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Franz Wessendorf: "Nach dem Reden müssen wir auch ins Tun kommen"

Der Emsteker Unternehmer ist neuer Vorsitzender des Beirates Oldenburger Münsterland der IHK Oldenburg. Der 57-Jährige will auch dafür werben, dass sich die Wirtschaft politisch stärker engagiert.

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Franz Wessendorf ist der neue Vorsitzende des mit 63 Mitgliedern größten regionalen Beirats im Bezirk der IHK Oldenburg. Foto: Kühn

Franz Wessendorf ist der neue Vorsitzende des mit 63 Mitgliedern größten regionalen Beirats im Bezirk der IHK Oldenburg. Foto: Kühn

Neuer Vorsitzender des Beirates Oldenburger Münsterland (OM) der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) ist seit Februar der Emsteker Unternehmer Franz Wessendorf. Der Beirat ist im Kammerbezirk, der sich über das alte Oldenburger Land erstreckt, mit aktuell 63 Mitgliedern das stärkste beratende regionale Gremium in der Wirtschaftsorganisation.

Der gehobenen Stellung des Beirates innerhalb der IHK ist sich Wessendorf durchaus bewusst: "Als ich angesprochen wurde, ob ich mir vorstellen könnte das Amt zu übernehmen, habe ich erst einmal geschluckt – und mir Bedenkzeit ausgebeten. Mein persönlicher Anspruch ist, Sachen entweder ganz oder gar nicht zu machen. Das wissen auch die, die mich näher kennen."

Der Firmenchef sieht seine Rolle als Vorsitzender als die eines Koordinators

Letztlich habe die sich wandelnde Aufstellung in der Geschäftsführung des eigenen Betriebes den Ausschlag für die Amtsübernahme gegeben, berichtet Wessendorf von Gesprächen in der Familie, vor allem mit seiner Frau, aber auch mit seinen beiden Söhnen. Diese sind "bereits in die Firma eingestiegen, werden sich zunehmend in die Weiterentwicklung und Geschäftsführung des Betriebes einbringen".

Wessendorf sieht seine Rolle im Beirat als "Koordinator" oder "wenn man so will als ausführendes Organ der Mitglieder. Letztlich bestimmen wir alle zusammen, welche Themen für uns im Focus stehen sollen". Dabei ist aber auch klar, dass Wessendorf einen eigenen Stil pflegen wird: "Jeder hat seine Art, Dinge anzugehen. Ich für meinen Teil schätze das offene Wort, nicht die Hinterstube" – und ergänzt auch hier, was er im Gespräch mehrfach betont, nämlich "dass man mehr miteinander sprechen muss, als übereinander".

Dieses "Mehr" an Kommunikation will Wessendorf "gerne durch alle Instanzen tragen", aber "sicher nicht ohne zu vergessen, dass das OM einer der stärksten Wirtschaftsräume Niedersachsens ist. Unsere Region hat mittelständisches Gewicht und das sollten wir auch deutlich sagen, und unsere Wünsche als Unternehmer in einer ländlichen Region auch nachhaltig transportieren".

"Unser Landstrich ist etwas ganz Besonderes, besonders aber eine starke Wirtschaftsregion."Franz Wessendorf, Vorsitzender des IHK-Beirates Oldenburger Münsterland

Und wo sieht Wessendorf die Schwerpunkte seiner Arbeit bis zum Ende der Wahlperiode 2026? Grundständige Aufgabe des Beirates sei es natürlich, Vollversammlung, Präsidium und Geschäftsführung der IHK beratend zu unterstützen, sagt der Unternehmer. Deshalb befasse man sich "nicht nur mit der Kammerpolitik im Ganzen, sondern selbstverständlich" mit der wirtschaftlichen Entwicklung des OM. "Lokal, regional und überregional" will Wessendorf anstehende "Aufgaben gemeinsam angehen, die Standortbedingungen im OM weiter verbessern".

"Unser Landstrich ist etwas ganz Besonderes, besonders aber eine starke Wirtschaftsregion", sagt der Emsteker. Und damit es mit der bis heute andauernden Prosperität weiter gehen könne, brauche es vor allem eine "funktionierende Infrastruktur". Hier steht er "ganz klar" hinter dem vierspurigen Ausbau der E233 oder dem "flächendeckenden Ausbau der Breitband- und Mobilfunkversorgung". Wichtig auch: "Die Mobilität im ländlichen Raum lässt sich immer noch verbessern." Die Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft oder auch die Fachkräftegewinnung stehen ebenfalls auf der Agenda.

Für Wessendorf ist es ebenfalls wichtig, dass Unternehmer auch einmal "über den eigenen Tellerrand schauen, von den Erfolgen oder auch den Problemen der anderen Unternehmen hören". Deshalb soll der Beirat auch weiterhin Firmen besichtigen oder sich auf gesellschaftlicher Ebene treffen und – da ist es wieder – "miteinander, nicht übereinander sprechen".

Die Arbeit der IHK ist sinnvoll, nicht sinnlos

Zu den weiteren Aufgaben, die das Amt mit sich bringt, und die Wessendorf als "persönliche Anliegen" begreift, gehört, die "Wichtigkeit der IHK hervorzuheben. Als Zwangsmitglieder sehen wir Unternehmer zu sehr auf die Belastungen, also die Beiträge, die wir zu zahlen haben, aber viel zu wenig auf die wichtigen Aufgaben, die von der Kammer übernommen werden." Die Kammerarbeit sei "nicht sinnlos, wie ich es öfter einmal höre, sondern sehr sinnvoll". Er wolle auf allen Ebenen gerne herausheben, "dass es auch etwas fürs Geld gibt".

Aus seiner Sicht müssen IHK und Unternehmer "deutlich politischer werden". Es gelte, die "Verbindungen zwischen Wirtschaft und Politik zu intensivieren. Das sollte niemand mit Blick auf das OM falsch verstehen. Die Politik hier tut schon viel für die Wirtschaft, aber in so manchem Stadt- oder Gemeinderat fehlt heute die Expertise, das Fachwissen von Kaufleuten und Landwirten. Ich möchte gerne dafür werben, dass sich das wieder ändert, sich Menschen aus der Wirtschaft wieder verstärkt ehrenamtlich engagieren".

Neue Aufgaben für den Verbund Oldenburger Münsterland?

Als "überzeugter Oldenburger Münsterländer, als Kind der Region", kann sich Wessendorf außerdem "sehr gut vorstellen", die beiden Landkreise Vechta und Cloppenburg unter dem Dach des Verbundes Oldenburger Münsterland "näher zusammenzubringen". Die beiden Kreise "haben viel gemeinsam, da täte es der Region insgesamt gut, an vielen weiteren Stellen die Kräfte zu bündeln, und über das gemeinsame Marketing und den Tourismus hinaus zusammenzuarbeiten."

Angesichts der Aufgaben, der er sich verschrieben hat, zeigt sich der gelernte Malermeister und Betriebswirt Wessendorf anpackend: Diskussion und das Reden seien „superwichtig“, aber als jemand mit handwerklichen Wurzeln habe für ihn der Fortgang einer Angelegenheit einen hohen Stellenwert, und „dass wir nach dem Reden auch ins Tun kommen“. In dieser Hinsicht „freue ich mich immer über entsprechende Unterstützung“.


Zur Person:

  • Franz Wessendorf ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Die Familie lebt in Emstek.
  • Der 57-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Wessendorf-Systembeschichtungen GmbH mit rund 100 Mitarbeitern.
  • Wessendorf ist Träger des Innovationspreises Oldenburger Münsterland, den er im Jahr 2016 für seinen patentierten Fassadenanker "ISOrocket" erhalten hat.
  • Der Unternehmer ist seit mehreren Jahren Mitglied im IHK-Beirat Oldenburger Münsterland, seit der jüngsten Kammerwahl (2021) Mitglied des neu geschaffenen IHK-Ausschusses für Bau, Immobilien- und Grundstückswirtschaft.
  • In der jüngsten Sitzung des Beirates OM wurden Wessendorf als Vorsitzender und sein Stellvertreter Simon Tabeling (Hawita-Gruppe, Vechta), einstimmig gewählt.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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