Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Heiner Schepers über den Buchhandel im Wandel

Nach der Digitalisierung des Handels, Corona und einem veränderten Kaufverhalten kommen nun noch die Rohstoffknappheit und die Energiepreise auf die Liste der Dauerprobleme. Was nun?

Artikel teilen:
Kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen sind wichtig zur Kundengewinnung, weiß Heiner Schepers. Foto: Heinzel

Kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen sind wichtig zur Kundengewinnung, weiß Heiner Schepers. Foto: Heinzel

Null Prozent Mehrwertsteuer auf Bücher: Ob diese aktuelle Forderung der Verlags- und Buchhandelsbranche genau diese retten kann? Heiner Schepers hat Zweifel. Der 66-Jährige ist Inhaber der Buchhandlung H.B. Schepers in Friesoythe. Auf Bücher gelte bereits ein reduzierter Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 Prozent, sagt er. Bei einem Taschenbuch würde der Wegfall der Mehrwertsteuer eine Preisreduktion von 50 bis 80 Cent bedeuten, rechnet Schepers vor. Das sei als Kaufanreiz nicht relevant und „die übrigen Kosten bleiben ja gleich“. Anders sehe es aus, wenn er die Differenz behalten dürfe. 

Steigende Rohstoff- und Energiepreise, gepaart mit sinkender Kauflaune, plagen die Branche. Noch sei nichts beschlossen, so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der zu den Befürwortern gehört, auf Nachfrage. Der erste Schritt sei die Abschaffung der Mehrwertsteuer, der zweite die Preisgestaltung durch die Verlage. Und: Um die Branche zu retten, seien weitere Entlastungen und Förderungen nötig.

„Viele Menschen haben die Grenzen des Onlinehandels erkannt. Sie kommen wegen der Beratung zu uns.“Heiner Schepers, Inhaber der Buchhandlung H.B. Schepers

Vielen Herausforderungen hat sich die Buchhandlung H.B. Schepers bereits stellen müssen. Es gibt sie seit 1979 in der Eisenstadt. Sie gehört dabei zu einem seit 1879 existierenden Familienunternehmen, welches derzeit auf drei Standbeinen ruht: der Buchhandlung, dem Papier- und Schreibwarenhandel sowie der Druckerei.

Heiner Schepers ist seit 1983 im Familienunternehmen. Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Mit der Digitalisierung, die in den 2000er Jahren eingesetzt hätte, habe sich der Markt radikal geändert. Immer mehr werde online bestellt; immer mehr greifen zum eBook. Durch die Pandemie habe sich der starke Trend weiter verschärft. Allerdings: Bislang habe man stets eine Lösung gefunden. H.B. Schepers installierte einen eBook-Shop und verkaufte eBook-Reader. „Viele Menschen haben die Grenzen des Onlinehandels erkannt. Sie kommen wegen der Beratung zu uns“, weiß Heiner Schepers.

Durch die Pandemie halfen der Türverkauf und die telefonischen Bestellungen. „Das hat ganz gut funktioniert“, berichtet Heiner Schepers. Die Laufkundschaft aber, die habe gefehlt. Und mit ihr ein Teil des Umsatzes. Eine große Stütze seien die Corona-Hilfen gewesen, etwas Ähnliches könne er sich in der jetzigen Situation wieder vorstellen, sagt der 66-Jährige.

Heiner Schepers führt nicht nur Bücher. Eine reine Buchhandlung habe noch stärker zu kämpfen. Foto: HeinzelHeiner Schepers führt nicht nur Bücher. Eine "reine" Buchhandlung habe noch stärker zu kämpfen. Foto: Heinzel

Die Knappheit an Papier und anderen Rohstoffen, die treffe ihn derzeit noch nicht. Er habe noch jede Bestellung geliefert bekommen, berichtet der gebürtige Friesoyther. Die steigenden Energiekosten hoffe er weitgehend in den Griff kriegen zu können. Er sitze in seinem eigenen Gebäude. Als Mieter sehe dies wahrscheinlich ganz anders aus. Aber: Die Warenpreise werden sich zwangsläufig erhöhen, da die Hersteller die gestiegenen Kosten durch ihn an die Kundinnen und Kunden weiterreichen würden, prognostiziert der Friesoyther. Die Folge: eine durchschnittliche Preissteigerung von 5 bis 10 Prozent - zumindest bei ihm im Geschäft.

Die Menschen würden zuerst an der Kultur sparen, weiß Schepers. Er bemerke bereits eine gewisse Kaufzurückhaltung. Ein wichtiger Aspekt für die Gewinnung neuer Kundinnen und Kunden sei daher mehr denn je, sich als Buchhandlung im kulturellen Umfeld des eigenen Ortes zu engagieren. „Das ist wichtig“, sagt Heiner Schepers. Er sei sehr dankbar für die Arbeit des Kulturkreises in Friesoythe, der immer wieder Lesungen organisiere. Gemeinsam gehe mehr.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Heiner Schepers über den Buchhandel im Wandel - OM online