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Gastronomen können kaum von der Öffnung profitieren

Über die Zahlen aus der Politik können die Wirte nur lachen. Viele öffnen aus Liebe zum Beruf und weil sie ihre Gäste vermissen.

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Die Gäste können kommen: Klaus Wendeln (rechts) und sein Team öffnen ab Freitag wieder das Restaurant in Hoheging. Die ersten Hotelgäste sind auch schon wieder da. Foto: Bernd Götting

Die Gäste können kommen: Klaus Wendeln (rechts) und sein Team öffnen ab Freitag wieder das Restaurant in Hoheging. Die ersten Hotelgäste sind auch schon wieder da. Foto: Bernd Götting

Im Stufenplan der Landesregierung für den „Neuen Alltag in Niedersachsen“ vom 4. Mai bewertet die Staatskanzlei den gesellschaftlichen Schaden der Schließung der Gastronomie als hoch, den volkswirtschaftlichen Schaden sogar als sehr hoch.

Ausschließlich Anteil durch Speisen wird steuerlich entlastet

Gastronomen, die deshalb auf großherzige Hilfen des Staates in der Coronakrise hofften, sind inzwischen enttäuscht. Viele der Zahlen, die die Politik derzeit verbreite, seien reine Augenwischerei, heißt es aus der Branche. Hildegard Kuhlen, Geschäftsführerin des Dehoga-Landesverbandes Weser-Ems, nennt als Beispiel die Parole „Restaurants müssen weniger Steuern zahlen“. Allzu plakativ und pauschal werde herausgestellt, dass die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent gesenkt werde und die Wirte deutlich mehr Einnahmen hätten. Das stimme nicht so ganz. Einerseits sei die Regelung nur für ein Jahr gedacht. Andererseits werde nur der reine Speisenanteil steuerlich entlastet, nicht aber die Getränke. Und die machten oft die Hälfte des Umsatzes aus.

„Und ausgerechnet bei den Getränken greift der Staat weiterhin voll zu. Das hilft uns nicht.“Yvonne Fleming, Restaurant Fleming in Cloppenburg

Das regt auch Yvonne Fleming auf. Sie und ihr Mann Klaus betreiben in Cloppenburg das „Flemings“ und kennen durch ihre langjährige Erfahrung alle betriebswirtschaftlichen Aspekte der Gastromie. „Speisenzubereitung ist zeit- und personalintensiv, Getränke dagegen lassen sich einfacher darstellen und servieren. Die bringen den Verdienst,“ nennt sie eine einfache Formel. „Und ausgerechnet bei den Getränken greift der Staat weiterhin voll zu. Das hilft uns nicht“.

Ärgerlich findet Fleming auch die pauschalierte Darstellung, man könne jetzt ja wieder mit 50 Prozent Auslastung weitermachen. Die Quote könne kaum ein Wirt erreichen, denn allein die Corona-Hygienregeln bestimmten, wie viel Gäste ein Restaurant vorerst haben werde. „Unser Lokal kann im Normalfall 125 Gäste aufnehmen. Nach dem wir nun alles gesetzeskonform umgestellt haben und die Sicherheitsabstände stimmen, ist gerade noch Platz für 34 Gäste. Wo sind da die 50 Prozent?“

Hier taucht die Frage der Wirtschaftlichkeit auf. Das bestätigt auch Hildegard Kuhlen. Es sei eine grundsätzliche Entscheidung, wieder zu öffnen. Wirtschaftlich sei das aber nicht für jeden Betrieb tragbar.

Mehrwertsteuerabsenkung ein „Witz"

Für Bernd Höne, der in Cloppenburg drei Betriebe hat, ist die Mehrwertsteuerabsenkung „ein Witz“. Die helfe weder seiner Weinbar noch seinem Hotel und auch nicht den Mitarbeitern, die er in Kurzarbeit habe schicken müssen. Er habe den Shutdown der Coronakrise genutzt, um die Online-Aktivitäten auf den neuesten Stand zu bringen und für sein „Schäfers Bistro“ den Außer-Haus-Verkauf zu forcieren. Dieser Zweig seines Unternehmens habe sich prächtig entwickelt: „Wir haben sogar Sushis bis nach Oldenburg geliefert“.

Für die Hilfen der Politik hat auch Klaus Wendeln, Inhaber des Hotels und Restaurants „Waldesruh“ in Hoheging, nur ein Kopfschütteln übrig. Er gehört zu den zahlreichen Unternehmern in der Gastronomie, die Soforthilfem bei der N-Bank beantragt, aber bislang nichts mehr davon gehört oder gesehen haben. Doch Wendeln setzt auf Tatkraft und Eigeninitiative. Mehrere Hotelzimmer seien schon wieder belegt, und ab Freitag öffne auch wieder das Restaurant. Bis dahin bringt er Haus und Hof auf Vordermann und freut sich auf ein Wiedersehen mit seinen Gästen: „Wir haben viele Stammkunden. Die haben mir schon gefehlt“.

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