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Stefan Niemeyer: "Bin froh, wenn's bald vorbei ist"

Der Klubchef von Rasta Vechta spricht vor dem Spiel am Freitag gegen Alba Berlin über den bevorstehenden Abstieg aus der Basketball-Bundesliga, den Trainerwechsel und Verträge bis 2022.

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Er blickt zurück - und nach vorne: Rastas Klubchef Stefan Niemeyer. Foto: Schikora

Er blickt zurück - und nach vorne: Rastas Klubchef Stefan Niemeyer. Foto: Schikora

Wochenlang führte er die Riege der Optimisten an, er verwies auf das Restprogramm, glaubte unverdrossen an eine Wende zum Guten. Doch damit ist jetzt Schluss. Auch Stefan Niemeyer blickt der Realität ins Auge. „Der sportliche Abstieg ist besiegelt“, erklärt der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Rasta Vechta. Die Misere mit 25 Niederlagen in 30 Spielen hat Spuren hinterlassen, die Mischung aus Frust und Resignation ist nicht zu überhören. „Ich bin froh, wenn's bald vorbei ist, wenn wir den 10. Mai haben und diese Saison ein Ende hat“, sagt Niemeyer.

Seit dem letzten Wochenende sind Rastas Chancen gleich Null. Das eigene 81:98 in Crailsheim und das 81:76 des Mitteldeutschen BC in Frankfurt bildeten für den Tabellenletzten eine unheilvolle Allianz. Dass Rasta den Rückstand von vier Siegen noch aufholen kann, glaubt eigentlich keiner mehr – auch Niemeyer nicht. „Wenn man gesehen hat, wie Alba Berlin die Bayern überrollt hat, dann weiß ich nicht, wie wir eine Chance haben wollen – das wäre ein Wunder“, sagt der Klubchef vor dem vorletzten Heimspiel in dieser Saison gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger Alba Berlin (Freitag, 19.00 Uhr). Und weiter: „In Crailsheim hatten wir mit Peno und Barnett wieder zwei Totalausfälle. Und Hunt war noch nicht wieder fit. Wo soll da die Hoffnung herkommen?“

Bei einer Niederlage gegen den Double-Gewinner, der am Sonntag den FC Bayern mit 100:62 zerlegt hat, hätte sich auch Rastas Mini-Chance auf den Klassenerhalt in Luft aufgelöst – dann wäre der dritte Abstieg aus der BBL nach 2014 und 2017 perfekt, dann wären die folgenden drei Kellerduelle in Gießen, gegen den MBC sowie in Würzburg bedeutungslos.

Niemeyer erwartet Einsatz bis zum Schluss

Bedeutungslos? Niemeyer will das so nicht stehen lassen. „Wenn der Abstieg am Freitagabend auch rechnerisch perfekt sein sollte, dann muss es der Anspruch sein, noch 17. zu werden“, sagt er mit Nachdruck. Spekuliert Rasta auf einen freien Platz im Oberhaus? Darauf, dass es vielleicht nur einen Absteiger geben könnte? „Dazu will ich mich noch nicht äußern“, erklärt Niemeyer. Fakt ist: In den Playoffs der 2. Bundesliga ProA könnte es mit den Bayer Giants Leverkusen einen Finalisten geben, der nicht aufsteigen kann. Leverkusen und Science City Jena gehen am Sonntag in der Playoff-Gruppe 1 punktgleich in den letzten Spieltag. Jena hat eine BBL-Lizenz beantragt, Leverkusen nicht.

Bahnt sich ein Wildcard-Verfahren an? Konkrete Anzeichen dafür gibt es noch nicht, ausgeschlossen ist es allerdings auch nicht. Die letzte Wildcard in der BBL ging 2015 an den Tabellenletzten Crailsheim, als durch den freiwilligen Rückzug der Artland Dragons aus der 1. Liga ein Platz frei wurde. Der Gang durch die Hintertür kostete die Merlins damals 250 000 Euro. Zur Saison 2019/20 wurde die Wildcard-Gebühr auf 700 000 Euro erhöht. Ein dickes Brett, vor allem in Corona-Zeiten. Würde die Gebühr eventuell sogar reduziert? Auch eine Frage, die durch die Szene geistert. Niemeyer, der im Februar 2019 im Zuge der Erhöhung der Wildcard-Kosten eher der Fraktion der Hintertür-Gegner angehörte („Per Wildcard in der Liga zu bleiben, finde ich sehr fragwürdig“), ist bei dem Thema bemüht, den Blick auf das Sportliche zu lenken: „Ich erwarte, dass das Team bis zum Schluss versucht, das Beste rauszuholen.“

Im bisherigen Verlauf der Saison, der fünften von Rasta in der 1. Liga, ist das selten gelungen. „Wir haben die Seuche“, erklärt Niemeyer und meint das „riesige Verletzungspech“. Zuletzt in Crailsheim fielen auch noch Tim Hasbargen und Will Vorhees aus. Ob Letzterer beim Doppelpack gegen Berlin sowie in Gießen (Sonntag, 18.00 Uhr) mitwirken kann, ist fraglich. Auch Jesse Hunt ging es nach seiner Rückkehr nach einer Gehirnerschütterung alles andere als gut.

Coach Derrick Allen ist nicht zu beneiden. Einige neue Ansätze waren seit seiner Amtsübernahme zu erkennen, aber die dünne Personaldecke gibt nicht mehr viel her. Auf die Frage, ob der Trainerwechsel und die neuen Impulse zu spät kamen, antwortet Niemeyer vielsagend: „Im Nachhinein ist man immer schlauer.“ Steckte die Karre zu tief im Dreck fest? „Ja“, sagt Niemeyer ernüchtert. Allen habe versucht, Dinge zu ändern, „aber das Kind war schon in den Brunnen gefallen.“

Derrick Allen, als Profi 2010/11 Topscorer für Alba Berlin, hat auch in der kommenden Saison das Sagen. Apropos: Josh Young, Jordan Barnett und Hasbargen erhielten im vergangenen Sommer Verträge über zwei Jahre, während Philipp Herkenhoffs Fünfjahresvertrag noch bis 2022 läuft. Sind die Papiere auch in der ProA gültig? Wer soll bleiben? Wer kann gehen? Fragen, die erst nach dem letzten Spiel erörtert werden sollen. Natürlich hat Niemeyer den einen oder anderen im Kopf, den er auch 2021/22 gerne im Rasta-Trikot sehen würde. Aber der Umbruch wird groß sein, das ist kein Geheimnis. Dazu Niemeyer: „Ich kann hier ja keinen anbinden. Klar wäre es sehr schön, wenn Philipp bleiben würde, aber ich gehöre doch geohrfeigt, wenn wir ihm Steine in den Weg legen. Das machen wir nicht, der Junge muss 1. Liga spielen.“


Die Bedingungen für ein Rasta-Wunder

  • Rasta Vechtas Abstieg ist zu 99 Prozent besiegelt. Und das letzte Prozent? Theoretisch kann sich Rasta noch retten – aber nur so geht's:
  • Erstens: Rasta muss seine vier letzten Spiele gegen Alba Berlin (Freitag), in Gießen (Sonntag), gegen den Mitteldeutschen BC (5.5.) und in Würzburg (9.5.) gewinnen.
  • Zweitens: Der MBC oder Würzburg müssen neben der Partie gegen Vechta auch ihre restlichen Spiele verlieren. Der MBC spielt noch gegen Bayreuth und Oldenburg; Würzburg gegen Berlin, Chemnitz und Frankfurt.
  • Drittens: Vechta kann maximal punktgleich mit dem MBC oder Würzburg werden. Heißt: Rasta muss auch den direkten Vergleich gewinnen; die beiden Hinspiele verlor Rasta (beim MBC mit 72:82, gegen Würzburg mit 80:88).
  • Viertens: An Gießen muss Rasta auch noch vorbei. Die 46ers müssten also neben dem Vechta-Spiel noch eine weitere Partie – in Chemnitz, in Bamberg oder gegen Braunschweig – verlieren.
  • 18:50 Punkte: Theoretisch könnten Rasta, Gießen, der MBC und Würzburg am Ende punktgleich sein. Bei einem Dreier- oder Vierervergleich ist ein Taschenrechner nötig.

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