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Das ist Betriebstreue: Günther Preuß geht nach 47 Jahren bei Goda in den Ruhestand

Zu Beginn absolvierte der Langenberger eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Doch seine Profession fand er im Teilelager des Autohauses Damme. Das baute er auf und leitete es bis zuletzt.

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Schluss nach fast 5 Jahrzehnten: Günther Preuß hat beinahe ein halbes Jahrhundert im Autohaus Goda gearbeitet. Nun ist er in den Ruhestand getreten. Foto: Lammert

Schluss nach fast 5 Jahrzehnten: Günther Preuß hat beinahe ein halbes Jahrhundert im Autohaus Goda gearbeitet. Nun ist er in den Ruhestand getreten. Foto: Lammert

Die Geschichte des VW Golf zeigt, wie lang der Zeitraum ist, den der Langenberger Günther Preuß, nur unterbrochen von der 15-monatigen Wehrdienstzeit, im Autohaus Benno Goda an der Wiesenstraße in Damme tätig gewesen ist: Als er am 1. April 1975 dort seine Ausbildung zum Bürokaufmann begann, hatte der Wolfsburger Konzern gerade den Golf I auf den Markt gebracht. Inzwischen rollt die achte Generation auf den Straßen.

Günther Preuß ist nach 47 Arbeitsjahren, davon die meisten als Teiledienstleiter, in den Ruhestand getreten. So lange in einem Unternehmen – das schafft heute kaum noch ein Mitarbeiter. Zwar habe er auch zwei- oder dreimal überlegt, seinen Arbeitgeber zu wechseln, sagt der heute 64-Jährige. Aber dann einigte er sich immer wieder mit seinem Chef.

Benno Goda sen. überträgt Preuß den Aufbau des Teiledienstes

Der hieß zunächst Benno Goda sen., dann Benno Goda jun. und bei seinem Abschied Kai Goda. Auch das dürfte heute Seltenheitswert haben, dass ein Mitarbeiter unter Chefs aus drei Generationen einer Familie tätig gewesen ist.

Günther Preuß, längst selbst Großvater, sagt, er sei mit allen drei Godas gut ausgekommen. Immerhin war sein erster Chef offenbar so überzeugt von seinem einstigen Lehrling, dass er ihn zum Ende von dessen Bundeswehrzeit anrief und fragte, ob er den neuen Teiledienst aufbauen wolle. Günter Preuß wollte.

VW unterstützt Preuß bei neuer Aufgabe mit Grundlehrgang

Ein Lager im modernen Sinne habe bis dahin im Betrieb nicht wirklich existiert, erinnert sich Preuß, der sich Mitte der 1980er Jahre in einem Grundlehrgang auf die neue Aufgabe vorbereitete. Von Computern war noch keine Spur. Die Lagerverwaltung erfolgte über Lochkarten sowie das Suchen der Teile mit Hilfe von Lesegeräten und Planfilmen.

"Es war mit dem Beginn des neuen Teiledienstes klar definiert, wo jedes Teil zu finden ist", sagt Günter Preuß. Das setzte und setzt auch voraus, dass der Warenausgang und -eingang exakt abgebildet sind. Auch schon in den 1980er Jahren. Deshalb: Jedes Teil, das er damals ausgab, musste er auf einer Lochkarte vermerken. Am Monatsende gingen die Lochkarten an den Lieferanten, der nach den Karten die Lieferungen für das Autohaus in Damme zusammenstellte. Damals befand sich das zentrale VW-Auslieferungslager für Goda in Emsdetten.

"Wir hatten damals zum Beispiel auch komplette Käfermotoren und noch Karosseriebauteile wie Türen und Kotflügel vorrätig."Günther Preuß

Seinerzeit unterschied sich das Teilelager an der Wiesenstraße erheblich von dem heute. "Wir hatten damals zum Beispiel auch komplette Käfermotoren und noch Karosseriebauteile wie Türen und Kotflügel vorrätig", sagt Günther Preuß.

Das hat sich geändert. Zum einen ist die Zahl der Modellvarianten so groß geworden, dass es unmöglich ist, alle Bauteile zu bevorraten, zum anderen treffen heuer zwei bis drei Ersatzlieferungen pro Tag im Autohaus ein. Deshalb: "Karosserieteile haben wir schon ewig nicht mehr auf Lager."

Früher waren 4 Ölfiltertypen vorrätig, heute sind es bis zu 30

Wie unterschiedlich die Ersatzteilanforderungen längst sind, verdeutlich der Neu-Rentner Preuß am Beispiel "Ölfilter". Verwaltete er in den 1980er Jahre 3 oder 4 verschiedene Filtertypen, so sind es heute rund 30. Im Lager finden sich überwiegend gängige Ersatzteile etwa rund um die Bremsen, Inspektionsteile wie Wischerblätter sowie das Sonderwerkzeug.

Ein ganz besonderer Reiz war es für Günther Preuß in den 1980er Jahren, die EDV-Verwaltung im Teiledienst, in dem er fast 30 Jahre mit Mario Knebel zusammenarbeitete, aufzubauen und im Laufe der nächsten Jahrzehnte stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Die Arbeit mit der EDV habe ihm nie Probleme bereitet. Allerdings habe er dafür auch regelmäßig von VW organisierte Lehrgänge besucht.

"Langeweile hatte ich während meines Berufslebens nie."Günther Preuß

"Langeweile hatte ich während meines Berufslebens nie", erklärt Günther Preuß. An seinem letzten Arbeitstag, an dem er viel Lob von Benno Goda jun. für seine Arbeit hörte, schloss sich in gewisser Weise ein Kreis. Denn er wurde in einem alten VW Käfer zur Arbeit gefahren.

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