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Ein Ausbildungsberuf mit Seltenheitswert

Johannes Kühling aus Garrel und Marc Diekwessels aus Damme sind nun frisch gebackene Sägewerker. Doch wie kommt man überhaupt zu diesem Beruf?

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Haben ihren Traumberuf ergriffen: Marc Diekwessels (links) und Johannes Kühling. Foto: Schrimper

Haben ihren Traumberuf ergriffen: Marc Diekwessels (links) und Johannes Kühling. Foto: Schrimper

In Rankinglisten mit den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland sucht man nach dem Sägewerker vergebens. Doch für Johannes Kühling aus Garrel und Marc Diekwessels aus Damme, die ihre Ausbildung in eben diesem eher seltenen Beruf jetzt erfolgreich abgeschlossen haben, steht fest: Dieser Beruf ist Berufung – und Familiensache zugleich. Denn beide stammen aus Sägewerksfamilien. „Seitdem ich laufen kann, war ich immer mit dabei. Mit vier oder fünf Jahren bin ich schon Gabelstapler gefahren“, erinnert sich Johannes Kühling. „Es kam für mich nie infrage, mal etwas anderes zu machen.“

Sägewerker bringen vor allem Holz für die Industrie in Form, fertigen Verpackungs- und Unterleghölzer sowie Paletten für den Transport von Waren, berichtet Diekwessels und schildert ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld zwischen Naturmaterial und Maschine. .„Holz ist ein warmer Werkstoff, nicht so kalt wie Metall“, schwärmt der 22-Jährige, der schon als Kind im elterlichen Sägewerk zuschauen durfte und der bereits eine Tischlerlehre hinter sich hat.

Beide konnten ihre Ausbildung verkürzen

Irgendwann habe für ihn festgestanden, dass er „doch zu Hause einsteigen und nicht als Tischler ein Sägewerk führen will“. Sein Ausbildungsbetrieb als Sägewerker war die Firma Kühling von Johannes Kühlings Vater Hans-Jürgen in Garrel. Johannes Kühling absolvierte seine Ausbildung bei der Heinrich Holtmeyer und Sohn GmbH in Ottersberg. Beide konnten die ansonsten dreijährige Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen – Diekwessels wegen seiner vorherigen Ausbildung, Kühling, weil er bereits sein Abi in der Tasche hat.

Darüber hinaus mussten beide insgesamt sechs fünf- bis sechswöchige Unterrichtseinheiten an der Holzfachschule Bad Wildungen (Hessen) zu Themen wie Holz-, Maschinen- und Verfahrenskunde, Wirtschaft und Politik besuchen – mit hervorragenden Ergebnissen: Der 20-jährige Johannes Kühling legte unter den 24 Prüflingen mit der Note 1,0 den besten Abschluss hin, Marc Diekwessels mit 1,8 den zweitbesten.

Borkenkäfer macht Sorgen

„Es ist eine gute Perspektive, die wir haben“, betont Johannes Kühling. Er und Diekwessels könnten nun in den Betrieben ihrer Väter mitarbeiten. Kühling in der vierten, Diekwessels in der fünften Generation. Beide wollen zusätzlich noch ihren Meister machen, Kühling will sogar noch ein Studium zum Wirtschaftsingenieur dranhängen. „So kann ich mich noch breiter aufstellen“, betont er.

Der Borkenkäfer könnte zum Problem für die Holzwirtschaft werden. Foto: Roland WeihrauchdpaDer Borkenkäfer könnte zum Problem für die Holzwirtschaft werden. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Diekwessels macht sich wegen der Zukunft der Branche keine Sorgen. Allerdings: „Derzeit haben wir alle mit dem Borkenkäfer zu kämpfen. Wenn der in vier, fünf Jahren fertig ist zu wüten, werden wir kaum noch schlagreife Fichten haben.“ Das könne einen Preiskampf nach sich ziehen. Nichtsdestoweniger freue er sich schon, in den Familienbetrieb einzusteigen – zum Bedauern von Hans-Jürgen Kühling, der seinen Azubi gerne übernommen hätte. „Wir finden nur sehr wenige Auszubildende“, betont er. „Früher gab es in Garrel fünf Sägewerke, aktuell nur noch zwei“, zeichnet er ein Bild der allgemeinen Entwicklung.

Johannes Kühling schätzt, dass der Beruf Sägewerker schlichtweg zu unbekannt sei – die Inhalte hingegen seien spannend. „Es weiß keiner direkt, was gemeint ist. Dann hat man auch keine Motivation, eine Ausbildung zu starten“, findet er. Kühling und Diekwessels betonen, dass sie ihre Lehre auf jeden Fall wieder machen würden.

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