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Simon Engelmann nach Aufstieg in die 3. Liga: "Es macht mich schon stolz"

RW Essens Torjäger spricht über den Aufstieg, Atemnot im Tohuwabohu und die Rückkehr in die Heimat. Und er verrät, wohin es ihn am Vatertag ziehen wird.

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Ziel erreicht: Essens Torjäger Simon Engelmann präsentiert den Fans im Stadion an der Hafenstraße die Meistertrophäe, Seite an Seite mit seinen Teamkollegen. Foto: Markus Endberg/Ruhrpottfoto.de

Ziel erreicht: Essens Torjäger Simon Engelmann präsentiert den Fans im Stadion an der Hafenstraße die Meistertrophäe, Seite an Seite mit seinen Teamkollegen. Foto: Markus Endberg/Ruhrpottfoto.de

Der kurze Abstecher in den Baumarkt hatte fast schon etwas Meditatives. Simon Engelmann schlenderte durch die Gänge des Gartencenters, vorbei an Terrakotta-Töpfen und Grills, an Rasentrimmern und Gartenschlauch-Aufrollern, an Lounge-Möbeln und Pavillons. „Es tut gut, ein bisschen Ruhe zu haben und hier durch die Gänge zu gehen“, sagte Engelmann auf der Suche nach einem Sandkasten und Spielsand für seinen drei Jahre alten Sohn Mats. Und er ergänzte: „Die letzten zwei Wochen waren so laut, so wild, so turbulent. Da ist so ein kleines Alltagsproblem eine Wohltat.“

Oh ja, die vergangenen zwei Wochen des 33 Jahre alten Torjägers aus Visbek waren in der Tat laut, wild und turbulent. Mit RW Essen gewann Engelmann die Meisterschaft in der Fußball-Regionalliga West, durch ein 2:0 gegen Ahlen ging der Traum vom Aufstieg in die 3. Liga in Erfüllung, im Fernduell mit Preußen Münster behielt RWE ganz knapp die Oberhand. In Essen brachen danach alle Dämme, die Szenen vom Ausnahmezustand an der Hafenstraße wird Engelmann wohl nie vergessen. „Gefühlt waren zwei Sekunden nach dem Schlusspfiff alle Fans auf dem Rasen“, sagte der Liebling der Massen zum Platzsturm. Engelmann, mit 24 Toren im vierten Jahr in Folge Torschützenkönig der West-Staffel, wurde von den 16.000 Fans mit Sprechchören gefeiert. „Ich hätte nach dem Spiel gerne einen kurzen Moment für mich gehabt. Aber keine Chance, wir wurden sofort belagert“, erzählt der Torjäger.

Bei aller Freude („Krass, wie die Fans uns abgefeiert haben“) habe es im ganzen Tohuwabohu aber auch ein paar beklemmende Momente gegeben, gibt der Goalgetter ganz offen zu: „Wir sind fast erdrückt worden. Zwischendurch hatte ich kaum Luft zum Atmen. Ich hab' meine Mitspieler gesucht, aber keinen gefunden.“ Den ersten ruhigen Moment gab's demnach erst in der Kabine unter der Dusche. Kurz vor Mitternacht, acht Stunden (!) nach dem Schlusspfiff.

Kurzer Moment der Ruhe: Simon Engelmann mit Ehefrau Sandra.Kurzer Moment der Ruhe: Simon Engelmann mit Ehefrau Sandra.

Für Engelmann und Co. ging die Party danach auf Mallorca weiter. „Inklusive der beiden Tage in Essen haben wir vier Tage am Stück Vollgas gegeben, das reichte dann aber auch“, sagte Engelmann. Wie sehr die Stimme in Essen und am Ballermann gelitten hat, konnte man auch am vierten Tag seines Heimaturlaubs noch erahnen.

Endlich 3. Liga – RW Essen hatte 14 Jahre lang auf diesen Tag gewartet, bei Engelmann waren es immerhin zwölf Jahre in der Regionalliga. „Es macht mich schon stolz, dass ich es jetzt in die 3. Liga geschafft habe“, erklärt Engelmann. Er verspüre „ein Stück weit Genugtuung“. Angesprochen auf eine frühere Personalstory in der Tageszeitung „Die Welt“ mit dem Titel „Gefangen in der Regionalliga“, sagte Engelmann nun mit einem Grinsen: „Die Freiheit fühlt sich super an.“ 2019/20 als Corona-Abbruchmeister mit dem SV Rödinghausen und im Vorjahr als Vizemeister mit Essen sei der Ausbruch aus dem Gefängnis knapp gescheitert, im dritten Anlauf klappte es nun. Engelmanns Vertrag in Essen hat sich durch den Aufstieg automatisch um ein drittes Jahr verlängert – und er ist richtig heiß auf die Herausforderung, sich in der 3. Liga zu beweisen. Sein persönliches Tor-Ziel: „Wenn's zweistellig wird, wäre das schon schön.“

Bis zum Trainingsstart Mitte Juni – das exakte Datum legt der neue Trainer fest – hat Engelmann noch einiges zu regeln. „Wir verlegen unseren Lebensmittelpunkt wieder nach Bakum“, verrät Engelmann, der sich eine kleinere Wohnung in Essen sucht und künftig mehr pendeln will. Seine Frau Sandra ist Bakumerin, Mats kommt bald in den Kindergarten – und wird zudem im Juli großer Bruder. „Wir haben in Essen gemerkt, dass es ohne Großeltern in der Nähe echt schwierig ist“, sagt Engelmann, „und mit zwei Kindern wird's ja nicht leichter.“ In nächster Zeit sollen auch die Hausbau-Pläne vorangetrieben werden, ein Grundstück in Bakum hat die kleine Familie bereits.

Einen Heimatfußball-Termin gibt's während des Urlaubs auch. Am Donnerstag (26. Mai, 15.00 Uhr) steigt das Kreispokal-Finale zwischen RW Visbek und BW Langförden. In Dennis Jex, Fabian Meyer und Felix Diersen gehören drei Engelmann-Kumpels dem RWV-Kader an. Jex und Diersen saßen bei Essens Meisterstück auch auf der Tribüne. Für den Vatertag ist nun der Gegenbesuch geplant – auch wenn's auf dem Sportplatz nicht ganz so ruhig ist wie im Gartencenter.

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