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BOGE-Umsatz in Damme bricht bis zu 75 Prozent ein

Der Automobilzulieferer steckt wie die gesamte Branche in der Krise. Dr. Torsten Bremer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BOGE Rubber & Plastics Group, sieht keine Besserung.

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Krisenmanager: Dr. Torsten Bremer hat im Moment wenig Grund zu lächeln. Die Fakten, die er über den Stand der Dinge beim Automobilzulieferer BOGE mitteilt, geben für kurzfristigen Optimismus keinen Anlass. Foto: Witkows

Krisenmanager: Dr. Torsten Bremer hat im Moment wenig Grund zu lächeln. Die Fakten, die er über den Stand der Dinge beim Automobilzulieferer BOGE mitteilt, geben für kurzfristigen Optimismus keinen Anlass. Foto: Witkows

Die aktuelle Lage der Automobilindustrie und damit auch der Zuliefererbetriebe ist auch wegen der Folgen der Corona-Pandemie sehr angespannt. Dr. Torsten Bremer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BOGE Rubber & Plastics Group und damit auch Chef des BOGE-Werks in Damme, sieht auf längere Sicht keine Rückkehr zu einer stabilen Marktlage bei den Autobauern und deren Zulieferern. Zudem rechnet er wegen der Elektromobilität mit einer spürbaren Veränderung der Unternehmenslandschaft. Ob und wenn ja wie viele Arbeitsplätze BOGE abbauen muss, lässt Dr. Bremer offen.

Wie ist die aktuelle Situation bei BOGE?

Wie alle Unternehmen in der Automobilindustrie ist auch BOGE stark von Umsatzrückgängen betroffen. Und zwar weltweit. Corona hat sich seit Anfang des Jahres von Asien über Europa bis auf den amerikanischen Kontinent ausgebreitet, und hat zum Stillstand der Automobilindustrie zwischen drei und zwölf Wochen, je nach Region, geführt. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die pandemiebedingten Kaufkrafteinbußen und Unsicherheiten bei potenziellen Käufern seit Monaten ein enormer Einbruch von Fahrzeugneubestellungen erfolgt ist.

"Also reden wir von einem nahezu völligen Stillstand dieser Industrie."Dr. Torsten Bremer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BOGE Rubber & Plastics Group

Lässt sich bereits abschätzen, wie hoch die Produktions- und Umsatzeinbrüche in diesem Jahr bei BOGE sein werden?

Im April wurden in Deutschland 97 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat produziert. Also reden wir von einem nahezu völligen Stillstand dieser Industrie. Unsere globalen Umsätze sind in der Spitze um zwei Drittel eingebrochen, in unserem Werk in Damme um bis zu 75 Prozent. Die Prognosen für die weltweite Fahrzeugproduktion im laufenden Gesamtjahr bewegen sich zwischen minus 20 und minus 25 Prozent gegenüber 2019. Konsequenterweise erwarten wir für dieses Jahr einen Umsatzrückgang in vergleichbarer Dimension. Von Planbarkeit kann allerdings keine Rede sein. Insofern sind Hochrechnungen auf das Gesamtjahr mit großen Unsicherheiten behaftet. Die derzeitigen Prognosen gelten unter der Prämisse, dass es in keinem wesentlichen Produktionsland zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Wird es wegen der aktuellen Krise zu einem Arbeitsplatzabbau kommen?

Wir haben erst vor zirka einem Jahr eine fünfjährige Standort- und Beschäftigungssicherung für alle deutschen Betriebe vereinbart. Natürlich unter völlig anderen Rahmenbedingungen. Mit einem solchen, noch nie da gewesenen Umsatzeinbruch hat niemand rechnen können. Dass bei in der Spitze 75 Prozent weniger Umsatz eine deutliche Unterauslastung entsteht, muss man nicht erklären. Wir sind seit Monaten intensiv in Kurzarbeit, und es ist auch noch auf längere Zeit keine Rückkehr in eine stabile Marktlage erkennbar. Zeitarbeitskräfte und Befristungen mussten wir konsequent auslaufen lassen, Nachbesetzungen frei werdender Stellen finden intern statt. Dennoch bleiben deutliche Überkapazitäten, die unser Ergebnis nachhaltig belasten werden. Wir beschäftigen uns intensiv mit diesen Herausforderungen und führen, wie üblich in solchen Situationen, hierzu sachliche Gespräche mit den Sozialpartnern.

Pandemie führt zu lang anhaltenden Marktproblemen

Wann rechnet die Geschäftsführung mit einem Wiederanziehen der Produktion?

Genau das ist das Hauptproblem. Alle vorherigen Krisen gingen verhältnismäßig schnell vorüber. Die aktuelle Pandemie wird aber nach den Analysen aller Fachleute zu sehr lang anhaltenden Marktproblemen führen. Ich bin kein Prophet, wenn ich sage, dass wir aufgrund dieser Rahmenbedingungen in Deutschland in einigen Industrien, die Autoindustrie vorneweg, einen spürbaren Anteil der heutigen Kurzarbeit in der Beschäftigungslosigkeit wieder finden werden. Es wird allgemein damit gerechnet, dass die Fahrzeugproduktion auf globaler Ebene nicht vor 2023 wieder auf das Niveau zurückkehrt, welches wir in 2018 bereits hatten. Und fünf Jahre wird kein Unternehmen Kapazitäten, die nachhaltig unterausgelastet sind, an Bord halten können.

Was beeinflusst die aktuelle Situation noch?

Hinzu kommt der Wandel zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Durch den Wegfall des Verbrennerantriebes fallen zusätzlich sehr viele Arbeitsplätze bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern weg. Den Zulieferern geht es massiv an die Rücklagen. Die Unternehmenslandschaft wird sich unweigerlich deutlich verändern.


  • Info: Das Unternehmen BOGE beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 4000 Mitarbeiter, davon etwa 1000 in Deutschland. Neben Damme hat es in Deutschland Standorte in Simmern und Bonn. Hinzu kommen drei Werke in China sowie jeweils eins in den USA, in Frankreich, in der Slowakei, Brasilien und Mexiko. Seit 2014 ist das Unternehmen Teil des chinesischen TMT-Konzerns.

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