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Der Preis des Eises

Gästebuch: 1,40 bis 1,50 Euro kostet eine Kugel Eis in Cloppenburg mittlerweile. Ein heißer Preis für die kalte Süßigkeit. Da kommen Erinnerungen an früher hoch.

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Frida will stets Erdbeereis. Zwei Kugeln und in einer Waffel, nicht im Becher. An einem guten Tag vertilgt sie noch einen Erdbeershake dazu. Dann ist sie satt und Opa um einen runden Zehner ärmer. Preisabsprachen sind ja verboten. Aber auch ohne Kartell haben sich die Eis-Kreis-Cloppenburger auf einen Betrag festgelegt. Die Preistafeln sind überpinselt. Man kann ja nicht jedes Jahr neue Hochglanzkarten drucken. 1,40 Euro bis 1,50 Euro kostet die Kugel in 2023. Ein heißer Preis fürs kalte Eis.

Vor rund 50 Jahren, als in Cloppenburg die erste Eisdiele eröffnete, sah das noch ganz anders aus. 30 Pfennig verlangte damals das Eiscafé Rizzardini am Ende der Langen Straße für eine Kugel. Waffel natürlich inbegriffen.

Davon wollen die Eiskonditoren-Nachfahren von damals heute nichts mehr wissen. Aber pfennigfuchsende Zeitgenossen haben errechnet, dass die Kugel von damals mit 30 Pfennig heute 30 bis 40 Cent kosten dürfte, wenn man Kaufkraft, Einkommen und Kosten mit einberechnet. Und nicht mit 1,40 Euro mehr als das Dreifache.

Uniteis-Sprecherin Carnio beklagt das Schicksal ihrer Eismacher (m,w,d). Früher hätten die Betreiber der Eisdielen wenig übrig gehabt am Ende der Saison. Familienmitglieder mussten ohne Bezahlung mithelfen. 12 Stunden am Tag, 7 Tage lang. Und die Portionen von heute seien keine Kugeln von vorgestern mehr. In den 1960er Jahren sei für eine Kugel 25 bis 30 Gramm Standard gewesen. Dies könne man heute nicht mehr verkaufen.

„Die Kreisstadt war das Eis-Zentrum. In den Dörfern drumherum gab es sowas noch nicht.“

Otto Höffmann

Eine Eiskugel wiege heute 80 bis 100 Gramm, behauptet Lobbyistin Carnio. Das mag jeder für sich nachwiegen. Doch mit Minus ist kein Italiener von Südoldenburg aus zurück in seine Heimat gefahren, wenn er im Oktober den Schlüssel seiner Eisdiele abzog. Die Kreisstadt war das Eis-Zentrum. In den Dörfern drumherum gab es sowas noch nicht. Gino de Martin und seine Frau Maria erweiterten neben Rizzardini das Eisangebot in Cloppenburg und wechselten dann nach Friesoythe, um sich dort erfolgreich selbständig zu machen. Roberto Benedetti und seine Frau Albina übernahmen in der Kreisstadt.

Sie, wie viele andere Eiskonditoren aus der Region, stammen aus der Provinz Treviso in Venetien, also Norditalien, rund um Conegliano, circa 6O Kilometer vor Venedig. Da verwundert es nicht, dass zahllose Eisdielen „Venezia“ heißen – in Werlte, Garrel, Friesoythe oder sonstwo. In Cloppenburg heißen die beiden Eisdielen sogar „Venezia 1“ und „Venezia 2“. Man kann nur heilfroh sein, dass sie nicht „Napoli“ heißen und die Betreiber aus dem Süden stammen. Wenn sich Mafiosi in Eisdielen wie in Duisburg oder Siegen treffen, sitzt die Knarre aus Kalabrien wohl locker. Und ständig muss das Eis gewaschen werden, bis es rein ist, wobei natürlich die Unschuldsvermutung gilt.

Unsere Venetier von Barbisano bis Refrontolo sind da friedfertiger. Sie nehmen für die Eiskugel auch gesalzene oder gepfefferte Preise und schauen dich treuherzig an. Doch mit Mafia und Schießgewehr haben sie gemeinhin wenig am Hut. Was anderes gilt, wenn es sich um ein Schützenfest handelt. Dann schießt ein Gino de Martin wie vor Jahren in Friesoythe schon mal den Vogel ab und wird Schützenkönig. Völlig ohne Mafia, nur mit legalen Drogen und einer bezaubernden Königin. Und da es montags auf dem Fest Freibier ohne Ende gibt, darf das Eis auch das Dreifache von früher kosten. Isst man eben eine Kugel weniger.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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