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Ty Harrelson: Mit Ehrgeiz und Herzblut in eine neue Rasta-Ära

Der neue Coach soll Vechtas Basketballer zurück in die ProA-Spitze führen. Dafür fehlen ihm aktuell noch vier bis fünf Profis. Der Sportdirektor schwärmt derweil vom Trainer.

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Sein neuer Arbeitsplatz: Rastas Coach Ty Harrelson im Rasta-Dome. Foto: Bente

Sein neuer Arbeitsplatz: Rastas Coach Ty Harrelson im Rasta-Dome. Foto: Bente

Der Hoffnungsträger für die nähere Zukunft nahm Platz vor den Helden der Vergangenheit; besser gesagt: vor deren Trikots. Im Konferenzraum auf der Geschäftsstelle von Rasta Vechta hängen die vier BBL-Allstar-Shirts von Dirk Mädrich, Christian Standhardinger, T.J. Bray und Austin Hollins an der Wand. Und als sich Ty Harrelson, der neue Coach des heimischen Basketball-Zweitligisten, im ersten OM-Medien-Interview zu den Trikots umdreht, muss er kurz schmunzeln. „Ich weiß nicht, wessen Trikot hier als nächstes aufgehängt wird. Unser Ziel ist es jetzt erst mal, erfolgreich zu spielen“, sagt der 41-Jährige.

Sein Auftrag ist es, Rasta zurück in die Spitzengruppe der 2. Bundesliga ProA zu führen. Nach der verkorksten Serie 21/22 ohne Playoff-Qualifikation will der Ex-Erstligist wieder ein Wörtchen im Aufstiegsrennen mitreden. Mit Harrelson als Taktgeber. Seit Donnerstagmittag ist der Nachfolger von Vladimir Lucic in Vechta, ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag mit diversen Optionen. „Ich freue mich sehr, hier zu sein“, sagt Harrelson, der Rastas neunter Trainer in den vergangenen zehn Jahren ist.

Seine Anreise zum neuen Job war lang, verdammt lang sogar. „Über 20 Stunden war ich unterwegs“, verrät der Amerikaner, der seit 2015 auch die australische Staatsbürgerschaft hat. Seine Familie lebt in Bunbury im Bundesstaat Western Australia knapp 200 Kilometer südlich von Perth. Dort begann auch der Trip gen Germany. Nach drei Flügen von Perth über Singapur und Frankfurt nach Düsseldorf wurde Harrelson, der in der vergangenen Saison nach Hospitanzen in Kaunas, Bayreuth und Heidelberg seinen Ex-Klub TV Langen übernahm und zum Klassenerhalt in der 1. Regionalliga Südwest führte, von Gerrit Kersten-Thiele nach Vechta chauffiert. Rastas Sportdirektor war es auch, der Harrelson nach einem intensiven Trainer-Casting das Neustart-Projekt anvertraute.

Harrelson freut sich auf ein besonderes Wiedersehen

„Ich bin Gerrit und Rasta für die Chance sehr dankbar“, sagt Harrelson. Eingefädelt wurde der Deal von Jan Rohdewald, Harrelsons Berater und Ex-Mitspieler in Osnabrück (Saison 09/10). In Langen löste der Abgang des Retters vor dem Abstieg gemischte Gefühle aus. Manager Jürgen Barth hielt fest: „Natürlich freuen wir uns für ihn, dass er diese Chance bekommt, aber wir hätten ihn gerne behalten.“

Zu den ersten Gratulanten zum neuen Job bei Rasta gehörte übrigens Branislav „Frenkie“ Ignjatovic. Der Serbe, jahrelang Coach in Kirchheim (2008 bis 2014) und Heidelberg (2014 bis 2022), und Harrelson starteten 2005 gemeinsam in Langen. „Frenkie war mein erster Coach als Profi. Wir sind immer in Kontakt geblieben“, so Harrelson, „ich freue mich sehr auf das Wiedersehen.“ Ignjatovic hat nach dem Ausscheiden in Heidelberg das Traineramt beim BBL-Absteiger Gießen übernommen.

Kersten-Thiele ist davon überzeugt, dass Harrelson „das gesamte Programm in Vechta voranbringen wird“. Der Sportdirektor schwärmt von der „zugänglichen und kommunikativen Art“ des neuen Trainers, von seinem „Ehrgeiz und Herzblut“. Für die ProA-Chance nimmt Harrelson auch die Trennung von der Familie auf sich. 14.000 Kilometer Distanz, sechs Stunden Zeitunterschied – keine einfache Konstellation. „Wir haben eine feste Zeit für Facetime-Telefonate abgemacht“, verrät Harrelson, der wie seine Vorgänger Pedro Calles und Thomas Päch eine Wohnung in Bergstrup bezogen hat. Die Wege sind kurz. „Ich fahre gerne mit dem Rad“, erzählt Harrelson, der am Montag auch sein Fahrrad in Empfang nahm; ein Freund in Langen hatte es zwischengelagert.

Von den „tollen Möglichkeiten“ an der Pariser Straße hatte er zuvor nur gehört, am Wochenende konnte er sie erstmals selbst in Augenschein nehmen. „Und sie sind wirklich großartig“, sagt er mit Blick auf den Dome und das Gym sowie die benachbarte Geschäftsstelle: „Es ist einfach, sich hier wohlzufühlen.“ Harrelson schaute am Freitag gleich beim ProB-Sichtungstraining zu und verfolgte danach intensiv den 5. „Alte Oldenburger Cup“ für U-14-Teams.

Zeit für einen ersten Spaziergang durch die neue Wahlheimat inklusive City-Check blieb auch. „Es ist sehr schön hier, vor allem sehr sauber“, sagt Harrelson. Große Häuser und akkurate Gärten, willkommen im Oldenburger Münsterland. „Man merkt, dass sich die Menschen hier um ihr Hab und Gut kümmern“, so Harrelson. Und große Autos? „Ich komme aus Texas, da fährt jeder ein großes Auto, noch größer als hier.“

Rasta-Quartett reist am 7. Juli in die USA

Apropos USA: Am 7. Juli geht's für Harrelson, seine beiden Co-Trainer Miguel Zapata und Marius Graf sowie Kersten-Thiele in die Staaten. Kein Betriebsausflug, sondern sieben Tage Basketball rund um die Uhr bei der NBA Summer League in Las Vegas. Spieler sichten, Agenten treffen, Kontakte knüpfen und als Gruppe zusammenfinden – es gibt einiges zu tun.

In Joel Aminu, Robin Lodders, Joschka Ferner und Tajuan Agee sowie den Neuzugängen Enosch Wolf und Jordan Johnson hat Rasta bereits sechs Profis unter Vertrag, hinzu kommen Johann Grünloh, Noah Jänen und Kilian Brockhoff als Youngster mit ProB-Schwerpunkt. „Damit bin ich bislang sehr glücklich“, sagt Harrelson. Vier bis fünf Profis sollen bis zum Trainingsstart (15. August) noch folgen. Gehört Josh Young dazu? Gibt's eine siebte Rasta-Saison für den Kapitän? Harrelson lässt Kersten-Thiele antworten. „Wir sind in Gesprächen“, sagt der Sportdirektor. Mehr verrät er nicht, nur: „Alles ist offen.“


Zur Person: Ty Harrelson

  • Geburtstag: 22. September 1980
  • Geburtsort: Houston/Texas
  • Größe: 1,93 m
  • Nationalität: USA, Australien
  • Familienstand: verheiratet mit Belynda, drei Kinder (Luke/15, Emma/13, Lily/4)
  • Wohnort der Familie: Bunbury (Bundesstaat Western Australia)
  • Studium: Bachelor in „Business Administration“; Master in „Athletic Coaching“
  • Position als Spieler: Point Guard
  • Stationen als Spieler:
    Wayland Baptist Un. (2001-2003)
    Virtus Maggiore/ITA (2003)
    Fresno Heat Wave(2003-2005)
    TV Langen (2005/06)
    BBC Bayreuth (2006-2008)
    Joenssun Kataja/FIN (2008)
    Szombathely/HUN (2008)
    Ballers Osnabrück (2009/10)
    Cockburn Cougars/AUS (2011)
    Goldfields Giants/AUS (2012)
    South West Sla./AUS (2013-15)
  • Stationen als Co-Trainer:
    Goldfields Giants (2012, Australien, State Basketball League)
  • Stationen als Trainer:
    South West Slammers (2013 bis 2015, Spielertrainer, Australien, State Basketball League)
    Wayland Baptist University in Plainview/Texas (2015 bis 2021, USA, Sooner Athletic Confer.)
    TV Langen (Dez. 2021 bis Mai 2022, 1. Regionalliga Südwest)
    Rasta Vechta (seit 1. Juni 2022)

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