Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Sogar Völler legte "Shorty" an die Kette

In der Saison 1980/81 absolvierte Wilfried "Shorty" Osterkamp mit dem VfB Oldenburg 40 Spiele in der 2. Bundesliga und erzielte acht Tore.

Artikel teilen:
Wilfried Osterkamp   Foto: Wulfers

Wilfried Osterkamp   Foto: Wulfers

Talentförderung in frühester Kindheit, gar Jugend-Leistungszentren: All das war für den jungen Wilfried Osterkamp Anfang der 70er Jahre ganz und gar nicht angesagt. "Wir haben mit den Nachbarjungs gegen die Hauswand gebolzt", erinnert er sich zurück an seine fußballerischen Anfänge.

Erst im Alter von 14 Jahren begann für ihn der organisierte Fußball. "In Peheim ging es im Jugendfußball erst mit der A-Jugend los." Osterkamp war natürlich dabei und schon bald blieb sein Talent auch anderen Klubs nicht verborgen. Arnold Hochartz und Klaus Ebel holten den pfeilschnellen Stürmer 1972 in die A-Jugend des BV Cloppenburg. Es folgte die Berufung in die Bezirksauswahl und in der Saison 1973/74 wurde Osterkamp Torschützenkönig in der Verbandsjugendliga.

Osterkamp folgt dem Ruf des VfB Oldenburg

Von da an ging‘s steil bergauf. Unter Trainer Martin Wessels waren zwei Jahre in der ersten Mannschaft des BV Cloppenburg angesagt, danach folgte Osterkamp zusammen mit Ernst "Pico" Eckholt dem Ruf des VfB Oldenburg. Im Frühjahr 1977 kam‘s dann noch dicker. Bundesligist Werder Bremen war auf den Youngster aufmerksam geworden. Werder-Trainer Hans Tilkowski traf sich mit Osterkamp, doch zu einem Wechsel in die Beletage des deutschen Fußballs mochte sich Osterkamp nicht entscheiden. "Nach so kurzer Zeit in die Bundesliga, das war für mich als Junge vom Dorf unvorstellbar."

"Shorty" blieb folglich bei den Blauen. Apropos "Shorty": Den Spitznamen verpassten sie ihm in der Zeit beim BVC. "Ich war zwar nicht der Kleinste, aber der Jüngste", schmunzelt er. Nachdem es beim VfB zu finanziellen Ungleichbehandlungen gekommen war ("Die alt eingesessenen Spieler fühlten sich extrem benachteiligt") wechselte Osterkamp 1984 zu Atlas Delmenhorst. Nach 5 Jahren Atlas zog es ihn im Alter von 33 Jahren zurück zu seinem SV Peheim, den er fünf Jahre als Spielertrainer coachte. Es folgten weitere fünf Jahre als Trainer bei Sparta Werlte. Seit 2010 ist Osterkamp 1. Vorsitzender des SV Peheim-Grönheim.

Er war ein typischer Sechser im heutigen Sinne

Zurück zum VfB Oldenburg, gleichbedeutend mit der sportlich besten Zeit des heute 64-Jährigen. Trainer Helmut Mrosla schulte den Angreifer zu einem Mittelfeldspieler um. "Ich war hart, aber nicht unfair. Heute würde man sagen ein typischer Sechser. Allerdings: Bei den heute üblichen Videoassistenten hätte ich vermutlich ein Drittel der Saison zugeschaut", schmunzelt Osterkamp. Seine Stärke war vor allem die Schnelligkeit, von der sich auch ein gewisser Rudi Völler überzeugen durfte. "Wir bestritten ein Freundschaftsspiel gegen Werder Bremen. Du bist schnell genug, der kann dir nicht weglaufen, hat mir der Trainer gesagt. Völler hat dann tatsächlich kein Tor gemacht, was für mich natürlich ein persönlicher Erfolg war, durch den ich viel Selbstvertrauen bekommen habe."

Sich selbst über Gebühr in den Vordergrund zu stellen, ist seine Sache indes nicht. So hat er fast im gleichen Atemzug dann auch eine weniger erfreuliche Partie in Erinnerung. Im Oldenburger Zweitligagastspiel bei Eintracht Braunschweig kassierte der VfB eine 0:7-Klatsche. Osterkamps Gegenspieler war Ronnie Worm, der gleich fünf Treffer erzielte. "Donnerwetter war der schnell", schwärmt Osterkamp noch heute über die Fähigkeiten des siebenfachen Nationalspielers.

Bei der Frage nach seinem schönsten Sportmoment hat Osterkamp zwei Partien parat. Nach der Oberligameisterschaft 1980 stieg der VfB in die damalige zweigeteilte 2. Bundesliga auf. Unvergessen seine erste Partie in der zweithöchsten deutschen Liga. Am 6. August 1980 war Hertha BSC Oldenburgs Auftaktgegner im legendären Stadion Donnerschwee. Der VfB siegte 2:0 und Osterkamp hatte wesentlichen Anteil am Erfolg. Nach einem Foul an ihm verwandelte Herbert Pösger den fälligen Strafstoß zum 1:0 (67.), dem Michael Kalkbrenner das entscheidende 2:0 folgen ließ (83.). "In Oldenburg war Ausnahmezustand. Das Stadion war mit 17 000 Zuschauern brechend voll. Die Anlieger haben für das Spiel sogar ihre Balkone verkauft. Dann noch ein Sieg im ersten Zweitligaspiel, da kochte der Kessel."

Angebote von Werder und Borussia Dortmund

Die zweite unvergessene Partie war die Achtelfinalbegegnung im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt. Nach Siegen gegen FV Lauda (2:1), FC Homburg (1:0) und Siegburger SV (2:1) stand der VfB in der vierten Runde und erwischte bei der Auslosung den hessischen Bundesligisten. Wegen der größeren Kapazität wurde die Partie ins Marschwegstadion verlegt. Als nach einer guten Stunde der Erstligist nach Toren von Werner Lorant (2), Bum-kun Cha (2) und Bruno Pezzey bei Oldenburger Treffern von Peter Darsow und Wilfried Klinge mit 5:2 in Führung lag, schien die Partie gelaufen. Osterkamp verkürzte auf 3:5, Reinhold Specht ließ das 4:5 folgen. "Fast hätten wir noch den Ausgleich geschafft, aber auch so war es trotz der Niederlage ein unvergessliches Erlebnis."

Auch wenn der Peheimer Junge trotz Angebote von Werder Bremen und Borussia Dortmund den Sprung in Liga eins nicht wagte, ist er mit seiner fußballerischen Karriere im Reinen. "Im Nachhinein habe ich vieles richtig gemacht..."

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Sogar Völler legte "Shorty" an die Kette - OM online