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Kunststofffirmen fordern Strompreisdeckel

Die hohen Energiekosten belasten die Branche im Oldenburger Münsterland. Unternehmer sehen ihre Betriebe und Arbeitsplätze in Gefahr.

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Strompreise schießen in die Höhe: Bereits jetzt sind Kosten von 70 Cent/kWh für die Kunststofffirmen im Oldenburger Land keine Seltenheit. Symbolfoto: Pixabay

Strompreise schießen in die Höhe: Bereits jetzt sind Kosten von 70 Cent/kWh für die Kunststofffirmen im Oldenburger Land keine Seltenheit. Symbolfoto: Pixabay

Die Energiekosten kennen derzeit nur einen Weg; nach oben. Nicht nur Privathaushalte, sondern auch die heimische Wirtschaft treibt die enorm steigenden Energiekosten – vor allem die explodierenden Stromkosten - um. So auch die im Oldenburger Münsterland ansässigen Kunststofffirmen. „Es muss schnell etwas passieren“, sagt Martin Burwinkel, Vorsitzender des an die Private Fachhochschule Vechta/Diepholz angesiedelten Vereins „Forschungsverbund ZWT“. „Wir müssen etwas für unsere Betriebe und unsere Mitarbeiter unternehmen“, sind sich die über 30 der Kunststoffbranche zugehörigen Unternehmensvertreter des ZWT einig. Sie sehen nicht nur ihre Betriebe, sondern auch die vielen Arbeitsplätze in Gefahr. Die Branche beschäftige nach Angaben des ZWT-Vorsitzenden in unserer Region rund 8000 Mitarbeitende.

Damit einhergehend blickt Martin Burwinkel mit Sorge auf die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Kunststofffirmen auf dem Weltmarkt. Er befürchtet einen großen Verlust gegenüber global agierenden Unternehmen. Die hohen Energiepreise treiben die Produktionskosten in die Höhe und auf den Versuch, diese Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben, wird nicht selten mit einer Auftragsstornierung reagiert. Daher fordern die hiesigen Betriebe von der Politik ein schnelles Handeln. „Wir brauchen zeitnah eine Planungssicherheit bei den Stromkosten und fordern von der Politik alles zu tun, um dem Strompreisanstieg zu begrenzen“, so Martin Burwinkel weiter. Die Unternehmen müssten bei den Energiekosten entlastet werden. In diesem Zusammenhang richtet er seinen Blick auch in Richtung Frankreich, das seine Strompreise deckelt, und stellt sich die Frage, warum das in Deutschland nicht möglich sei.

Regionalen Politikern wurde die prekäre Situation kürzlich dargestellt und erläutert. Das Problem sei bekannt, so deren Reaktion, doch sei man überrascht über das Ausmaß. Denn die energieintensiven Unternehmen der Kunststoffbranche müssen derzeit mehr als doppelt so viel für Strom zahlen wie der Privatnutzer in der Grundversorgung!

Firmen würden gerne Windenergie für den Eigenverbrauch nutzen

Die Branche sei insgesamt zwar sehr energieintensiv, jedoch habe sich gerade in dieser Region eine große Expertise im Bereich der CO2-armen Herstellung der Kunststoffprodukte entwickelt. „Unsere Unternehmen haben ihre Hausaufgaben in der Vergangenheit gemacht: Der Stromverbrauch wurde erheblich gesenkt und es gibt nahezu kein Unternehmen mehr, welches nicht auf regenerative Energien setzt“, so Martin Burwinkel. Ganz im Gegenteil, in den letzten Jahren seien große Solaranlagen aufgesetzt worden, so dass einige Unternehmen im Sommer tagsüber schon klimapositiv seien. Gerne würde man noch weitere Optionen der regenerativen Energieerzeugung nutzen. Insbesondere die Windenergie für den Eigenverbrauch stecke im Oldenburger Münsterland noch in den Kinderschuhen. „Die Anfragen unserer Mitglieder dazu häufen sich, doch oft stehen die regionalen Verantwortlichen in der Politik dem Ganzen skeptisch gegenüber“, bedauern die Unternehmensvertreter des ZWT.

Die Kunststoffbranche im Oldenburger Münsterland sowie der angrenzenden Landkreise verbrauche rund 300 Millionen Kilowattstunden (kWh). Aktuell zahlen die Unternehmen laut Martin Burwinkel bereits 70 Cent je kWh. „Das ist schon jetzt nicht tragbar und es stehen Kosten von bis zu einem Euro je kWh im Raum, mehr als eine Verfünffachung der Stromkosten innerhalb eines Jahres.“ Das sei für viele Firmen nicht mehr zu leisten. „Wie sollen wir das stemmen? Einige stehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Wir brauchen schnelle Hilfe seitens der Politik“, fordert Martin Burwinkel. Der „Forschungsverbund ZWT“ will nicht tatenlos zusehen und kämpft für seine Branche. Mit verschiedenen Aktionen macht sich der ZWT für die Kunststofffirmen aus der Region stark.

So nehmen die Unternehmen ihre Mitarbeiter mit auf den Weg und informieren sie gezielt. Darüber hinaus wird im Hinblick auf die Niedersachsenwahl im Oktober versucht, mit Vertretern der Politik auf Bundesebene Gespräche zu führen, um eine Sensibilisierung für die Problematik zu erreichen. „Die Resonanz auf unseren Aufruf ist schon jetzt riesig, was zeigt, dass die Region über Kreisgrenzen hinweg zusammenhält, gerade in diesen schwierigen Zeiten“, hofft Martin Burwinkel, dass dem auch schnell Taten folgen werden.

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