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Friseurin: Nichtstun ist "total anstrengend"

Meisterin Kerstin Behrens (51) fiel mit dem zweiten Lockdown in eine "Schockstarre". Inzwischen hat die Cloppenburgerin ihre Zuversicht zurück: Pleite werde sie nicht gehen, sagt die Salon-Inhaberin.

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Allein mit dem Übungskopf: Nur die Auszubildenden darf Kerstin Behrens noch in ihren Salon lassen. Foto: Kreke

Allein mit dem Übungskopf: Nur die Auszubildenden darf Kerstin Behrens noch in ihren Salon lassen. Foto: Kreke

Den Schock des ersten Lockdowns konnte Kerstin Behrens (51) noch mit dem fälligen Krisenmanagement abarbeiten: Die Friseurmeisterin trommelte ihr Team zusammen, stellten eilig Anträge auf die Überbrückungshilfe und Kurzarbeit, forschte im Internet nach Informationen. Vor lauter Aktionismus blieb keine Zeit zum Grübeln. Das hat sich mit der zweiten Zwangsschließung verändert.

„Ich bin ich erst mal in eine Schockstarre gefallen“, räumt die seit 26 Jahren selbstständige Meisterin ein. „Ich bin eigentlich ein sehr aktiver Mensch, aber ich musste mich total anstrengen, damit ich aus dem Quark komme.“ Geholfen hat dabei die Verantwortung für ihr 14-köpfiges Team. Ihr Ziel, die Mannschaft zusammenzuhalten, hat die Unternehmerin bisher erreicht. „Ich hab‘ ein Super-Team“, sagt sie: „Die meckern nicht, die halten sich an die Vorgaben.“

Fünf Auszubildende dürfen und müssen arbeiten

Ein kleinerer Teil der Belegschaft darf und muss sogar arbeiten: Die fünf Auszubildenden werden im Wechsel von je einer Gesellin am „Übungskopf“ auf die Prüfungen vorbereitet. „Eine bessere Ausbildung können die eigentlich nicht bekommen“, meint die Meisterin. Im laufenden Kundenservice stehe ja nie ein Ausbilder zu 100 Prozent dem Nachwuchs zur Verfügung.

Die (erlaubte) Kundschaft ist mehr als überschaubar: „Ein paar Haarfärbemittel“ liefert Behrens auf Nachfrage aus, „damit die Leute nicht in den Drogeriemarkt rennen“. Zudem dürfen Perücken auf Rezept (zum Beispiel für Krebspatientinnen) nach wie vor angepasst werden – ein verschwindend kleiner Kreis. Hinzu kommt die Sorge, was mit den Zuschüssen aus der ersten Überbrückungshilfe passiert.

Das Problem: Behrens musste im März praktisch vorhersagen, welche Einnahmen sie in den Folgemonaten erwartet. „Da wusste aber noch keiner, wie lang der Lockdown dauert“, erklärt die Chefin. Also setzte sie eine Null an. Als sie schon im April wieder öffnen durfte, überschlugen sich die Kundinnen jedoch mit Salon-Terminen. Die Folge: Bester Umsatz und damit kein Anspruch auf die schon ausgezahlte Staatshilfe.

„Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir keine Sorgen, Pleite zu gehen.“Friseurmeisterin Kerstin Behrens (51)

„Wir wollen das natürlich zurückzahlen“, betont sie, „aber ich bin im Moment froh, dass wir nicht vor dem 15. Dezember alles überwiesen haben.“ Denn das Geld aus der neuen Überbrückungshilfe ist gerade erst beantragt und die Auszahlung noch völlig ungewiss. „Notfalls muss ich eben einen Kredit aufnehmen“, meint die Chefin. Schlaflose Nächte bereitet ihr das nicht. „Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir keine Sorgen, Pleite zu gehen.“ Ihr Mann nickt: „Sobald sich die Lage entspannt, geht‘s uns auch wieder gut“, glaubt Manfred Behrens.

Die Zuversicht macht sich auch an scheinbar kleinen Dingen fest. Vor vier Jahren investierte das Paar in eine teure Industrie-Waschmaschine mit Profi-Trockner. Heute freuen sich die zwei, dass sie damit in 35 Minuten alle Frisierumhänge virenfrei weiterverwenden können. Weil sie auf Berge von Plastik-Umhängen verzichten können, „sparen wir jetzt richtig“, sagt Behrens.

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