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Ein Berufsleben für eine einzige Bank

Bank-Vorstand Johannes Wilke geht am 31. Dezember in den Ruhestand. Über 45 Jahre lang hat er dann für die Spadaka Friesoythe, die heutige Volksbank Barßel-Bösel-Friesoythe, gearbeitet.

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Bank-Vorstand Johannes Wilke (2. von rechts) verlässt das Geldhaus nach 45 Jahren. Andreas Frye (von links), Stefan Awick und Nikolaus Hüls führen die Bank als dreiköpfiger Vorstand weiter. Foto: Stix

Bank-Vorstand Johannes Wilke (2. von rechts) verlässt das Geldhaus nach 45 Jahren. Andreas Frye (von links), Stefan Awick und Nikolaus Hüls führen die Bank als dreiköpfiger Vorstand weiter. Foto: Stix

Über 45 Jahre lang arbeitete Johannes Wilke bei der Spadaka Friesoythe, zuletzt 22 Jahre lang als Mitglied des Vorstandes. Am 31. Dezember wechselt der 62-jährige Gehlenberger in den Ruhestand, seinen letzten Arbeitstag in dem Kreditinstitut, das seit der Fusion mit der Volksbank Bösel den Namen Volksbank Barßel-Bösel-Friesoythe trägt, hat er 14 Tage vorher. "Dann gehe ich hier aus dem Haus, in dem ich meine ganze berufliche Laufbahn verbracht habe", sagt Wilke: "Und ich gehe mit der Überzeugung, dass die Bank gut aufgestellt ist."

Die Friesoyther Genossenschaftsbank wird im kommenden Jahr 125 Jahre alt, mehr als ein Drittel dieser Zeit hat Wilke dort gearbeitet. "Nach so langer Zeit freut man sich zuerst, dass man aus dem Hamsterrad rauskommt, aber jetzt kommt dann doch Wehmut auf", sagt er. Weil Corona eine große Feier unmöglich macht, verteilt Wilke den Abschied auf viele kleine Termine mit Kolleginnen und Kollegen, anderen Bankvorständen, Nachbarn, Kunden und dem Aufsichtsrat. "Wenn man einfach nur aus der Tür geht und Tschüss sagt, dann wäre das falsch", ist er überzeugt. 

Die 1980er Jahre waren eine belastende Zeit

Wilke begann am 1. April 1976 nach Abschluss der Handelsschule als 17-Jähriger seine zweijährige Ausbildung bei der Spadaka Friesoythe. Unterbrochen nur vom Grundwehrdienst in Wildeshausen, arbeitete er sich von da an die Karriereleiter in der Bank hoch. Zahlreiche Lehrgänge, Seminare und ein Studium an der Bankakademie in den 1980er Jahren machten 1992 aus dem Kreditsachbearbeiter den Leiter der Kreditabteilung. 1999 wurde er als Nachfolger von Heinrich Grote zum Vorstandsmitglied der Spadaka bestellt – zunächst gemeinsam mit Hermann Brandt, von 2010 an mit Nikolaus Hüls. "So eine lange Berufslaufbahn in einer einzigen Bank ist selten, heute gibt es das nicht mehr", sagt er.

Im Rückblick erinnert sich Wilke insbesondere an die 1980er Jahre. "Das war eine belastende Zeit", sagt er. Die Bank hatte damals starke Kreditausfälle zu verkraften, es kam zu Unstimmigkeiten zwischen dem damaligen Vorstand und dem Aufsichtsrat. "Das mussten wir verdauen und neu durchstarten", erzählt er. Auch die jüngste Zeit sei wegen der Digitalisierung und der lang andauernden Niedrigzinsphase, vor allem aber wegen der zunehmenden Regulatorik eine Herausforderung. "Das deutsche Bankensystem mit seinen vielen kleinen Genossenschaftsbanken und Sparkassen ist einmalig in Europa", erläutert Wilke. "Damit kann die EZB nicht umgehen, sie ist voll auf große Bankhäuser ausgerichtet."

Samstags wurde Geld aus dem Glaskasten heraus ausgezahlt

In Erinnerung sind ihm auch die Anfangsjahre geblieben. "Damals gab es ja noch keine Computer und keine Geldautomaten", betont er. "Wir Azubis haben damals die Kontoauszüge persönlich zu den Geschäftsleuten in der Innenstadt gebracht." Auch als "Geldautomat" wurden die Mitarbeiter eingesetzt. "Wir hatten einen Spätschalter, und samstags saß man da in einem Glaskasten und hat Geld ausgezahlt", erinnert er sich. Einen Schwelbrand im Haupthaus hat er erlebt und auch von Banküberfällen, bei denen "zum Glück nichts Schlimmes passiert ist", kann er erzählen. 

"Es war nie langweilig, ich habe meine Berufswahl keine Sekunde bereut", sagt Wilke, der nebenbei noch in der IHK, der Kirche, in vielen Organisationen der Genossenschaftsbanken sowie in zahlreichen Ehrenämtern und Vereinen aktiv war. "Jetzt trete ich erst einmal einen Lebensabschnitt an, der 'Genießen' heißt", sagt er. Dem Sportschießen will er sich verstärkt widmen, mit seiner Frau zusammen hat er den Segel-Grundschein gemacht. "Und natürlich werde ich aufmerksam beobachten", versichert er, "was die Kollegen in der Volksbank jetzt so machen."

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