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„Sister Act“ auf Handballfeld – warum nicht?

Die Schwestern aus Garrel sind feste Größen in ihren Mannschaften. Lisa-Marie spielt für den Bundesligisten VfL Oldenburg, Melanie führte den BVG in die 3. Liga.

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Führungsspielerin in Garrel: Melanie Fragge ist mit dem BVG wieder in die 3. Liga aufgestiegen. Foto: Langosch

Führungsspielerin in Garrel: Melanie Fragge ist mit dem BVG wieder in die 3. Liga aufgestiegen. Foto: Langosch

Wenn die Garrelerin Lisa-Marie Fragge ihre Sporttasche packt, um zum Training oder zu einem Spiel zu fahren, dann gibt es ein langes Gesicht. Aber nicht bei der 22-jährigen Bundesligahandballerin des VfL Oldenburg, sondern vielmehr bei ihrer jüngeren Schwester Melanie. Letztere ist, wenngleich erst 19 Lenze jung, längst Leistungsträgerin beim Drittligisten BV Garrel – und derzeit zum Zusehen verdammt. Vom Lockdown sind Profis, und damit auch Bundesligist VfL, ausgenommen, während der Deutsche Handballbund für die 3. Liga die Saison bis vorerst 31. Januar unterbrochen hat.

„Ich bin schon ein bisschen neidisch“, gibt Melanie Fragge zu. „Es ist megablöd, dass wir nicht einmal trainieren dürfen.“ Umso mehr hofft sie, dass der Lockdown Erfolg hat und die Zwangspause bald passé ist. Zwischendurch freilich hielt sich der Neid in engsten Grenzen. Denn Lisa-Marie Fragge war eine von zwei VfL-Spielerinnen, die das Coronavirus erwischte. Allerdings kam sie recht glimpflich davon: „In der ersten Woche lag ich flach, wie bei einer Grippe, in der zweiten Woche ging es dann“, sagt die Abwehrspezialistin. Inzwischen ist sie wieder komplett genesen und mischt im Oldenburger Team, für das vor jedem Spiel Coronatests obligatorisch sind, voll mit.

Handballtalent haben beide von der Mutter

Das Handballtalent haben die beiden Fragge-Schwestern von ihrer Mutter. „Mama hat früher selbt beim BV Garrel gespielt, wenn auch nicht so hochklassig“, sagt Melanie Fragge. „Deshalb waren Lisa-Marie und ich schon ganz früh in der Halle und haben Spaß am Handball gefunden.“

Mit Ausnahme eines Jahres in der A-Jugend des VfL ist Melanie, die in der vorigen Saison mit 180 Treffern mit Abstand beste Torjägerin ihres Teams war, dem BV Garrel stets treu geblieben. „In der Saison hatte ich ein Zweitspielrecht, und war auch da für den BVG im Einsatz.“ Was fehlt der 19-Jährigen derzeit mehr, der Handball selbst oder die Gemeinschaft in der Mannschaft? „Beides“, meint die angehende Abiturientin. „Es ist das Gesamtpaket. Einerseist haben wir einen echt starken Zusammenhalt im Team, andererseits hätte ich auch richtig Bock darauf, mal wieder Handball zu spielen. Derzeit haben wir nur zweimal pro Woche eine gemeinschaftliche Zoom-Einheit mit Krafttraining.“

Seit fünf Jahren in Oldenburg: Lisa-Marie Fragge ist längst im Bundesligateam des VfL angekommen. Foto: Sönke SpilleVfL OldenburgSeit fünf Jahren in Oldenburg: Lisa-Marie Fragge ist längst im Bundesligateam des VfL angekommen. Foto: Sönke Spille/VfL Oldenburg

Lisa-Marie hat bis zur B-Jugend beim BVG gespielt, bevor sie 2015 nach Oldenburg wechselte. Ein Entschluss, den sie nie bereut hat: „Es war die richtige Entscheidung. Vor allem hat sich meine gesamte Garreler Mannschaft für mich mitgefreut, dass ich dieses Angebot bekommen habe.“ In der Auswahl des Niedersächsischen Handballverbandes hatte man ihr diesen Wechsel zudem nahegelegt. Lisa-Marie Fragge nutzte die Chance. Im Bundesligateam ist sie eine feste Größe, Trainer Niels Bötel, 2014 Spieler beim TV Cloppenburg, setzt auf die Garrelerin. Wie sehen die weiteren Ziele aus? „Ich schaue nicht allzu weit in die Zzukunft, sondern gehe step by step. Ich gebe in jedem Spiel 100 Prozent – dann werde ich sehen, wofür es reicht.“ Einen Traum hat Lisa Marie Fragge, die vor knapp einer Woche 22 Jahre jung geworden ist, indes doch: „Das Trikot mit dem Bundesadler drauf zu tragen, das wäre toll.“

Aktuell aber zählt die Bundesligasaison. Der Start gelang mit einem 26:25 über den TuS Metzingen, „aber dann haben wir in folgenden Spielen einige Punkte liegen gelassen“, sagt Lisa-Marie Fragge. „Grundsätzlich aber macht das unsere junge Mannschaft gut, es war wichtig, dass wir kurz vor der Pause noch gegen die Kurpfalz Bären aus Ketsch noch mit 33:21 gewonnen haben. Mit 8:10 Punkten stehen wir ganz ordentlich da. So kann es weitergehen.“ Die nächste Aufgabe aber hat es in sich, direkt nach Weihnachten tritt der VfL am Sonntag (27. Dezember) beim Tabellenführer SG BBM Bietigheim an, drei Tage später sollten dann im Heimspiel gegen den Vorletzten, 1. FSV Mainz 05, auf jeden Fall Punkte her.

„Wir freuen uns für die andere, wenn sie Erfolg hat und versuchen, unsere Spiele auch zu sehen“Melanie Fragge

Eine geschwisterliche Rivalität gibt es unter den Fragge-Schwestern aber nicht. „Wir freuen uns für die andere, wenn sie Erfolg hat und versuchen, unsere Spiele auch zu sehen“, sagt Melanie Fragge. Ihre große Schwester charakterisiert sie als „ehrgeizig und abwehrstark. Außerdem ist Lisa-Marie ein idealer Teamplayer. Sie hält die Mannschaft zusammen und feuert ständig an, auch wenn sie mal auf der Bank sitzt.“ Anders herum beschreibt Lisa-Marie ihre Schwester als „eine absolute Teamspielerin. Außerdem ist sie im Eins-gegen-Eins richtig stark. Melli hat ein mega Potenzial.“

Ist denn auch ein „Sister-Act“ auf dem Handballfeld denkbar, sprich: Wird man Lisa-Marie und Melanie Fragge mal gemeinsam in einer Mannschaft sehen? „Warum nicht? Das wäre sicherlich toll“, meint Melanie Fragge, die sich aber erst einmal auf ihr Engagement beim BV Garrel konzentriert. Die diffuse Coronalage lässt zwar keine Prog-
nose zu, wie und ob die laufende  Saison fortgesetzt werden kann, aber mittelfristig „wollen wir erst einmal die 3. Liga halten“, sagt Melanie Fragge, die nach dem Abitur im Sommer eine Ausbildung bei der Polizei anstrebt. „Wenn die Mannschaft zusammenbleibt und wir vielleicht die eine oder andere Spielerin noch hinzubekommen, dann klappt es irgendwann vielleicht auch mit der 2. Liga.“

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