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Ludger Freese veröffentlicht Autobiografie

Unter dem Titel "Mensch Ludger" gewährt der Visbeker Fleischermeister einen Einblick in seinen Werdegang. Für den Autor hat das etwas Befreiendes.

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Schreiben als Selbsttherapie: Ludger Freese hat eine Autobiografie geschrieben. Das hat ihm geholfen, mit den Tiefschlägen in seinem Leben klarzukommen. Foto: C. Meyer

Schreiben als Selbsttherapie: Ludger Freese hat eine Autobiografie geschrieben. Das hat ihm geholfen, mit den Tiefschlägen in seinem Leben klarzukommen. Foto: C. Meyer

Im Grunde war es eine Art Selbsttherapie, gibt Ludger Freese zu. Das Schreiben half ihm, seine Gedanken zu ordnen, die Dämonen der Vergangenheit abzulegen. Der Prozess habe eine „reinigende Wirkung“ gehabt, sagt er. „Als wenn man unter der Dusche steht“, beschreibt er das Gefühl. Der über Visbeks Gemeindegrenzen hinaus bekannte Fleischermeister hat eine Autobiografie unter dem Titel „Mensch Ludger“ geschrieben, die am Mittwoch (26. Januar) offiziell veröffentlicht wird.

Die drängendste Frage ist wohl, wieso er das Buch geschrieben hat, weiß auch Ludger Freese selbst und lacht. Den Stein ins Rollen gebracht habe aber eine sehr ernste Angelegenheit. 2013 musste der Visbeker seine Fleischerei, ein Jahrzehnte überdauernder Familienbetrieb, schließen und Insolvenz anmelden. „Das war nicht gerade angenehm“, schildert Freese die Zeit mit noch ziemlich wohlwollenden Worten. Schließlich habe er eine große Verantwortung gegenüber vielen Menschen gehabt. „Ich habe lange dafür gebraucht, damit fertig zu werden“, verrät Freese.


Zur Person:

  • Ludger Freese ist 63 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern.
  • Der Fleischermeister machte ab 2007 als einer der ersten Handwerksblogger bundesweit auf sich aufmerksam.
  • Heute betreibt er in Visbek ein Restaurant mit Catering-Service.

Um sich nicht völlig in die negativen Aspekte des Lebens zu verlieren, habe er irgendwann angefangen, stichpunktartig zu notieren, was in den vergangenen Jahren auch gut gelaufen war. Mit seiner Frau Carola und engen Freunden hat er sich über diese Notizen ausgetauscht. Da sei schon manchmal „Darüber könntest du ein Buch schreiben“ gefallen, lässt Ludger Freese wissen. Mit einer Bekannten aus Baden-Baden, Heike Schauz, habe er über diese Idee dann gesprochen. Sie habe Ähnliches wie er erlebt und schließlich ein Buch über ihre Erfahrungen als Malermeisterin veröffentlicht. Schauz habe ihn ermuntert, ein Buch zu schreiben. „Das tut dir gut“, habe sie gesagt. Im Nachhinein kann er das bestätigen.

Dennoch habe es danach ein paar Jahre, bis 2018, gebraucht, bis er die Idee in die Tat umsetzte. 5 Jahre habe das Ganze sozusagen „gegoren“, sagt Ludger Freese. Dafür habe er die alten Notizen zu Hilfe genommen und zunächst ein Inhaltsverzeichnis angelegt. Dabei sei er ganz chronologisch vorgegangen: der Werdegang von der Kindheit bis heute. Daran habe er sich beim Schreiben entlanggehangelt. In jedem Kapitel gibt er persönliche Einblicke in sein Leben. Er wolle „Transparenz“ schaffen, sagt Freese. Dabei sei er zum Teil auch schonungslos mit sich selbst umgegangen. Gerade die Zeit rund um die Insolvenz habe ihn beim Schreiben sehr aufgewühlt. „Bei manchen Passagen war ich in Tränen aufgelöst“, gibt der Visbeker zu.

Neben Einblicken in sein Leben gibt es in „Mensch Ludger“ auch sogenannte „Lebensrezepte“ für jedes Jahrzehnt, in dem Freese lebte: Von den 1960ern bis 2020. Die sechs Rezepte greifen für das Jahrzehnt typische Speisen auf, erklärt der Visbeker. So stellt er für die 60er Jahre folgendes Menü zusammen: Toast Hawaii und Waldorfsalat als Vorspeise, als Zwischengang Königinpastete, als Hauptgang serviert er Schaschlik, Sülzkotelett, gefüllte Eier und Heringssalat, und als Dessert gibt es Wackelpudding sowie einen hochprozentigen Magenbitter. 2020 stehen dann eher vegetarische Suppen, Dry-aged-Burger oder auch Fenchel und Rotkohl vom Grill im Menü. Damit möchte der Autor verdeutlichen, dass Leben auch Veränderung bedeutet. Wie sich Geschmack und Ansichten mit den Jahren wandeln.

Optik des Buches war Freese wichtig

Gemeinsam mit einer Lektorin hat er die fertigen Kapitel schließlich überarbeitet, bevor sie schließlich in den Druck gingen. „Ich glaube, ich habe das Buch fünfmal geschrieben“, sagt Freese über diesen aufwendigen Prozess und lacht. Gedruckt wird das Werk über Books on Demand. Heißt, es gibt keine feste Auflage und kann auf Nachfrage gedruckt werden. Die Optik des Buches war Freese sehr wichtig. „Ich wollte ein wertiges Buch“, sagt er. Dafür engagierte er unter anderem einen Fotografen und eine Designerin. Das Ergebnis wurde auf Fotopapier gedruckt, das Werk erscheint mit Hardcover. Das hat  Auswirkungen auf den Preis, der bei 27,50 Euro liegt. Das ist Freese aber egal. Ihm gehe es nicht darum, dass das Buch möglichst häufig verkauft wird. Ihm sei mit der Veröffentlichung wichtig, einen Einblick in seine Arbeit zu vermitteln, zu zeigen, dass im Leben auch nicht alles gut laufe.

Der langjährige Blogger präsentiert am Mittwoch seine Autobiografie online über Social Media. Etwa eine Stunde lang werden dort Menschen zu Wort kommen, die an dem Projekt beteiligt waren, sagt Ludger Freese. Und danach bleibt abzuwarten, wie die potenzielle Leserschaft reagiert. Freese ist da gelassen und holt zum Vergleich aus: „Schreiben ist wie Kochen. Manchen schmeckt‘s, anderen nicht.“

  • Info: Ludger Freeses Autobiografie „Mensch Ludger“ umfasst 188 Seiten und kostet 27,50 Euro. Das Buch kann mit der ISBN 9783755733195 in jeder Buchhandlung bestellt werden. Die Buchhandlung Konerding in Vechta hält überdies einige Exemplare vorrätig.

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