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Umfrage im OM-Amateurfußball: Der Geldhahn wird schon in der Kreisliga geöffnet

Eine Befragung unter allen Vereinen gewährt Einblicke in die Bezahlkultur – aber der Großteil schweigt. Ein Bezirksligist findet die Bezahlung „absolut in Ordnung“, ein Kreisligist übt scharfe Kritik.

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Meistens ist auch Geld im Spiel: Das gilt nicht nur im Amateurfußball des Oldenburger Münsterlandes. Foto: Lünsmann

Meistens ist auch Geld im Spiel: Das gilt nicht nur im Amateurfußball des Oldenburger Münsterlandes. Foto: Lünsmann

Jeder weiß es, alle reden darüber – aber keiner will es wirklich zugeben. Oder fast keiner. Dass im Amateurfußball viel Geld fließt, ist nicht mal mehr ein offenes Geheimnis – es ist eine Tatsache. Auch im Oldenburger Münsterland erhalten zahlreiche Fußballer für ihr Hobby eine sogenannte „Aufwandsentschädigung“ – ob nun vom Verein oder vom Sponsor, per Briefumschlag oder per Überweisung. Die Klubs drehen den Geldhahn auf, und die Kicker halten ihre Hände darunter.

Aber wie weit verbreitet ist die Bezahlkultur im Amateurfußball in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta? Wie viele Spieler erhalten Geld? Wie hoch sind die Summen? Und gibt es noch andere sachliche Zuwendungen für die Spieler? Die OM-Medien-Sportredaktion hat versucht, mit einer Umfrage Licht ins Dunkel zu bringen.

Bereits am 7. Februar wurde Funktionären aller 73 Vereine in den beiden Fußballkreisen dazu auf freiwilliger Basis ein Bogen zugeschickt, der neun Fragen zur Bezahlung in ihrer ersten Herrenmannschaft enthielt. Den Vereinen wurde dabei auch die Möglichkeit gegeben, ihre Angaben anonym zu übermitteln. Das Ziel war es, ein möglichst vollständiges und transparentes Bild über die Bezahlkultur im OM-Fußball zu erhalten. Wie erwartet, ließ sich dieses Vorhaben nicht in die Tat umsetzen.

Nur 16 von 73 Vereinen nehmen an der Umfrage teil

Von den 73 Vereinen haben aus beiden Kreisen nur 16 einen ausgefüllten Bogen zurückgeschickt. Der Rest hat nicht reagiert. Die Antwortquote liegt damit nur bei 21,91 Prozent. Und trotzdem lassen sich aus den Angaben der 16 Teilnehmer einige Schlüsse ziehen. Denn sie beweisen das, was hinter den Banden an den Sportplätzen im Oldenburger Münsterland mit mehr oder weniger vorgehaltener Hand schon seit Ewigkeiten besprochen wird: Ja, auch im Amateurfußball fließt Geld, auch schon in der Kreisliga.

Fünf der 16 Vereine gaben an, dass bei ihnen einige oder alle Spieler eine Aufwandsentschädigung erhalten. Der Landesligist, die zwei Bezirksligisten und die zwei Kreisligisten haben ihre Angaben anonym gemacht – was auch auf fünf weitere Klubs zutrifft. Offene Rückmeldungen gab es von BV Bühren, 1. FC Varenesch, SV Handorf-Langenberg (alle Kreisliga) sowie von DJK Elsten, Viktoria Elisabethfehn und SV Carum (alle 1. Kreisklasse). Diese Vereine kommunizieren offen, dass ihren Spielern kein Geld gezahlt werde. Ohne Salär organisieren sich zudem ein Bezirksligist, ein Kreisligist, zwei Teams aus der 1. und eines aus der 2. Kreisklasse – sie möchten namentlich nicht genannt werden.

„Spitzenreiter“ in der Budget-Tabelle ist laut den Angaben ein Bezirksligist, bei dem die jährlichen Ausgaben auf 50.000 Euro taxiert werden. In dieser Mannschaft erhält jeder Spieler eine Aufwandsentschädigung, sie liegt im Schnitt zwischen 200 und 250 Euro. Die höchste Aufwandsentschädigung liegt bei 300 Euro. Der Verein gab zudem an, dass die Pauschale bei geringerem Aufwand gekürzt werde.

Der Fußball-Obmann des Bezirksligisten sagt, dass er es „absolut in Ordnung“ findet, dass seine Spieler etwas Geld erhalten. „Der Aufwand durch das Training und die Spiele ist nun mal da. Auch bei uns kicken zum Beispiel mehrere Jungs, die anderswo studieren und daher Fahrtgeld bekommen.“ Er kritisiert allerdings scharf, dass einige Vereine bei den so genannten Aufwandsentschädigungen „völlig überdrehen“ und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Landesligist einem unserer Spieler das Vierfache anbietet, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.“ Vielleicht sei er naiv, „aber ich würde mir schon etwas mehr Fußball-Romantik wünschen“.

In seinem Verein gibt es mehrere Gönner, die für das Budget in Höhe von 50.000 Euro sorgen. „Wir haben zwar ein Zugpferd, aber keinen Mäzen, bei dem das Kartenhaus einstürzen würde, wenn er plötzlich keine Lust mehr hat. Sich auf eine Person zu verlassen, halte ich für bedenklich“, so der Funktionär.

Keine Aufwandsentschädigungen: Beim BV Bühren (rote Trikots) bekommen die Spieler laut Verein kein Geld. Foto: LangoschKeine Aufwandsentschädigungen: Beim BV Bühren (rote Trikots) bekommen die Spieler laut Verein kein Geld. Foto: Langosch

Ein Landesligist berichtet unterdessen, dass die Aufwandsentschädigung nach Einsätzen gestaffelt werde und im Durchschnitt bei 100 Euro liege – und in der Spitze bei 250 Euro. Das Budget betrage 20.000 Euro, hier erhalten die Spieler weitere Zuwendungen: Mitgliedschaften in Fitnessstudios, Fußballschuhe und Trainingsausrüstung. Ein weiterer Bezirksligist zahlt seinen Spielern pauschal 50 Euro als Aufwandsentschädigung. In etwa so sieht es auch bei einem Kreisligisten aus, der sein Jahresbudget auf 10.000 Euro beziffert und nach Anzahl der absolvierten Trainingseinheiten bezahlt. Beim zweiten Kreisligisten erhalten nur drei Spieler Geld – im Schnitt 150 Euro, in der Spitze 250 Euro. Das Jahresbudget liegt bei 7.000 Euro.

Für andere Vereine sind solche Summen unvorstellbar und unverständlich. BV Bührens Klubchef Philipp Gellhaus erklärt, dass es ein „Grundsatz“ des Vereins sei, dass Spieler kein Geld bekommen. „Wenn diese Zahlen, die da immer unterwegs sind, auch nur zu Hälfte stimmen, ja dann frage ich mich, was das noch mit ehrlichem Vereinssport zu tun hat“, sagt er und stellt die Frage: „Läuft das alles offiziell? Ich möchte nicht wissen, auf was für dünnem Eis sich einige Vereine diesbezüglich bewegen. Dass dieses ‚Geschäft‘ schon in den unteren Klassen so stattfindet, ist keine gute Entwicklung.“ Einerseits auf viele Ehrenamtler angewiesen zu sein und andererseits Hobbyfußballern Geld zu zahlen, sei nur schwer zu vereinbaren.

Gellhaus weist darauf hin, dass Geld von „Gönnern“ auch dem Zusammenhalt schade und die Spieler oft schnell wieder weg seien. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Studie des Soziologen Tim Frohwein: Demnach bleiben Spieler, die Geld erhalten, im Schnitt nur 2,8 Jahre bei einem Verein und schätzen die Geselligkeit weniger – ohne Bezahlung bleiben sie 5,6 Jahre.

Laut ARD sind pro Saison 500 Millionen Euro an Schwarzgeld unterwegs

Eine Online-Befragung der ARD in Zusammenarbeit mit Correctiv mit 8000 männlichen Teilnehmern – im Frauenfußball wird deutlich seltener eine Aufwandsentschädigung gezahlt – hat ergeben, dass monatlich rund 100 Millionen Euro an Amateurspieler gezahlt werden. Die Hälfte des Geldes fließe an den Finanzämtern vorbei. Somit seien pro Saison knapp 500 Millionen Euro an Schwarzgeld im Amateurfußball unterwegs. Wenn das Geld im Fußball nicht mehr fließt, kann es schnell vorbei sein.

Ein trauriges Beispiel dafür ist der 1919 gegründete BV Cloppenburg. Bis 2016 spielten die Männer noch in der Regionalliga. Sechs Jahre später wurde der insolvente BVC aus dem Vereinsregister des Kreissportbundes gelöscht.

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