscheiden. Foto: Speckmann

Um den Vorschriften gerecht zu werden, stimmt die Firma alle Verpackungen, Etiketten und Beipackzettel auf den heimischen Markt ab. Etwa 1,2 Millionen Einzelpackungen pro Jahr werden in dem Betrieb „relabelt“, wie es in Fachkreisen heißt. Nach der aufwendigen Handarbeit sind die Produkte kaum zu unterscheiden von den Originalen, die ebenfalls zum Verkauf angeboten werden.

„Wir müssen unser Portfolio breiter aufstellen.“Geschäftsführer Robert Christiansen

Ein Kerngeschäft war früher der Handel mit Diabetes-Produkten. Doch die klassischen Teststreifen werden zunehmend durch sogenannte CGM-Blutzuckermesssysteme abgelöst, die von den Herstellern direkt an den Verbraucher geliefert werden. Um diese Umsatzverluste zu kompensieren, setzt Medi-Spezial inzwischen verstärkt auf Verbandsstoffe, Inkontinenzprodukte und Desinfektionsmittel. „Wir müssen unser Portfolio breiter aufstellen“, erklärt Robert Christiansen.

Als einer der größten Importeure von Medizinprodukten in Deutschland profitiert Medi-Spezial von der Corona-Pandemie. Zuerst hat die riesige Nachfrage nach Desinfektionsmitteln das Geschäft angekurbelt. „Wir wurden überrollt und hätten das 50-fache verkaufen können“, berichtet Rainer Christiansen. Ähnlich groß sei der Bedarf an Handschuhen und Atemschutzmasken, die schon in kleinen Kontingenten abgegeben worden seien, um möglichst viele Kunden zu bedienen.

Um der positiven Entwicklung gerecht zu werden, hat die Firma ihre Belegschaft inzwischen auf 50 Kräfte aufgestockt. Neu im Team sind fünf Mitarbeiter für den Außen- und Innendienst. Früher hätten Kontakte durch Telefon, Fax oder Mail gereicht, doch inzwischen zeige sich, dass die persönliche Begegnung mit den Kunden auch in dieser Branche sehr wichtig sei, berichten die Geschäftsführer. Ihr Ziel ist es, mit dem Markt weiter zu wachsen. Die strategischen Weichen sind mit Blick auf das Gewerbegebiet gestellt.

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