Siemer: Mit der Raute ins „Feindesland“
Der 62-Jährige ist seit zwölf Jahren Betreuer beim BV Cloppenburg. Trainer Jörg-Uwe Klütz holte ihn damals ins Team.
Rolf Wulfers | 10.05.2020
Der 62-Jährige ist seit zwölf Jahren Betreuer beim BV Cloppenburg. Trainer Jörg-Uwe Klütz holte ihn damals ins Team.
Rolf Wulfers | 10.05.2020

Alle Bälle zu mir: Hubert Siemer ist seit zwölf Jahren Betreuer beim BV Cloppenburg. Foto: Wulfers
Regionalliga, Oberliga und jetzt Landesliga: Hubert Siemer hat in zwölf Jahren als Betreuer bereits etliche Höhen und Tiefen bei den Fußballern des BV Cloppenburg mitgemacht. Die Frage, wie viele Trainer und Cotrainer er in den Dutzend Jahren seiner Tätigkeit beim BVC bereits erlebt hat, vermochte Siemer auf Anhieb nicht zu beantworten. „Im Kabinentrakt hängen alle Mannschaftsfotos, es waren schon einige“, meint der 62-Jährige, der sich aber um die Auflösung der Frage höchstselbst kümmerte. Jörg-Uwe Klütz, Mario Neumann, Uwe Groothuis, Alket Zeqo, Jörg Goslar, Steffen Bury, Petar Kosturkov, Sebastian Schütte, Olaf Blancke, Torsten Bünger, Imke Wübbenhorst und Wolfgang Steinbach lauteten die Namen seiner Recherche. Dabei war Siemer lange alles andere als ein eingefleischter Fußballfan. „Ich hab' zu Hubert Hürings Zeiten hin und wieder beim Training zugesehen. Als dann Jörg-Uwe Klütz Trainer wurde, hat er mich gefragt, ob ich zu einem Spiel in Hamburg nicht im Mannschaftsbus mitfahren will. Das habe ich dann ein paar Mal gemacht und plötzlich war ich Betreuer. Damals noch zusammen mit Jochen Zdebel, von dem ich mir einiges abgeschaut habe.“ „Das war damals die schönste Zeit mit Klützer und Mario Neumann.“ Eines der nachhaltigsten Momente war für ihn der Aufstieg in die Regionalliga am Ende der Saison 2011/2012. Nach einer formkonstanten Saison machten Cloppenburgs Fußballer mit einem 5:1-Heimerfolg am vorletzten Spieltag gegen den SC Langenhagen (Tore: Kristian Westerveld, zweimal Paul Kosenkow, Andre Kaiser und Rogier Krohne) die Qualifikation für die Regionalliga perfekt. Die Oberliga-Serie beendete der BVC schließlich als Vizemeister hinter dem vier Punkte mehr aufweisenden Goslarer SC. „Das war damals die schönste Zeit mit Klützer und Mario Neumann“, erinnert sich Siemer und hat sogleich eine Anekdote parat. Der überzeugte Alkoholabstinenzler („Dafür gibt es keinen besonderen Grund, aber Alkohol schmeckt mir einfach nicht“) hatte bei den Aufstiegsfeierlichkeiten urplötzlich ein Bier in der Hand. Dumm nur, dass ausgerechnet dieser Moment festgehalten wurde und am folgenden Tag in der Münsterländischen Tageszeitung der Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Da hab ich mir im Freundes- und Bekanntenkreis einige Sprüche anhören müssen“, schmunzelt Hubert Siemer. Dem bekennenden HSV-Fan ist zudem ein Präsent in nachhaltiger Erinnerung. „Eine Woche nach meinem Geburtstag hatten wir ein Spiel gegen die HSV-Amateure. Rodolfo Esteban Cardoso war damals deren Trainer. Ich bekam ein Trikot von Rafael van der Vaart mit den Unterschriften aller Profis geschenkt. Ich hab‘ zwar nicht reingepasst, mich aber trotzdem sehr gefreut“, lacht Siemer. Dass er sich als Fan der Rothosen auch in „Feindesland“ traut, macht eine weitere Episode deutlich. „Wir haben mit dem BVC im Winter beim FC St. Pauli gespielt. Ich saß auf der Cloppenburger Bank und trug Handschuhe mit der HSV-Raute. Die Leute hinter uns haben getobt.“ Der derzeitigen Zwangspause gewinnt Siemer sogar noch einen positiven Aspekt ab. „So komm ich abends auch mal früher zu Bett und bin sogar sonntags zu Hause.“ „Daran muss ich mich auch erst mal gewöhnen“, schmunzelt Ehefrau Ulla...
HSV-Handschuhe treiben St.Pauli-Fans zum Toben
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