Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

SFN richtet den Blick vorsichtig nach oben

Vechtas Handballerinnen starten am Sonntag mit einem Auswärtsspiel bei Aufsteiger PSV Recklinghausen in die Saison in der 3. Liga Nord-West.

Artikel teilen:
SFN Vechta 2020/21. Hinten von links: Torwarttrainer Jakob Kasperlik, Co-Trainer Marc Clausing, Lisa Noack, Luca Vodde, Klara Germann, Tina Schwarz, Torwarttrainerin Ewa Wozinska und Trainer Kai Freese. Vorne von links: Jane Müller, Svenja Ruhöfer, Nele Müller, Neza Curk, Carolin Tiedeken, Birte Kierat, Ria Hacek und Patricia Akalovic. Foto: Müller

SFN Vechta 2020/21. Hinten von links: Torwarttrainer Jakob Kasperlik, Co-Trainer Marc Clausing, Lisa Noack, Luca Vodde, Klara Germann, Tina Schwarz, Torwarttrainerin Ewa Wozinska und Trainer Kai Freese. Vorne von links: Jane Müller, Svenja Ruhöfer, Nele Müller, Neza Curk, Carolin Tiedeken, Birte Kierat, Ria Hacek und Patricia Akalovic. Foto: Müller

Der coronabedingte Saisonabbruch erwischte auch die Handballerinnen von SFN Vechta im Frühjahr eiskalt. Mit dem Ergebnis aber konnten Trainer Kai Freese und sein Team leben. Durch die Anwendung der Quotientenregel (Pluspunkte durch Anzahl der Spiele) beendeten die Vechtaerinnen die abgebrochene Spielzeit 2019/20 in der 3. Liga West auf einem starken vierten Rang. „Ich glaube, dass wir den vierten Platz bei einer Fortsetzung der Saison auch sportlich hätten erreichen können“, sagt Kai Freese im Rückblick: „Denn zur Rückrunde haben wir uns extrem gesteigert.“

Mit diesem Selbstvertrauen starten die SFN-Damen nun auch in die neue Saison. Zum Auftakt geht's am Sonntag (17.00 Uhr) zum Aufsteiger PSV Recklinghausen, dem Meister der Oberliga Westfalen. „Wir wollen uns da oben festbeißen. Unser Ziel ist das obere Drittel oder zumindest die obere Hälfte der Tabelle“, sagt Freese und beteuert: „Ich traue der Mannschaft das zu.“

Allerdings haben sich die Vorzeichen komplett verändert. Statt in der ungeliebten Weststaffel mit Fahrten bis ins Saarland und nach Mainz spielt Vechta jetzt in der neuen Nord-West-Liga – unter anderem zusammen mit den Nachbarn BV Garrel, VfL Oldenburg II, Ibbenbürener SpVg und zwei Hannoveraner Teams. „Dieses Jahr sind wir mehr als zufrieden“, sagt Freese: „Wir haben alle Derbys, bis auf Oyten.“

In der Abwehr wird vor allem Mette Müller fehlen

Auch im Vechtaer Kader hat sich einiges getan. Vor allem der Weggang von Mette Müller und Ute Zimmermann, die es beide aus beruflichen Gründen nach Schleswig-Holstein verschlagen hat, wiegt schwer. Die großgewachsene Mette Müller war im wahrsten Sinne des Wortes eine feste Größe im Abwehr-Innenblock, der nun neu formiert werden muss. Klara Germann, Luca Vodde und die aus Garrel gekommene Lisa Noack sollen künftig das Bollwerk in der Abwehrmitte bilden.

„Lisa ist mit ihren 19 Jahren schon eine sehr gute Abwehrspielerin“, findet Kai Freese. Auch im Angriff erhofft er sich viel von der jungen Linkshänderin. „Sie kommt aus Ihrhove nahe meiner Heimat. Ich habe schon vor zweieinhalb Jahren versucht, sie zu uns zu holen. Sie ist sehr talentiert und soll irgendwann mal Tina Schwarz beerben“, erklärt Freese.

Neben der jungen Carolin Tiedeken, die Celina Friede im Tor ersetzt, sind zudem Patricia Akalovic und Birte Kierat neu im Kader. Birte Kierat, die zuletzt in Lohne spielte, kam auf Empfehlung von SFN-II-Trainer Bernd Öhlmann. Sie soll vor allem das Tempospiel beleben. „Unglaublich, wie schnell die ist“, staunt Freese und beteuert: „Sie ist eingeschlagen wie eine Bombe.“ Auch von der jungen Slowenin Patricia Akalovic erhofft er sich offensive Impulse: „Patty ist unsere beste Eins-gegen-eins-Spielerin. Sie ist nicht die Größte, aber hat einen wahnsinnig starken Wurf. Sie kann Spiele entscheiden, wenn spielerisch mal nichts mehr geht.“

Grundsätzlich hat Freese festgestellt: „Es wird nicht einfacher, junge Spielerinnen zu bekommen. Da spielt auch Bequemlichkeit eine große Rolle. Es gibt immer weniger Spielerinnen, die den nötigen Ehrgeiz mitbringen.“ Begeistert zeigt sich der Coach dagegen von der Zusammenarbeit mit der Abteilungsleitung um Jörn Borchardt, die sich auch um das Hygienekonzept gekümmert hat. Und die SFN-Sponsoren hätten ihr Engagement teilweise sogar noch aufgestockt. „Das hat mich echt gefreut“, so Freese.

Freese wünscht sich mehr Unterstützung von der Stadt

Nicht verstehen kann er dagegen, dass der Deutsche Handballbund den Vereinen trotz wegbrechender Zuschauereinnahmen bei Schiedsrichterkosten und Meldegeldern keinen Nachlass gewähre. Alleine die Schiri-Kosten liegen pro Heimspiel bei 500 bis 550 Euro.

Und auch von der Stadt Vechta wünscht sich Freese mehr Unterstützung, vor allem bei den Hallenzeiten: „Wir trainieren nur einmal in der Halle West, wo wir unsere Heimspiele austragen. Und auch im Jugendbereich haben wir zu wenig Hallenzeiten. Das ist eine Katastrophe“, findet der Coach.

Noch zwei Personalien sind neu: Die Dinklagerin Luca Vodde wurde von Kai Freese zur Kapitänin bestimmt. Sie tritt damit die Nachfolge von Mette Müller an. „Sie hat eine super Entwicklung genommen“, findet Kai Freese. Zudem hat SFN jetzt in Dr. Klaus Berding einen offiziellen Mannschaftsarzt. Der Vechtaer ist in dieser Funktion auch schon bei den Basketballern von Rasta Vechta tätig.

Die Vorbereitung macht den Vechtaerinnen für die neue Saison Mut. Bis auf zwei Niederlagen bei den Erstligisten VfL Oldenburg und Kwiek Raalte (Niederlande) entschied SFN alle Testspiele für sich. Zuletzt gab es am vergangenen Wochenende ein 34:26 gegen den TV Oyten aus der 3. Liga Nord-Ost.

Mit dem Auswärtsspiel in Recklinghausen wird es nun am Sonntagnachmittag ernst. Coronabedingt darf Vechta nur fünf Begleiter zum Saisonstart mitnehmen. Diese Tickets sind bereits vergeben. Eine Woche später steigt dann in der Halle West gegen den VfL Oldenburg II das erste Heimspiel der Saison (Samstag, 24. Oktober, 17.30 Uhr). Das von Jörn Borchardt und Klaus Sieve entwickelte Hygienekonzept sieht vor, dass 112 Zuschauer auf der Tribüne sitzen dürfen – sobald dies im Kreis Vechta wieder erlaubt sein sollte. Bis zum Sitzplatz herrscht Maskenpflicht. Die Zuschauer sollen sich über einen eigens eingerichteten Ticketshop vorab registrieren. Getränke gibt es nur aus Flaschen, Speisen nur abgepackt. Man ahnt: Auch die Saison 2020/21 dürfte wieder eine spezielle werden.


SFN Vechta 2020/21

  • Abgänge: Mette Müller, Ute Zimmermann (beide TSV Wattenbek II/Landesliga Schleswig-Holstein), Celina Friede (SV Altencelle).
  • Zugänge: Carolin Tiedeken (TV Cloppenburg), Lisa Noack (BV Garrel), Birte Kierat (BW Lohne), Patricia Akalovic (SG Ferlach/Österreich).
  • Kader:  Carolin Tiedeken (19), Neza Curk (22) - Lisa Noack (19), Jane Müller (24), Klara Germann (20), Birte Kierat (25), Tina Schwarz (28), Svenja Ruhöfer (24), Luca Vodde (22), Nele Müller (24), Ria Hacek (25), Patricia Akalovic (22).
  • Trainer: Kai Freese (47).
  • Saisonziel: Obere Tabellenhälfte.
  • Meistertipp: TV Aldekerk, TV Hannover-Badenstedt.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

SFN richtet den Blick vorsichtig nach oben - OM online