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Geflüchteter wird zur Fachkraft

Der 23-jährige Pakistaner hat seine dreijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Viel Unterstützung hat er in seinem Ausbildungsbetrieb von seinen Chefs Norbert und Jan Osterhues erfahren.

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Fast schon ein Meisterstück: Jan Osterhues (links) freut sich mit seinem ehemaligen Auszubildenden Hasnat Ali über die bestandene Prüfung und den Schreibtisch, der er gebaut hat.  Foto: Lammert

Fast schon ein Meisterstück: Jan Osterhues (links) freut sich mit seinem ehemaligen Auszubildenden Hasnat Ali über die bestandene Prüfung und den Schreibtisch, der er gebaut hat.  Foto: Lammert

Eigentlich hatte Hasnat Ali Kraftfahrzeug-Mechatroniker werden wollen. Doch dann kam er – auch über die Jugendwerkstatt der Diakonie in Damme –  zum Holz und wurde Tischler. Nun hält der 23-Jährige seinen Gesellenbrief in den Händen. Sein Ausbildungsbetrieb, die Möbeltischlerei Osterhues in Dümmerlohausen, hat ihn übernommen und dem jungen Mann einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben.

Hals über Kopf musste Hasnat Ali Pakistan verlassen

Was diesen Berufsweg berichtenswert macht? Hasnat Ali kam 2015 als politischer Flüchtling nach Deutschland. Für den Neuanfang brach er seine Biologie-Studim ab, ließ die Eltern, drei Brüder und  eine Schwester zurück. Kontakt hält er seitdem per Telefon und via Skype. Wann Hasnat Ali seine Familie besuchen kann, steht in den Sternen.

Da ist es gut, dass er sich bestens mit der Familie Osterhues versteht. "Er gehört inzwischen zur Familie", sagt Juniorchef Jan Osterhues, der den Betrieb zusammen mit seinem Vater Norbert leitet, über den heute 23-Jährigen. Die Osterhues lernte er kennen, als er nach der Tätigkeit in der Dammer Jugendwerkstatt einen Praktikumsplatz suchte. Der sollte in einer Tischlerei sein, nachdem ein Mitarbeiter der Jugendwerkstatt ihm dazu geraten hatte, sich einen Ausbildungsplatz im Bereich Holz zu suchen. Hasnat Ali, dessen Vater ebenfalls als Tischler tätig ist, war durch Holzarbeiten in der Jugendwerkstatt auf den Geschmack gekommen.

Gerd Dieter Braß und Andreas Herzog, Sozialarbeiter beziehungsweise Ordnungsamtsleiter der Stadt Damme, stellten den Kontakt zu Osterhues her. Offenbar überzeugte der junge Mann während des zunächst auf zwei Wochen begrenzten Praktikums so sehr, dass die Osterhues ihm bis zum Beginn der Ausbildung am 1. August 2017 ein neunmonatiges Praktikum anboten. Hasnat Ali nahm an.

"Anfangs sprach er kaum Deutsch, vor allem Englisch, aber sehr schnell auch Plattdeutsch", erzählt Norbert Osterhues. Zum geflügelten Ali-Wort wurde "Wat schack maken?", mit dem sich der junge Moslem nach einer neuen Aufgabe erkundigte, wenn er einen Job erledigt hatte.

"Ein bisschen Plattdeutsch kann ich sprechen, verstehen kann ich alles."Hasnat Ali, Tischlergeselle

"Ein bisschen Plattdeutsch kann ich sprechen, verstehen kann ich alles", sagt Hasnat Ali heute. Immerhin arbeitet er in einem Betrieb, in dem noch viel Platt geredet wird. "In 3 Jahren nehme ich ihn mit zu den Theaterfreunden Osterfeine, damit er mitspielen kann", erklärt Jan Osterhues mit einem Schmunzeln. Die "Theos" führen ihre Stücke ausschließlich auf Plattdeutsch auf.

Allerdings: Am Ende der Ausbildung bereiteten die nicht ganz optimalen Deutschkenntnisse Hasnat Ali Probleme. Er musste die theoretische Prüfung wiederholen.

Die praktische absolvierte er dagegen mit Bravour. Als Gesellenstück hatte er sich einen aus Eiche gefertigten Schreibtisch ausgesucht. Das Holz stellte die Möbeltischlerei. Auf der rechten Seite verfügt das massive, in Länge und Tiefe 1,7 mal 0,7 Meter, in der Höhe 0,78 Meter messende Möbelstück eine Schublade und ein mit einer Tür versehenes Fach.

Manche Arbeiten waren zwingend von Hand zu erledigen

2 Wochen hatte Hasnat Ali Zeit, den Schreibtisch zu bauen. Bestimmte Dinge musste er zwingend per Hand erledigen, etwa das Zinken und Zapfen, das klassische Verbinden von Holzteilen. Für andere Arbeiten durfte der angehende Geselle auch Maschinen einsetzen.

Nun, nachdem die Gesellenprüfung geschafft ist, möchte der junge Mann seinen Führerschein machen und einen zweiten Deutschkurs belegen. Vielleicht begibt er sich in einigen Jahren auf den Weg zur Meisterprüfung. Zunächst aber hat er ein anderes Ziel: Derzeit ist er als Flüchtling in Deutschland nur geduldet. Er hofft, dass er spätestens bis Ende 2021 eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in der Tasche hat. Damit er sich nicht demnächst fragen muss: "Wat schack maken?"

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