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Kreishandwerkerschaft Vechta spricht 143 Gesellen frei

Kreishandwerksmeister Andreas Theilen lobte die geringe Durchfallquote. In seiner Ansprache übte er Systemkritik.

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Freigesprochene Fachkräfte präsentieren stolz ihren Gesellenbrief. Foto: Röttgers

Freigesprochene Fachkräfte präsentieren stolz ihren Gesellenbrief. Foto: Röttgers

Insgesamt 143 neue Fachkräfte für das Handwerk im Kreis Vechta sind auf der diesjährigen Winter-Freisprechung am Samstagabend in den VEC-Hallen in Vechta durch den Kreishandwerksmeister Andreas Theilen förmlich freigesprochen worden. Unter ihnen konnten insgesamt acht Diplomträger, zwei Kammersieger und drei Landesssieger geehrt werden.

Die Innung der Elektrotechnik in ihren verschiedenen Fachrichtungen stellte 37 junge Gesellen, es folgten mit Land- und Baumaschinenmechatronikern (19), Feinwerkmechanikern (18) und Kraftfahrzeugmechatronikern (18) drei nahezu gleich große Innungen. „Einzelkämpfer“ seiner Zunft war Erik Neumann als einziger Dachdecker, sowie Naoal Kasim Ayoub und Schahnas Schecho als zwei angehende Friseurinnen.

Ausgezeichnet wurde der Landessieger Murat Kudaibergen uulu als Elektroniker der Fachrichtung Automatisierungstechnik, der bei Bramlage Elektrotechnik in Visbek gelernt hat. Kamil Kozirod und Jannis Temming sind in Abwesenheit geehrt worden. Paul Wehming und Jonas Westendorf sind in Abwesenheit als Kammersieger ausgezeichnet worden. Als Diplomträger sind Fabian Borchardt, Matthias Braje, Titus Bräsen, Simon Karsten Dietrich, Eric Freese, Emma Lüers, Moritz Ostermann und Dalin Wollering geehrt worden.

Geringe Durchfallquote

„Mit rund 14 Prozent ist die Durchfallquote sehr gering“, lobte Theilen den Jahrgang. Er schlug nach einem alten Ritus symbolisch mit drei kräftigen Hämmerschlägen auf einen Amboss, was an die drei Tugenden eines Handwerkes erinnern soll: Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. 

„Ihre handwerkliche Ausbildung ist weltweit und besonders in Europa ein Erfolgsmodell. Selbst in China ist man auf das deutsche, duale Ausbildungssystem aufmerksam geworden“, gratulierte der Kreishandwerksmeister den „begehrten Facharbeiterinnen und Facharbeitern“ zu ihrer bestandenen Gesellenprüfung.

Eckhard Stein (von links) mit Landesssieger Murat Kaidabergen uulu, dem Alexander Bartz und Kreishandwerksmeister Andreas Theilen gratulieren. Foto: RöttgersEckhard Stein (von links) mit Landesssieger Murat Kaidabergen uulu, dem Alexander Bartz und Kreishandwerksmeister Andreas Theilen gratulieren. Foto: Röttgers

Das in Deutschland praktizierte, duale Ausbildungssystem im Handwerk sei so ausgerichtet, dass der Lehrling eine Berufsausbildung mache, in der „möglichst alle Facetten des Berufslebens gelehrt werden sollen“, so Theilen. Was der Betrieb nicht leisten könne, werde durch überbetriebliche Unterweisungen in den Berufsbildungszentren der Kreishandwerkerschaft gelehrt. Für die theoretische Ausbildung seien die Berufsschulen zuständig.

"Wenn die Arbeitszeiten in Deutschland immer weiter reduziert werden und die Löhne und Gehälter immer weiter steigen, wer kann das am Ende noch bezahlen?"

Andreas Theilen

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Gesellenprüfung warte nun ein neuer Lebensabschnitt. Theilen warf die Frage auf, was wir uns in Deutschland noch leisten könnten: „Wenn die Arbeitszeiten in Deutschland immer weiter reduziert werden und die Löhne und Gehälter immer weiter steigen, wer kann das am Ende noch bezahlen? Wo bleibt die ausgewogene Wirtschafts-Balance in diesem System?“, kritisierte Theilen.

Wenn wir in Deutschland weiterhin in Wohlstand leben möchten, gehe das nicht ohne eine gewisse Arbeits- und Lebensleistung. „Erfolg und Wohlstand müssen erarbeitet werden“, appellierte der Kreishandwerksmeister an die junge Generation. „32 Wochen-Arbeitsstunden für die 30- bis 40-jährigen Leistungsträger, damit unsere Rentnerinnen und Rentner dann möglichst bis 75 Jahre arbeiten müssen: Ich glaube, da stimmt etwas nicht!“, übte Theilen Systemkritik.

Jung-Geselle Julian Wegert sprach für die Lehrlinge

Für die Lehrlinge sprach Jung-Geselle Julian Wegert als Land- und Baumaschinenmechatroniker, der sich für die Unterstützung bedankte. Unter der Moderation des Obermeisters der KFZ-Innung Andreas Meyer erhielten die jungen Handwerkerinnen und Handwerker ihre Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse.

Als Ehrengäste wohnten der Bundestagsabgeordnete Alexander Bartz, der stellvertretende Landrat Josef Kläne, Vechtas Bürgermeister Kristian Kater, der Präsident der Oldenburger Handwerkskammer Eckhard Stein, seine Vizepräsidentin Irene Lammers, Markus Nacke als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Tina Heliosch, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit, und die Schulleiter Rainer Engelmann und Martin kleine Bornhorst der Freisprechung bei.

Die Diplomträger mit Kreishandwerksmeister Andreas Theilen (von links), Fabian Borchardt, Matthias Braje, Titus Bräsen, Simon Karsten Dietrich, Eric Freese, Emma Lüers, Moritz Ostermann und Dalin Wollering sowie Handwerkspräsident Eckhard Stein und Bundestagsabgeordneter Alexander Bartz. Foto: RöttgersDie Diplomträger mit Kreishandwerksmeister Andreas Theilen (von links), Fabian Borchardt, Matthias Braje, Titus Bräsen, Simon Karsten Dietrich, Eric Freese, Emma Lüers, Moritz Ostermann und Dalin Wollering sowie Handwerkspräsident Eckhard Stein und Bundestagsabgeordneter Alexander Bartz. Foto: Röttgers

„Die Gesellschaft braucht Fachleute wie Sie!“, würdigte der SPD-Bundestagsabgeordnete Bartz in seinem Grußwort. Das Handwerk sei „das Rückgrat des Mittelstandes, eine wichtige Säule unserer Wirtschaft“, was unter anderem im Wohnungsbau für Familien, Seniorinnen und Senioren, Alleinstehende, Auszubildende, Studierende und viele mehr sichtbar werde. Entgegen anders lautender Meinungen sei sich die Bundesregierung „der aktuellen Situation sehr bewusst“ und wisse auch, wie schwer es einige Branchen aktuell haben. „Es gibt jedoch nicht die einfache und die eine schnelle Lösung, mit der wir sofort wieder alles auf Wachstum stellen können!“, zeigte sich Bartz überzeugt, „schon bald wieder in ruhigeren Fahrwassern“ zu sein.

„Um unseren hohen Ausbildungsstand werden wir im Ausland beneidet“, betonte Bürgermeister Kater. „Er war es auch, der den guten Ruf des deutschen Handwerks in aller Welt begründet hat“, würdigte der Sozialdemokrat. „Ohne Initiative, Ideenreichtum und den unternehmerischen Mut der Inhaber von Handwerksbetrieben einerseits und ohne den Fleiß und das Engagement der dort Beschäftigten andererseits wären der rasche Aufbau nach dem Krieg, der Aufschwung der Wirtschaft und der allgemeine Wohlstand nicht möglich gewesen“, blickte der Bürgermeister zurück. Diesen Wohlstand gelte es zu wahren und dafür, „dass Ihnen dies gelingen kann, haben Sie nun einen guten Grundstein gelegt!“, lobte Kater.


Diese Gesellen wurden freigesprochen

  • Landessieger: Murat Kudaibergen uulu, Kamil Kozirod, Jannis Temming
  • Kammersieger: Paul Wehming, Jonas Westendorf
  • Diplomträger: Fabian Borchardt, Matthias Braje, Titus Bräsen, Simon Karsten Dietrich, Eric Freese, Emma Lüers, Moritz Ostermann, Dalin Wollering
  • Anlagenmechaniker – Heizungstechnik: Arjanit Aruci, Ioan-Alexandru Dragosin, Eric Frank, Dominik König, Nils Lenz, Moritz Ostermann, Theodor Louis, Jan Zurweilen
  • Anlagenmechaniker – Lüftungs- und Klimatechnik: Hannes Rohe
  • Anlagenmechaniker – Sanitärtechnik: Timothy-Paul Arlt
    Elias-Paul Rönnau, Serhat Emre Sari
  • Dachdecker – Dachdeckungstechnik: Erik Neumann
  • Elektroniker – Automatisierungstechnik: Simon Karsten Dietrich, Felix Kohorst, Giulian Langletz, Timon Menkhaus, Hendrik Möller, Felix Niemöller, Alexander OjighoDedjo, Nico Schmik, Lukas Schrandt, Marcel Tönjes
  • Elektroniker – Automatisierungs- und Systemtechnik: Oliver Felix, Tim Ortmann, Lara Scheele
  • Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik: Marvin-Jose Berelsmann, Jens Blömer, Mirco Brzozowski, Joshua Deters
    Khamal Gharibmal, Gero Pascal Gittschau, Moritz Heinen, Maximilian Hermesch, Jona Tristan Jäger, Ömer Faruk Keskin, Mikka Kleinelanghorst, Andre Kühling, Eike Lübben, Matthias Macke, Kevin Meermann, Noorullah Mirzai, Joshua Müller, Hoang-Kevin Nguyen, Tobias Schroeter, Tim Sieveke, Simon Tegeler, Eric Trumme, Fabian Witte, Pascal Wunsch
  • Feinwerkmechaniker – Maschinenbau: Mathis Abeln, Leon Bärens, Pascal Beuse, Marvin Bokern, Tom Brockhage, Nick Dechandt, Marvin Gruner, Pascal Darius Grutza, Niko Hartmann, Kevin Klobetanz, Christoph Reinken, Edwin Scheper, Daniel Schmidt, Laurenz Trumme, Lukas Wienhold, Agit Yeyrek
  • Feinwerkmechaniker – Werkzeugbau: Maximilian Lubowski
    Maximilian Siemer
  • Friseurinnen: Naoal Kasim, Schahnas Schecho
  • Kraftfahrzeugmechatroniker – Nutzfahrzeugtechnik: Lukas Scheele, Abdullah Wardiani
  • Kraftfahrzeugmechatroniker – Personenkraftwagentechnik: Shahad Al Ismail, Mohammad Nour Almaaloul, Matthis Braje, Kevin Butschinski, Roman Cherkassov, Tim Dietrich, Tarek Durmush, Lukas Endler, Leon Kiehne, Franz Landwehr, Fred Alexander Milz, Cuan Oso, Florian Stolle, Joshua Törker, Cao Vu, Gerrit Wöbcke
  • Land- und Baumaschinenmechatroniker: Anton Albacht, Felix Brand, Marius Brüning, Jonas Fehner, Eric Freese, Tobias Gellhaus,
    Jannes Hammoor, Hendrik Hermes, Vincent Hörnschemeyer, Thorben Hörstmann, Sören Kolhosser, Felix Marischen, Tim Meyerrose, Tom Ruiter, Fabian Steger, Ruben Sternberg, Jonas Stuckenberg, Dominik Tabke-Jost, Julian Wegert
  • Maler und Lackierer – Gestaltung und Instandhaltung: Sylvester Andrzejewski, Deniz Kiling, Ferid Kizilhan, Finn Krimpenfort, Emma Lüers, Jördes Schlömer, Adel Selo
  • Maurer: Niclas Niehaus, David Schäfer, Dalin Wollering
  • Metallbauer – Konstruktionstechnik: Lena Dasenbrock, Joshua Fuhrt, Robert Gatsovski, Mohamad Harb, Arunas Purvineckas, Lucas Rademann, Niklas Renschen, Maro Schaller
  • Tischler: Yannik Büssing, Marek Goicke, Christopher Frederic Ostermann, Damian Rustemeyer, Leonard Tiemann
  • Zimmerer: Justin Backhaus, Fabian Borchardt, Titus Bräsen, Eik Buschau, Patrick Büssing, Johannes Dyjach, Dieter Josef Feldhaus, Julian Frilling, Philipp Macke, Maximilian Meyer, Josef Schlarmann, Jakub Waldyra, Luca Wempe

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