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Dieses Loch macht eine lange Kurve

Die Serie "Die Suche nach dem Sommerloch" führt den Reporter auf eine Erdgasförderstation in der Gemeinde Emstek. Die Bohrung reicht dort in bis zu 4000 Metern Tiefe.

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Hier kommt das Gas an: Eruptionskreuz nennt der deutsche Experte das Gebilde, seine englischsprachigen Kollegen haben eine andere Bezeichnung - "Christmas Tree" – Weihnachsbaum. Foto: Thomas Vorwerk

Hier kommt das Gas an: Eruptionskreuz nennt der deutsche Experte das Gebilde, seine englischsprachigen Kollegen haben eine andere Bezeichnung - "Christmas Tree" – Weihnachsbaum. Foto: Thomas Vorwerk

Auf der Suche nach dem Sommerloch machen wir in der Gemeinde Emstek Halt und werden dort mit beeindruckenden Zahlen konfrontiert. Mehrere tausend Meter geht es in Drantum Richtung Erdmitte. Doch das eigentliche Bohrloch "Visbek Z16a" ist schon fast unscheinbar auf der Förderstelle, deren eingezäuntes Gelände 60 mal 90 Meter misst. Gerade einmal zwei Meter ragt das schwarze Rohr aus der Erde. Nach links und rechts ragen Abzweiger hinaus, was englischsprachige Experten zum Begriff "Christmas Tree" - also Weihnachtsbaum - verleitet hat. Eruptionskreuz nennt es Peter Thie in der Fachsprache. Er ist bei Exxonmobil in Dötlingen Ansprechpartner für die Öffentlichkeit sowie Behörden und kennt die Bohrstellen aus dem Effeff.

In den 80er Jahren hat man an dieser Stelle an der Kreuzung Schullenweg und Hoher Weg das Erdgasfeld "Visbek" angezapft. Rund 4000 Meter ging es seinerzeit in die Tiefe und das bei einem Bohrdurchmesser von rund einem Meter. Teleskopartig wurden die Rohre in der Tiefe versenkt und mit Beton stabilisiert. Das eigentliche Förderrohr kam zum Schluss und zwischen den beiden Rohren sorgt ein Korrosionsschutzmittel dafür, dass nichts rostet.

Trockner: Auf dem Gelände in Drantum wird das Sauergas getrocknet, bevor es zur Verdichterstation weitergeleitet wird. Foto: Thomas VorwerkTrockner: Auf dem Gelände in Drantum wird das Sauergas getrocknet, bevor es zur Verdichterstation weitergeleitet wird. Foto: Thomas Vorwerk

Millionen von Kubikmetern Sauergas wurden in den folgenden Jahrzehnten gefördert, bis die Bohrstelle an Ergiebigkeit einbüßte. Doch aufgeben wollte man die Zapfstelle noch nicht. In rund 500 Metern Entfernung wurde eine weitere Erdgas führende Gesteinsschicht ermittelt und bevor man noch einmal den kompletten Weg von der Ackerkrume bis zum Erdgaslager geht, wurde vor zwei Jahren eine Ablenkbohrung in Angriff genommen. Überirdisch konnte die komplette Infrastruktur weitergenutzt werden und die ersten 2800 Meter des Bohrlochs sollten ebenfalls weiterhin ihre Dienste verrichten.

Dann aber öffneten die Fachleute die Seitenwand und in großem Bogen wurde nach und nach in die Horizontale gearbeitet. Dabei hatte man sich gleichzeitig auch 1000 Meter in die Tiefe begeben. Nachdem alles stabilisiert wurde, konnte das Gas wieder strömen und an dieser Stelle werden bis heute pro Stunde 3300 Kubikmeter Gas gefördert. Für ein Einfamilienhaus wäre - reines Erdgas vorausgesetzt - damit die Versorgung für annähernd zwei Jahre gesichert.

Vor dem Weitertransport wird das Gas getrocknet

Doch ganz so einfach anzapfen kann man das Erdreich nicht. In dieser Region ist es in der Regel Sauergas, das hier gefördert wird und zudem noch wasserdampfgesättigt an die Oberfläche kommt. Getrocknet wird es an Ort und Stelle, was die großen Apparaturen an den Förderpunkten erklärt. Mittels Glykol wird der Energieträger vom Wasser befreit - anderenfalls könnten die Rohre beim Weitertransport korrodieren. Dann wird das getrocknete Gas mit einem Leitungsdruck von rund 20 Bar zur nächsten Verdichterstation geleitet - in diesem Fall nach Egterholz. Mit deutlich höherem Druck geht es dann zur Entschwefelungsanlage nach Großenkneten. Gereinigt ist es dann schließlich für den Endverbraucher nutzbar.

Am Ende bleibt kein Loch zurück

So gewaltig tief die Bohrung auch ragt, der Durchmesser des Förderrohrs beträgt gerade einmal dreieinhalb Zoll. Das sind knapp neun Zentimeter, was dem Durchmesser einer großen Cola-Flasche entspricht.

Sollte die Lagerstätte irgendwann erschöpft sein, bleibt übrigens kein Loch zurück. Der Strang wird entfernt und der Hohlraum wird mit Beton verfüllt.

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