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"Fisch Jan" geht nur noch auf Tour

Seit mehr als 30 Jahren ist die Firma der Familie Hönemann in der Kreisstadt vertreten. Vom stationären Handel verabschieden sich die Hönemanns nun. Der Verkauf im Famila schließt.

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Das Vater-Sohn-Duo am Hauptsitz in Cloppenburg: Jan-Bernd und Jan-Jonas Hönemann stellen den stationären Verkauf ein. Foto: E. Wenzel

Das Vater-Sohn-Duo am Hauptsitz in Cloppenburg: Jan-Bernd und Jan-Jonas Hönemann stellen den stationären Verkauf ein. Foto: E. Wenzel

Fischers Fritze kauft frische Fische. Aber wo würde Fischers Fritze heute zuschlagen können, ohne in die Tiefkühltruhe greifen zu müssen oder im Restaurant zu bestellen? 

Tatsächlich gibt es kaum noch Fischläden mit Frischware im Sortiment. Von Sonntag an ist es noch einer weniger. Denn der nach eigenen Angaben letzte stationäre Fischladen im Landkreis Vechta – "Fisch Jan" – schließt. Aber Fischliebhaber müssen sich nicht sorgen: Mit dem Verkauf hört die Familie Hönemann nicht auf.

Das Unternehmen der Hönemanns hat Geschichte. Sie begann mit den Eltern des jetzigen Chefs, Jan-Bernd Hönemann, wie dieser erzählt. Die Eltern leiteten ein Ladenlokal in der Großen Straße – spezialisiert auf Fisch. 1985 dann übernahmen sie die Firma Warnking Fisch. 4 Jahre später stieg Jan-Bernd Hönemann selbst in das Unternehmen ein.

Noch im selben Jahr wurde zusätzlich ein Restaurant an der Diepholzer Straße in Vechta eröffnet, wo bis zur Jahrtausendwende frischer Fisch auch gegessen werden konnte. Dann folgte der Umzug in das Famila-Center in Vechta. Über 20 Jahre konnten dort mit fachlicher Beratung die Meerestiere gekauft werden – bis einschließlich Samstag. Das Unternehmen orientiere sich nun um, erklärt der Junior-Chef Jan-Jonas Hönemann. Er wolle die Firma in Zukunft übernehmen.

Seit Eröffnung des Ladens im Famila verkauft Annegret Neemann die Meerestiere. Nun wird sie auf Tour gehen. Foto: E. WenzelSeit Eröffnung des Ladens im Famila verkauft Annegret Neemann die Meerestiere. Nun wird sie auf Tour gehen. Foto: E. Wenzel

Die Zukunft, die liegt im Fall der Firma Fisch Jan auf Rädern. Denn seit 1993 sei die Verkaufsschiene "Wochenmarkt" aufgebaut worden. Mit mobilen Verkaufswagen sei das Team mittlerweile in der ganzen Region unterwegs, erzählt der Junior-Chef. Mittlerweile besitze das Unternehmen 6 Fahrzeuge, die regelmäßig 16 Standorte ansteuern – auch über die Grenzen der Landkreise Vechta und Cloppenburg hinaus.

Der Grund für die Entwicklung sei eine schlichte Erkenntnis: Der Verkauf vom Wagen aus sei weniger aufwändig, aber für stattliche 80 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich. Als dann in Vechta eine Mietvertragsänderung anstand, entschieden sich die Hönemanns, den stationären Verkauf aufzugeben. Diese Entscheidung sei bereits vor 2 Jahren gefallen, erklärt der Junior-Chef Jonas Hönemann.

Der letzte feste Standort soll nun die Zentrale von Fisch Jan in Cloppenburg sein. Diese steht seit 2018 und dient als Anlieferungs- und Lagerort für die Meerestiere. "Ein bisschen schmerzt es schon", gibt Annegret Neemann zu. Sie leitet seit des Umzugs in das Famila-Center den Laden.

Die Stammkunden seien bereits früh informiert worden. Die Botschaft an sie: Fisch Jan verlasse nicht die Stadt. "Wir geben Vechta nicht auf", betont Jan-Bernd Hönemann. Es werde "nur" der Laden geschlossen.  Alle 45 Mitarbeiter seien übernommen worden oder hätten eine neue Aufgabe gefunden.

Die Umstellung auf den mobilen Verkauf sei in der Branche nicht selten, erklärt Jan-Jonas Hönemann. Feste Fischläden hätten sich nicht durchsetzen können. Auch sei es schwierig, neue Mitarbeiter zu finden. Dadurch, dass die Ware frisch angeliefert werde, beginne die Arbeit schon in der Nacht, erklärt er. Sein Vater erzählt von einer befreundeten Firma aus Ibbenbüren, die ihr Unternehmen aus ähnlichen Gründen umstellen musste.

Das Sortiment ändert sich nicht

In Vechta wird das Sortiment – circa 900 Artikel – von Donnerstag an vor dem Rewe am Falkenweg erhältlich sein. "Das Sortiment im Anhänger ist genauso groß wie im Laden", erklärt der Seniorchef. "Im Famila ist die Theke 8 Meter lang, im Anhänger 4." Was sich sonst ändert?  Der Restaurant-Bereich fällt weg. Daran seien sie aber durch die Corona-Pandemie schon ein wenig gewöhnt worden, meint der 28-jährige Junior. Insgesamt hatte der Essbereich des Ladens nur rund drei Monate geöffnet, erinnert er sich.

Mit der Umorientierung gehen weitere Pläne einher. Jan-Jonas Hönemann plant langfristig, den Fuhrpark auszubauen. Auch solle die Internetseite verbessert werden. Es sei beispielsweise ein Online-Shop angedacht. Und der Seniorchef? Der will es ein wenig ruhiger angehen lassen, sagt er. 

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