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Feierabend mit 72 Jahren: Fahrradhändler Kees Hollenberg gibt sein Geschäft ab

Der gebürtige Holländer übergibt sein Geschäft am Brägeler Ring an einen Fachhändler aus der Region Weser-Ems. Für seine Zukunft wünscht sich der Bald-Rentner vor allem eins: noch mehr Rad zu fahren.

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Ein echter Fahrradfan: 1995 siedelte Kees Hollenberg mit seinem Fahrradladen von Vechta nach Lohne um. Ende September ist jetzt Schluss. Dann übergibt der Holländer die Geschäfte an einen Nachfolger. Foto: Gerwanski

Ein echter Fahrradfan: 1995 siedelte Kees Hollenberg mit seinem Fahrradladen von Vechta nach Lohne um. Ende September ist jetzt Schluss. Dann übergibt der Holländer die Geschäfte an einen Nachfolger. Foto: Gerwanski

So richtig glauben mag man es ja nicht: Kees Hollenberg, Taufname Kornelius, macht also mit 72 Jahren Feierabend. Das heißt, er übergibt seinen Fahrradladen an einen Nachfolger. Aber seine Hobbys, das Radfahren und das Radrennfahren, gibt er noch lange nicht auf. Und auch beruflich möchte er sich weiterhin ein wenig um das Geschäft kümmern.

Es hat sich bereits herumgesprochen, dass Hollenberg seinen Laden am Brägeler Ring nur noch bis zum 30. September (Freitag) führt. "Bis dahin läuft ein großer Räumungsverkauf mit vielen Prozenten", berichtet der Noch-Inhaber. "Danach wird das Geschäft von einem Fachhändler aus der Region Weser-Ems übernommen. Der wiederum besetzt den Laden mit einem versierten Filialleiter aus dem Landkreis Vechta. In der Anfangsphase werde ich weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen."

Ohne Fahrräder geht es bei Hollenberg nicht. "Ich fahre seit dem 11. Lebensjahr regelmäßig Rad", blickt er zurück. "Ich bin gebürtiger Holländer und fuhr damals zur Realschule in Alkmar –pro Tag 26 Kilometer. Später zur Universität in Bergen waren es täglich sogar 35 Kilometer."

Idee für eigenes Geschäft in der Ölkrise

Nach Deutschland sei er dann eher durch einen Zufall gekommen. "Ich kam 1975 durch einen guten Freund nach Vechta zur Firma Dowell-Schlumberger", berichtet Hollenberg. "Immerhin fiel mir die Entscheidung leichter, da ich meine spätere Ehefrau Claudia während eines Jugendtreffs in Essen-Steele kennengelernt hatte." Während der Ölkrise 1980 sei er dann auf die Idee gekommen, in Vechta ein Fahrradgeschäft zu gründen. Und da er auch damals schon Radsportler gewesen sei, habe er bald darauf die Radsportgemeinschaft Lohne-Vechta als Hauptinitiator mitgegründet.

1995 erfolgte der Umzug des Fahrradgeschäftes nach Lohne. "Die Stadt liegt zentral und ist für mich so etwas wie der Mittelpunkt des Landkreises Vechta." Hollenberg sagt: "Ich hatte damals das Gefühl: ‚Hier gefällt es mir und der Laden liegt nahe an der Landesstraße.‘" Das Geschäft habe er über die Jahrzehnte mehr oder weniger immer alleine geführt, sagt der Firmengründer. Krank war er wohl mal eine Woche lang, überlegt er. Ach ja, und einmal habe er einen Radrennunfall gehabt, da sei er auch ein paar Tage ausgefallen.

Tot ziens! Auf Wiedersehen! Kees Hollenberg aus Lohne gibt in wenigen Tagen sein Geschäft auf. Seine Liebe zum Fahrrad besteht jedoch fort. Das Auto soll soviel wie möglich stehen bleiben, kündigt er für den Ruhestand an. Foto: Gerwanski"Tot ziens! Auf Wiedersehen!" Kees Hollenberg aus Lohne gibt in wenigen Tagen sein Geschäft auf. Seine Liebe zum Fahrrad besteht jedoch fort. "Das Auto soll soviel wie möglich stehen bleiben", kündigt er für den Ruhestand an. Foto: Gerwanski

In all den Jahren habe sich nichts grundlegend verändert, sagt Hollenberg. Ein Trend zu hochwertigen Rädern sei allerdings schon festzustellen. "Und seit 10 Jahren etwa gibt es die E-Bikes", sagt er. "Dadurch gibt es mehr ältere Kunden, die sich dank der Motorisierung endlich wieder für das Radfahren interessieren."

Aber was plant der 72-Jährige nun für seine Zukunft, wo doch die Unterstützung für den Nachfolger nicht die gesamte Freizeit ausfüllen soll? "Ich habe mir vorgenommen, noch mehr Rad zu fahren", sagt Hollenberg. "Das Auto soll so viel wie möglich stehen bleiben." Für 2023 plant er nach eigenen Angaben eine Radtour zu Verwandten und Bekannten nach Holland. "Das wird eine Zweitagestour mit Übernachtung über 370 Kilometer."

Keine Zeit für Rennen

Und auch das alte Hobby Radrennsport soll wieder aufgenommen werden. "Früher bin ich Querfeldein-, Straßen- und Bergmeisterschaften gefahren", sagt der Fahrradfan, der auch einige Pokale in seinem Geschäft zeigt. Vor 2 Jahren sei er nochmal ein Rennen gefahren, natürlich in seiner Seniorenklasse. Ansonsten aber die vergangenen 7 Jahre nicht mehr. 2023 würde er gerne wieder einige Straßenrennen mitmachen. Ein bisschen Sport und die Arbeit im eigenen Garten stehen auf dem Wunschzettel.

Aber jetzt blickt Kees erst einmal auf die Geschäftsübergabe Ende September. "Ich bedanke mich bei meiner Kundschaft." Den Kaufinteressierten empfiehlt er auch gleich seinen Nachfolger. "Der kann das sogar besser als ich."

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